Reisen

Impressionen aus Salzburg

 

Diese Woche war ich einige Tage für einen Kurztrip in Salzburg. Zum Glück hatten wir totales Glück mit dem Wetter, 3 Tage lang Sonnenschein und eine angenehme Temperatur von ca. 20 Grad – 25 Grad. Am ersten Nachmittag haben wir die Altstadt besichtigt, da ein Feiertag war und niemand shoppen gehen konnte, war es angenehm leer und entspannt, gerade richtig, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Salzburg liegt sehr idyllisch am Fluß und zwischen kleinen Bergen, dazu die ganzen prächtigen Bauten und die dominante, aber trotzdem hübsche Burg, all das verleiht dem Städtchen einen besonderen und gleichzeitig gemütlichen Flair. Für einen Städtetrip ist die Stadt außerdem sehr „einfach“, unser Hotel lag ca. 5-10 Laufminuten vom Hauptbahnhof entfernt und zur Altstadt waren es von dort ebenfalls nur 5-10 Minuten zu Fuß. Die Altstadt hat mir gut gefallen, sie ist nicht groß, aber sehr verwinkelt, so dass ich es irgendwie die ganzen drei Tage lang nicht geschafft habe, ein Gefühl für die Himmelsrichtungen zu bekommen, dabei habe ich normalerweise eine recht gute Orientierung.

bild3
Blick von der Altstadt auf die Burg

 

Die Salzburg und Park Mirabell

An unsrem zweiten Tag in Salzburg sind wir gleich morgens zu Fuß zur Burg hochgelaufen (es gibt auch eine Bahn), der Weg ist zwar steil, aber auch recht kurz, so dass ich das nicht besonders anstrengend fand.

 

IMG_5990
Fußweg zur Burg

 

IMG_5995
Blick über Salzburg auf dem Weg zur Burg

 

Die Burg war vormittags kurz nach 9 auch noch erfreulich menschenleer, so dass wir in Ruhe umherschlendern konnten (meine ultimative Tourismus-Strategie, alles Beliebte immer so früh wie möglich besichtigen, denn die Touristenbusse kommen immer erst ab 11 Uhr 😉 ), bloß den Innenbereich und einen Aussichtsturm konnte man nur in festen Gruppen mit einem Audioguide besichtigen, was aber sehr gut gemacht war, es gab dort Einiges über die Geschichte der Burg zu erfahren und über die kriegerischen Auseinandersetzungen, die sich dort über die Jahrhunderte abgespielt haben.

IMG_6006
Blick aus der Burg 😉

 

Nachmittags haben wir das schöne Wetter dann ausgenutzt und haben den Park des Schlosses Mirabell besucht und uns dort einige Zeit hingesetzt und das schöne Wetter genossen.

bild4
Blumen im Park

 

IMG_6050

Der Park ist sehr schön angelegt und bietet auch einen sehr schönen Blick auf die Burg

IMG_6037

Geburtshaus von Mozart und Hellbrunn

An unsrem dritten Tag sind wir direkt mit einem Besuch des Mozart Geburtshauses gestartet. Mozart ist natürlich in Salzburg das größte Thema, sowohl was das Mitbringsel-Nippes-Merchandising angeht 😉 als natürlich auch kulturell gesehen (wobei ich es lustig fand, dass direkt nach Mozart offenbar immer noch oder wieder „The Sound of Music“ das zentrale Merchandising Thema darzustellen scheint, denn überall kann man den Film kaufen und es gibt einen extra „The Sound of Music“ Stadtführung, die alle Drehorte beinhaltet).

bild2
Mozarts Geburtshaus

 

Das Geburtshaus von Mozart befindet sich in der Altstadt und ist inzwischen zu einem Museum umgebaut, das in verwinkelten Räumen vom (kurzen) Leben von Mozart, aber auch seiner Familie berichtet. Mir hat das Museum gut gefallen, auch wenn es nicht übermäßig umfangreich ist und sich weitgehend auf den Lebensweg konzentriert und weniger auf Mozarts künstlerisches Schaffen.

Danach sind wir zu Schloss Hellbrunn gefahren, ein Lustschloss mit Wasserspielen, das im 17. Jahrhundert erbaut wurde. Die dortigen Wasserspiele dienten damals zur Zerstreuung und zur Vertreibung von „Melancholie“ (heute würde man vermutlich von Depressionen sprechen), so dass man das Ganze wohl aus heutiger Sicht als eine Art von „Vergnügungspark“ bezeichnen könnte. Die Wasserspiele kann man nur als Führung besichtigen und sie sind durchaus sehr unterhaltsam, wenn man auch Gefahr läuft nässer zu werden als vorher erwartet (was bei dem guten Wetter aber natürlich kein Problem war, allerdings mit Gefahren für Smartphones und teurer Kameras verbunden war). Das Besondere an den Wasserspielen aus heutiger Sicht, ist das diese komplett mechanisch mit Wasserkraft betrieben wurden, was damals technisch sicherlich eine beeindruckende Leistung war.

Das zugehörige Schloss enthält noch eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Schlosses und zu seinem Erbauer, Fürsterzbisch Markus Sittikus von Hohenems. Da an das Schloss Hellbrunn auch noch der Salzburger Zoo angeschlossen ist, empfiehlt sich dieses Ziel sicher auch für Familien mit Kindern sehr gut.

 

IMG_6066
Details in den Wasserspielen

 

 

Insgesamt hat mir Salzburg als Reiseziel sehr gut gefallen, es ist eine sehr charmante und schöne kleine Stadt, die sich super für einen Kurztrip eignet. Und obwohl die Stadt natürlich ein beliebtes Touristenziel ist, fand ich sie zwar gut besucht, aber nicht extrem überlaufen, was aber vermutlich zu Zeiten von Festspielen anders aussehen dürfte. Während unsres Besuchs fand dort übrigens ein kleines Brass-Festival statt, ich bin eigentlich kein großer Fan von Blasinstrumenten, aber was dort beim Vorbeischlendern und Zuhören zu hören war, fand ich wirklich beeindruckend und toll. Auch kulinarisch kommt man in Salzburg natürlich auf seine Kosten, wobei ich bei der österreichischen Küche eher ein Fan der Süßspeisen bin, denn ansonsten ist mir die traditionelle Küche genauso wie in Süddeutschland oft eher etwas zu „deftig“.

Bücher

Bücher Highlights aus dem 1. Quartal 2016

Auch dieses Jahr habe ich schon einige Bücher gelesen, die Highlights möchte ich heute hier vorstellen, das sind all die Bücher, die ich aus irgendeinem Grund überdurchschnittlich gut fand, genreübergreifend. Zur Zeit lese ich eigentlich am Meisten Belletristik unterschiedlichster Art, so dass ich diesen Post diesmal auch genreübergreifend halten möchte.

  • Kameraübung“ – von Synke Köhler:„Kameraübung“ ist ein recht kompaktes Büchlein (ca. 125 Seiten) mit neun verschiedenen Erzählungen aus dem Alltag verschiedener Menschen. Das Cover ist schlicht und elegant und hat mich sofort angesprochen. Ich lese relativ selten Erzählungen oder Kurzgeschichten, wobei ich diese sehr gerne mag wenn sie wirklich gut sind.

    Dieses Buch hat mich kein bisschen enttäuscht. Die verschiedenen Erzählungen im Buch sind fast alle auf sehr hohem Niveau und schildern ganz unterschiedliche kleine Alltagsbegegnungen oder -ereignisse auf eine sehr beeindruckende Art und Weise. Manche der Geschichten sind sehr nahe an den Hauptpersonen „dran“, man fühlt mit ihnen mit, in anderen Geschichten ist der Erzählstil distanziert und es wird eher die Sicht eines neutralen Beobachters eingenommen. Im Mittelpunkt der Geschichten stehen meist die Beziehungen zwischen den Personen, z.B. innerhalb einer Familie oder auch zwischen Menschen, die sich bisher gar nicht kannten. Was mich am meisten beeindruckt hat, ist das die Geschichten relativ kurz sind, man aber irgendwo trotzdem jedes mal sofort im Geschehen drin war und ein Gefühl für die Charaktere und Personen hatte.

  • EINS“ – von Sarah Crossan:„EINS“ von Sarah Crossan ist ein außergewöhnliches Buch, sowohl was das Thema angeht, als auch die Umsetzung. Es geht um die beiden 16-jährigen Schwestern Grace und Tippi (die Eltern waren Hitchcock Fans 😉 , siamesische Zwillinge, die von der Hüfte aus abwärts zusammengewachsen sind. Die Geschichte wird als Ich-Erzählung aus Sicht der einen Schwester Grace erzählt, in kleinen Episoden und das Buch zieht sich inhaltlich über den Zeitraum von einigen Monaten. Der Schreibstil des Buches ist auf den ersten Blick ungewöhnlich, die einzelnen Kapitel sind sehr kurz (oft nur ca. zwei Seiten) und in kleinen Textblöcken dargestellt, die auf den ersten Blick wie Gedichte wirken. Das stört den Lesefluss aber kein bisschen, grad durch die kleinen Häppchen, liest sich das Buch sehr schnell runter und entwickelt einen Sog, so dass man immer weiter und weiter lesen will. Die Sprache ist poetisch und berührend, ohne jemals kitschig zu werden. Das Buch schildert die Probleme und normalen Teenie-Alltagssorgen der beiden Schwestern, ihrer jüngeren Schwester Dragon, der Eltern, ihrer Freunde und die Reaktionen der Mitmenschen auf die beiden Schwestern. Zu Beginn des Buches ändert sich für Grace und Tippi in ihrem Leben gerade sehr viel, denn durch finanzielle Probleme der Eltern sind sie gezwungen auf eine „normale“ Schule zu gehen, anstatt wie bisher zu Hause unterrichtet zu werden. Abgesehen davon möchte ich von der Handlung allerdings nicht zu viel vorab verraten.

    Das Buch ist rein fiktiv, im Epilog am Ende gibt die Autorin allerdings einige Hintergrundinfos über ihre Recherchen zu dem Thema und ich hatte den Eindruck, dass sie sich sehr intensiv und fundiert mit dem Thema auseinandergesetzt hat (auch aus medizinischer Sicht), so dass ich darauf vertraue, dass die Informationen in dem Buch realistisch sind.

    Besonders gelungen finde ich bei diesem (Hardcover)-Buch übrigens auch das Cover, es besteht aus einem zum Teil transparenten Folienumschlag, dessen Bedeutung sich entpuppt wenn man ihn auch einmal entfernt und sieht zu dem auch sehr schön aus.

  • Bedenke, was Du tust“ – von Elizabeth George:Der neuste und 19. Roman aus der Inspector Lynley Krimi Reihe. Ich denke, jeder Krimileser kennt diese Reihe inzwischen entweder oder nicht, empfehlenswert sind die neuesten Bände sicherlich nur für Kenner, da das Privatleben der Kommissare ohne Vorkenntnisse vermutlich kein Interesse wecken kann, da man die Hintergründe des Verhaltens nicht verstehen würde. Standen in den letzten Inspector Lynley Romanen von Elizabeth George doch meistens Geschehnisse um Personen aus dem direkten Umfeld von Lynley und Havers im Mittelpunkt, so besinnt sich Elizabeth George hier meiner Meinung nach wieder etwas auf ihre Wurzeln, nämlich dem Schreiben von eher klassischen psychologischen Krimis. Natürlich spielt auch in diesem Fall das Privatleben von Lynley und Havers eine durchaus wichtige Rolle, aber es ist nicht ganz so im Fokus und der eigentliche Kriminalfall hat nichts mit den beiden zu tun, was ich angenehm fand.

    Die Geschehnisse selbst sind allerdings auch nicht unbedingt ein typischer Krimi, stattdessen stehen die Beziehungen und Geheimnisse zwischen den verschiedenen Personen, die in der Handlung eine Rolle spiele im Mittelpunkt und Elizabeth George nimmt sich sehr viel Zeit diese Charaktere einzuführen und langsam nach und nach aufzudecken wie alles zusammenhängt. Dies lässt sich schon alleine daran erkenne, dass es 200 Seiten dauert bis überhaupt mal der eigentliche Mord, um den es sich dreht, passiert. Ermordert wird in diesem Roman eine bekannte Feministin und Buchautorin und die Aufgabe von Havers und Lynley ist es herauszufinden wer aus dem Umfeld der Autorin denn einen Grund gehabt hätte sie umzubringen. Im Fokus der Ermittlung steht dabei ihre Angestellte Caroline, deren Familienverhältnisse wiederum den eigentlichen Mittelpunkt des Buches darstellen.

    Mir hat das Buch wirklich gut gefallen, auch wenn es teilweise wirklich sehr ausschweifend erzählt ist, was aber für Elizabeth George ja typisch ist (Fans von actionreichen Thrillern und straffer Handlung und Erzählweise werden mit dieser Autorin sicherlich nicht warm werden). Kleine Punktabzüge gibt es dafür, dass ich das eigentliche „düstere Geheimnisse“ schon ganz am Anfang erraten habe, da es doch recht offensichtlich durchschimmerte und dafür dass der Anteil zwischen Krimihandlung und Privatleben der Ermittler zwar gut gepasst hat, dass mir die Stories um das Privatleben von Lynley und Havers allerdings langsam etwas bemüht wirken, so als wüsste Elizabeth George auch nicht mehr so wirklich was sie mit den beiden in Zukunft noch anfangen soll. Sonderlich störend fand ich diese Kleinigkeiten aber nicht.

  • Der Pfau“ – von Isabell Bogdan:Bücher, die mehr oder weniger dem Genre „Humor“ zugeordnet sind, betrachte ich ja oft etwas mit Skepsis, da Humor ja so eine individuelle Sache ist und man oft nicht weiß ob der eigene getroffen wird. An dem Buch „Der Pfau“ hat mich aber das wirklich außergewöhnlich schöne Cover, sowie das Setting in Schottland und das Thema Teambuilding angesprochen. Und dieses Mal wurde ich auch nicht enttäuscht.

    Die Geschichte spielt auf einem alten Landsitz von Lady und Lord Macintosh, der von den beiden zu einem Hotel mit Cottages umgebaut wurde und das sie mit einigen wenigen Helfern betreiben. In diesem Hotel gibt es so allerlei Viechzeugs, darunter einige Pfaufen, darunter einen verrückten Pfau…dieser Pfau gibt nun der Geschichte den Namen und spielt auch durchaus eine Hauptrolle, wenn auch eher auf indirekte Art und Weise.

    Besucht wird das Hotel von einer Gruppe Bankangestellter, samt Teambuildingscoach und Privatköchin, die ein Teambuilding-Wochenende in dem Hotel verbringen sollen. Durch eine Verkettung von Umständen wird das Wochenende etwas länger und ereignisreicher als erwartet. Allzuviel will ich von der Handlung auch gar nicht verraten.

    Generell handelt es sich aber um ein Buch, das gar nicht mal mit so viel tatsächlicher Handlung daher kommt sondern der Sprachwitz und die Beziehungen zwischen den Charakteren machen den Reiz aus. Die Sprache ist dabei sehr leicht und trotzdem intelligent, humorvoll ohne überzogen zu sein und das Ganze Buch liest sich einfach locker und flockig in Windeseile herunter. Es erinnert mich ein bisschen an eine alte Screwball-Filmkomödie. Mir hat an dem Buch am Besten gefallen, dass die Geschehnisse zwar irgendwie absurd sind, die Menschen sich irrational verhalten, das Ganze aber trotzdem nicht unglaubwürdig ist, die Menschen verhalten sich nämlich auf genau so eine Art und Weise irrational wie Menschen das tatsächlich häufig tun. Man kann sich also fast vorstellen, dass das Ganze tatsächlich irgendwo in etwa so passieren könnte.

    Mich hat das Buch insgesamt sehr gut unterhalten, es ist ein leichtes Buch, das aber trotzdem intelligent ist und so viel Spaß bereitet, es ist einfach ein charmantes kleines Buch.

  • Arschlochpferd – Allein unter Reitern“ von Nika S. Daveron:„Arschlochpferd“ basiert auf dem gleichnamigen Facebook-Blog über die Online- und Offline-Pferdewelt von Nika S. Daveron, der sich inzwischen auf Facebook großer Beliebtheit erfreut. Das Buch ist sicher nur für Reiter interessant, aber in dem Bereich der humoristischen Pferdeliteratur (der sowieso nicht besonders groß ist) sticht dieses Buch definitiv heraus. Beschäftigt es sich doch ironisch und bissig mit den Verrücktheiten der Pferdemenschen, sowohl in realer Wildbahn (Pferdehöfe) als auch in der virtuellen Welt (Pferdeforen und Facebook-Gruppen).

    Da das Buch auf einem Blog basiert, hatte ich eigentlich damit gerechnet, dass auch das Buch aus mehr oder weniger willkürlichen Blogbeiträgen und Episoden besteht, in Wirklichkeit ist es aber wirklich (fast) ein richtiger kleiner Roman, mit einer fortlaufenden Handlung, was mich sehr positiv überrascht hat und für ein Buch auch viel besser gefällt als lose Blogbeiträge. Geschildert wird das Leben einer fiktiven Neupferdebesitzerin, die sich mit wenig Herzblut und noch viel weniger Wissen durchs Neupferdebesitzerleben schlägt und dabei mit allen Skurrilitäten der Pferdewelt konfrontiert wird.

    Sprachlich ist das Buch sehr gut gelungen, der Schreibstil ist halt sehr ironisch, aber trotz der kabarettistischen Herangehensweise ist der Inhalt des Buches sehr fundiert und das Buch hat auch durchaus eine ernste und ernstzunehmende Botschaft. Auch kann ich als erfahrene Reiterin (offline und online) sagen, dass der Inhalt trotz Parodie leider eigentlich erstaunlich weniger überzogen ist, genauso in etwa geht’s halt leider wirklich oft zu, was dann (für die Pferde) gar nicht mal so lustig ist, wie es auf den ersten Blick klingt.

    Generell würde ich das Buch für jeden Pferdemenschen empfehlen, vorausgesetzt er hat Humor, ist nicht Überempfindlich und mag es auch gerne etwas bissiger und kritischer.

 

Allgemein, Reiten

Reit-DVD- und Buch-Rezension: Cavaletti von Ingrid Klimke

Da wir am neuen Stall sehr viele Holzstangen haben und auch einige vernünftige Kreuze und Cavaletti-Ständer hab ich mich diesen Winter vermehrt mit Stangenarbeit und auch mit Cavaletti beschäftigt, da Gletta (meine Islandstute) sehr gerne mit Stangen arbeitet und da immer mit besonders viel Energie und Motivation dabei ist (manchmal sogar mit zu viel davon 😉 , neigt sie doch etwas zum übereilten Anziehen vor den Stangen).

Um dem Ganzen auch eine theoretische Grundlage zu geben, habe ich mir das Buch „Cavaletti – Dressur und Springen“ von Ingrid Klimke gekauft und ergänzend dazu auch noch die DVD „Mit Cavaletti-Training zum Erfolg„.

Das Buch ist grob in 2 Abschnitte eingeteilt, im ersten geht es um die tatsächliche Cavaletti-Arbeit im Schritt und Trab und Galopp auf geraden und gebogenen Linien und sowohl an der Longe als auch unter dem Reiter. Wobei der Fokus bei der Arbeit unter dem Reiter liegt. In der 2. Hälfte geht es um Springgymnastik und Gymnastikreihen. Für den Freizeitreiter (vor allem mit Gangpferd) sind wohl eher die Grundlagen relevant. Wie immer ist Ingrid Klimke’s Buch sehr nüchtern und damit auch etwas trocken beschrieben, einen Preis für den Unterhaltungswert gewinnen ihre Bücher eher nicht, lesen sie sich vom Schreibstil her doch immer ein bisschen wie die FN-Richtlinien. Dafür sind die Fotos wie immer absolut vorbildlich und schön, nicht eine einzige schlechte Momentaufnahme ist irgendwo im Buch aufzutreiben und da es mir primär darum ging mich mit den Grundlagen der Cavaletti-Arbeit vertraut zu machen, war ich mit dem Buch auch sehr zufrieden. Es bietet eben grobe und allgemeine Richtlinien zur Cavaletti Arbeit, natürlich primär ausgerichtet auf die Arbeit mit dreigängigen Warmblütern. Am Ende des Buches sind noch beispielhafte Trainingspläne für Pferde unterschiedlicher Ausbildungsstufen aufgeführt.

Die DVD „Mit Cavaletti-Training zum Erfolg“ zeigt in 80 Minuten die praktische Anwendung von Cavaletti. Dabei liegt der Schwerpunkt auch primär auf der gerittenen Arbeit, wobei auch einige Sequenzen zur Cavalettiarbeit im Schritt und Trab an der Longe (mit Ausbindern) enthalten sind.

Die Inhalte auf der DVD sind schrittweise aufgebaut, zuerst wird Cavaletti Arbeit im Schritt gezeigt, sowohl die Gewöhnung junger Pferde als auch die Arbeit mit erfahrenen Pferden, dann wird Cavaletti Arbeit im Trab behandelt und zuletzt die Arbeit im Galopp, sowie die Arbeit mit Gymnastik-Spring-Reihen (diesem Teil wird aber nicht so viel Zeit gewidmet wie im Buch). Dabei wird größtenteils Ingrid Klimke selbst als Reiterin gezeigt, aber auch Schüler und ihre Tochter Greta. Die Pferde sind größtenteils Warmblüter, aber ich meine auch ein Endmaßpony identifiziert zu haben und auch ein Shetty hat einen kleinen Auftritt 😉

Aufgelockert wird die DVD durch einige Sequenzen zur „alternativen“ Arbeit mit Cavaletti (gebissloses Halsringreiten, Springen mit Halsring, Springen ohne Bügel, Arbeit mit Kindern) und was mir auch besonders gut gefallen hat ist dass auch gezeigt wurde wie man Cavaletti Arbeit beim Reitunterricht in einer Abteilung sinnvoll einsetzen kann.

Das Reiterliche ist bei der DVD praktisch fast unangreifbar perfekt und auf einem sehr hohen Niveau, der Umgang mit dem Pferd während der Arbeit ist immer freundlich, lobend und motivierend und obwohl auch unerfahrene Pferde gezeigt werden, die Fehler machen, gibt es keinerlei unschönen Momente. Auch Ablenkungen der Pferde bei der Arbeit durch neben dem Reitplatz auf der Weide galoppierende oder tobende Pferde werden mit Humor genommen (das ist durchaus etwas das man sich als Freizeitreiter ruhig mal zu Herzen nehmen kann, denn grade bei Freizeitreitern – da nehme ich mich selbst absolut nicht aus – habe ich den Eindruck, dass man auf kleinste „Störungen“ von außen oder Guckigkeit des eigenen Pferdes bei der Platz-/Hallenarbeit gerne mal genervt oder überdramatisch reagiert, obwohl es ja in der Regel noch nicht mal um irgendwas geht außer ums pure Vergnügen…

Das von Ingrid Klimke gezeigte reiterliche Können kann auf den Freizeitreiter natürlich alles etwas einschüchternd wirken 😉 , aber man bekommt ein Zielbild an dem man sich orientieren kann.

Etwas Schwierigkeiten bereitet es in der Praxis das dort gezeigte auf Gangpferde mit ihren gang- und gebäudespezifischen Besonderheiten zu transferieren, mit einem mehrgängigen Isländer wird man wohl auch eher selten in die Verlegenheit kommen Cavaletti-Arbeit als Vorbereitung für Passage zu nutzen oder im versammelten Galopp auf einer Acht auf dem Zirkel (mit kontinuierlichem Durch den Zirkel wechseln) zu arbeiten 😉

Für die tägliche Arbeit mit dem eigenen Islandpferd sind deswegen wohl eher die ersten 45 Minuten der DVD relevant, trotzdem fand ich es fast am Spannendsten zu sehen wie Ingrid Klimke fortgeschrittene Cavaletti-Arbeit auch nutzt um an versammelnden Dressur-Lektionen zu arbeiten (z.B. am versammelter Schritt, als vorbereitende Arbeit für die Passage, …). Dies ist eine Anwendungsform etwas das auch in der Dressurszene nicht besonders weit verbreitet sein dürfte, ich denke die meisten Reiter nützen Cavaletti-Arbeit doch vor allem als lösende Arbeit.

Die DVD enthält übrigens auch noch ein Begleitheft, das schematisch Cavaletti-Aufbauten und Richtlinien für Abstände zeigt und das man super mit in den Stall nehmen kann.

Vom Preis-/Leistungsverhältnisse finde ich die DVD auch in Ordnung, zwar sind Reit-DVDs immer sehr teuer, aber diese hat mit 80 Minuten Länge immerhin einen sehr brauchbaren Umfang und ist inhaltlich und von der Professionalität auf sehr hohem Niveau. Übrigens ist der Kommentar auch in englischer Sprache vorhanden.

 

 

Fitness

Yoga DVD Rezension – Yogamour Reihe – #1

Heute möchte ich mal wieder eine DVD aus meiner Yoga Praxis vorstellen, nämlich aus der DVD Reihe von Yogamour. Yogamour ist eine Online-Plattform für Yoga-Workout-Videos auf der man sehr viele (eher kurze) dynamische Yoga-Einheiten umsonst abspielen kann. Diese sind sehr nett für zwischendurch, wenn man keine Zeit für längere Workouts hat, allerdings finde ich generell 20 Minuten für diese sehr dynamischen Yoga Einheiten fast zu kurz, weswegen ich mir auch die 6 bisher erschienenen Kauf-DVDs von Yogamour zugelegt habe. Wem DVDs generell schon zu „altmodisch“ sind der kann diese Yoga-Workouts übrigens alternativ auch kostenpflichtig auf der Homepage von Yogamour runterladen, dann sind sie auch etwas günstiger als auf DVD.

Bei dem Yogamour Yoga-Stil handelt es sich um ein sehr dynamisches kraftvolles Yoga, der auch in der Regel eher anspruchsvoll ist, weswegen ich die ganze Plattform eher für erfahrene Yoga-Übende empfehlen würde, man sollte am Besten schon mit den technischen Grundlagen und mit den bekanntesten Hatha-Yoga-Asanas vertraut sein, damit man erstens eine Chance hat die dynamischen Sequenzen überhaupt direkt mitmachen zu können und um bei der dynamischen Ausübung keine technischen Fehler zu machen, die gesundheitsschädlich sein könnten. Eine gute Grundsportlichkeit (sowohl was Kraft als auch Ausdauer angeht) ist auch empfehlenswert.

Bisher sind auf Yogamour 6 DVDs erschienen, heute möchte ich die erste davon kurz vorstellen.

Yogamour 1 – Yogamour featuring Yam Yoga – bietet laut Beschreibung „70 Minuten Vinyasa Yoga für Fortgeschrittene und alle, die es werden wollen“

Hier würde ich das „für Fortgeschrittene“ auf jeden Fall dick unterschreiben (und jedem Anfänger dringend davon abraten sein Glück mit der DVD zu versuchen 😉 ). Diese 70 Minuten Einheit hat es nämlich durchaus in sich, die ersten 30 Minuten sind eine sehr intensive schnelle dynamische Sequenz bei der man ins Schwitzen kommt. Da alles sehr schnell angesagt wird, zudem oftmals nur mit den Sanskrit Begriffen, muss man eigentlich wirklich alle Asanas und Abfolgen schon gut kennen, um direkt mitmachen zu können. Vor allem weil auch kaum Möglichkeit besteht auf den Bildschirm zu gucken, da man bei vielen Asanas auf den Boden guckt. In den zweiten 30 Minuten wird die Sequenz etwas statischer und kraftbetonter, es sind auch einige wirklich anspruchsvolle Übungen dabei (Krähe und Kopfstand), die ich zum Beispiel selbst noch nicht beherrsche (für einige der schwierigen Übungen werden aber Alternativen angeboten und man kann ja auch jederzeit Vorübungen zu den schweren Asanas machen). Abgerundet wird die Übungsfolge mit einer klassischen 10-minütigen Endentspannung.

Diese DVD ist also etwas für jeden der eine anstrengende und dynamische Yoga Einheit machen möchte, bei der er gefordert wird und in der fast jede der bekannten Yoga-Stellungen vorkommt, so dass der ganze Körper beansprucht wird. Ich selbst bin mit dieser DVD bei der ersten Ausführung noch bei einigen Asanas an meine Grenzen gekommen, von der Kraft her hatte ich keine Probleme, aber für einige Asanas fehlte mir noch etwas die Beweglichkeit und auch von der Balance her waren einige Asanas anspruchsvoll.

Von der Anleitung finde ich die DVD gelungen, da die Yoga-Einheit am Anfang so dynamisch ist, redet Bärbel Miessner (die Lehrerin) natürlich auch sehr schnell und viel, daran gewöhnt man sich aber schnell, inhaltlich ist die Anleitung sehr gelungen und auch die Stimme ist angenehm. Ich habe die DVD beim ersten Ausführen mit Hintergrundmusik abgespielt, die fand ich anfangs etwas dudelnd, man kann die DVD aber auch alternativ ohne Musik abspielen. Auch die Möglichkeit eine englische Sprachspur auszuwählen (auch jeweils mit oder ohne Hintergrundmusik) besteht. Von der gesamten Aufmachung ist die DVD professionell produziert, aber ohne viel Schnickschnack, im Gesamtbild sehr ansprechend.

Zusätzlich gibt es auf der DVD noch zwei kurze Yoga-Sequenzen als Bonus:

  • „utthiva parshvakonasana“ – eine 15-minütige Sequenz, mit einem kurzen Sonnengruß, Kriegersequenzen, Drehsitz und Schulterbrücke, die sehr angenehm zu üben ist für zwischendurch und von der Schwierigkeit auch für fortgeschrittene Anfänger machbar ist
  • „Sun Salutation Pro“ – eine 10-minütige Sonnengruß Sequenz für Fortgeschrittene, die laut Kommentar auch gut als Aufwärmsequenz für andere Yogamour-Kurzeinheiten geeignet ist. Hat mir gut gefallen, kurz und knackig.

 

 

Allgemein, Fitness

DVD Rezension: Yoga für eine starke Mitte – Ursula Karven

Normalerweise bin ich nicht unbedingt ein Fan von Promi-Fitness DVDs, aber ich bin Tchibo Gelegenheitskäufer (das heißt immer wenn ich beim Edeka am Tchibo Regal vorbei komme und mich was interessiert, nehm ich das mit, meist aus dem Bereich Fitness und Fitnessbekleidung).

Die DVD „Yoga für eine starke Mitte“ mit Ursula Karven enthält 5 kurze Yoga-Sequenzen von ca. 20 Minuten, ist also von Dauer und Intensität eher übersichtlich gehalten. Mir kam das aber gerade recht, da ich unter der Woche abends nach der Arbeit selten Zeit für längere Yoga-Workouts habe und deswegen solche kurzen Workouts für den Alltag gut geeignet finde.

Die Yoga-Einheiten sind eher dynamisch gehalten, es handelt sich um  eher  fließende Abfolgen und nicht um kraftbetonte statische Asanas (beides hat seine Vor- und Nachteile, je nach Schwerpunkt den man setzen will). Die 5 Sequenzen sind inhaltlich:

  • „Atemflow“
  • „Twists/Drehhaltungen“
  • „Stützhaltungen“
  • „Rückbeugen“
  • „Pilates-Core-Basistraining“

Die 4 Yoga-Sequenzen haben mir gut gefallen, vor allem die Sequenz „Stützhaltungen“. Die Vinyasas (dynamische fließende Yoga-Sequenzen) werden Schritt für Schritt erarbeitet, von einfach zu schwerer werden die Bewegungsflüsse schrittweise aufgebaut und sind sehr angenehm, genau das richtige nach einem langen Büroarbeitstag. Die Ausführung von Ursula Karven finde ich gut, auch wenn sie keine Yoga-Trainerin ist, sind mir keine Fehler in ihrer Ausführung aufgefallen und man sieht, dass sie jahrelange Yoga-Erfahrung hat. Auch wird die Atmung auf diesen Yoga-DVDs gut angeleitet, das ist bei vielen anderen Yoga-DVDs nicht unbedingt so, ist aber finde ich grad bei dynamischen Yoga Sequenzen recht wichtig. Für mich mit relativ viel Yoga-Praxis und Fitness-Erfahrung sind die Sequenzen recht einfach und in der Kürze auch eher „Wellness“ zur Lösung von Verspannungen. Für Anfänger sind sie aber sicher durchaus fordernd. Ich denke sie sind z.B. auch gut als kurze Aufwärmprogramme für Reiter geeignet.

Was ich wie immer bei solchen DVDs als problematisch ansehe ist, dass man eigentlich nur so richtig etwas davon hat, wenn man schon mindestens fortgeschrittener Yoga-Anfänger ist und die ganzen Asanas schon kennt und technisch gut kann. Dann kann man nämlich direkt loslegen und mitmachen. Yoga von so einer DVD zu lernen halte ich generell für schwierig, da zu wenig zur technischen Ausführung der Übungen und zu möglichen Fehlern erklärt wird (das ist während so eines Vinyasas auch kaum möglich, wenn dann müsste man vorher die einzelnen Asanas nochmal extra anleiten) und weil man meistens nicht gleichzeitig auf den TV schauen und die Übungen ausführen kann (bei vielen Asanas schaut man ja zum Beispiel während der Ausführung auf den Boden). Bei dynamischen Vinyasas ist das noch schwieriger als bei statischeren Asanas. Ich denke Yoga lernen von so einer DVD kann man bestenfalls wenn man sich die Sequenzen vor dem Üben ein paar Mal anschaut (ich persönlich habe auf so etwas aber in der Regel keine große Lust). Ich persönlich würde jedem der Interesse an Yoga hat den Besuch von mindestens ein paar Grundkursen empfehlen, bevor es ans Üben alleine zu Hause geht. Wenn man dann eine solide Basis hat, kann man auch gut mit DVDs üben. Ausnahme: man ist sowieso schon sehr sportlich/fit und kennt die technische Ausführung von ähnlichen Sportarten (grade im Krafttraining mit eigenem Körpergewicht werden sehr viele Übungen aus dem Yoga auch verwendet).

Apropos „Sportart“: diese Yoga-DVD ist für mich eine reine Körperübungs-DVDs und hat mit anderen (geistigen) Aspekten von Yoga nichts zu tun (ich persönlich finde das aber nicht schlimm, ist ja immer die Frage was man aktuell will).

Die Pilates Core Einheit am Ende hat mir auch ganz gut gefallen, allerdings muss ich sagen, dass sich mir das Thema „Pilates“ an sich noch nicht erschlossen hat (ich weiß einfach zu wenig darüber, was das jetzt genau ausmacht im Vergleich zu anderen Trainingsmethoden und die Pilates Workouts, die ich bisher mitgemacht habe fand ich immer deutlich sanfter und einfacher als Yoga, deswegen kann ich den Hype den es vor ein paar Jahren um Pilates gab nicht so recht nachvollziehen). Ich kannte jede Einzelne der Übungen in diesem Pilates Workout entweder schon vom Yoga oder aus dem normalen Fitness-Krafttraining. Für mich handelt es sich bei der Sequenz auf dieser DVD eigentlich um ein moderates Bauchmuskel- und Core-Training für Zwischendurch.

Zur Atmosphäre: die DVD ist in Schweden aufgenommen, am Wasser, und erweckt eine angenehme Atmosphäre ohne allzu „stylisch“ rüberzukommen. Diese typischen „Yoga am Strand im Urlaubsparadies mit Meeresrauschen“ Lifestyle-Szenerien mancher Yoga-DVDs finde ich inzwischen etwas ausgelutscht, von dem her fand ich das eine gelungene Ausnahme (bloß die im Hintergrund gelegentlich vorbeifahrenden Schiffe/Boote fand ich teilweise kurz ablenkend).

Ich würde diese DVD generell für jeden empfehlen, der kurze harmonische angenehme dynamische Yoga-Workouts für den Alltag sucht. Ich werde mit dieser DVD als Abwechslung zu meinen längeren Yoga-DVDs sicher öfters üben und finde sie insgesamt wirklich gut gelungen.

 

 

Allgemein, Musik

Helene Fischer Fantypen for Dummies

Seit ca. einem Jahr bin ich ja Helene Fischer Fan. Das ist einfach so passiert. Beziehungsweise dafür gibt es sogar einen Fachbegriff, der vermutlich knapp davor ist in den Duden aufgenommen zu werden, nämlich die sogenannte „Helenisierung“. Vor diesem Vorgang ist durchaus zu warnen, denn ist er erstmal losgelaufen ist er schnell voranschreitend, anscheinend umumkehrbar und führt gerne mal zu ernsthaften Löchern im Geldbeutel.

Nach einem Jahr im Helene Fischer Fan Universum hab ich festgestellt, dass das Unterhaltsamste an Helene Fischer gar nicht alleine sie selber oder ihr künstlerisches Schaffen ist, sondern dass es noch eine Metaebene der Unterhaltung gibt, die eigentlich genauso faszinierend ist, nämlich ihre Fans.

Diese möchte ich deswegen grob kategorisiert hier vorstellen, inkl. einer Bewertung der Marketingrelevanz (den das Marketing-Imperium ‚Helene Fischer‘ ist auch noch so ein Punkt der totaaaaaal faszinierend und unterhaltsam ist).

Wenn man entweder Helene Fischer oder sich selbst sehr ernst nimmt, dann empfiehlt es sich die Lektüre an dieser Stelle abzubrechen. Wer’s nicht tut, braucht dann hinterher auch nicht meckern 😉

Fantypus 1: der Anspruchsvolle

Der Anspruchsvolle „hört ja eigentlich gar keinen Schlager“ und ist deswegen latent davon angenervt, dass er das tun muss, weil Helene Fischer nichts anderes singt. (Gut, manchmal singt sie kitschige Disney Songs oder 80er/90er Jahre Klassiker, die beim Hörer zur Ausbildung eines wohlig warmen Nostalgiegefühls in der Magengrube führen (sollen)). Deswegen verbringt der Anspruchsvolle die meiste Zeit damit, zu betonen, dass Helene Fischer hoffentlich in Zukunft „andere“ Musik macht (die Vorstellungen wie, was und warum divergieren hier aber beträchtlich unter den Vetretern dieses Fan-Typus). Der Anspruchsvolle findet „Weihnachten“ das musikalisch Beste Album von Helene Fischer und findet das selber skurril.

Der Anspruchsvolle wird gerne mal dazu verführt sich Dinge im TV anzuschauen, die er eigentlich sonst nicht anschauen würde, weil Helene darin auftritt. So zum Beispiel Sendungen von Florian Silbereisen. Dabei  erleidet er einen Kulturschock, während dessen er sich verzweifelt fragt, wann denn endlich Oliver Kalkofe von links ins Bild hüpft. Da Oli Kalkofe ausbleibt, kompensiert er das durch das reflexartige Absondern eigener sarkastischen Äußerungen im Sekundentakt, was zu regelmäßigen Konflikten mit „Fantypus 2: der Alt-Fan“ führt.

Der Anspruchsvolle kann durchschnittlich 98% der Kritik, die  Kritiker an Helene äußern nachvollziehen, findet die restlichen 2% aber ausreichend, um sie trotzdem für eine – Quatsch DIE – Göttin zu halten.

Der Anspruchsvolle ist für die Marketing-Abteilung vermutlich anstrengend, da er auf den ersten Blick den Eindruck erweckt immer nur zu meckern, zu lästern und zu hinterfragen. Allerdings ist er aus Marketing Sicht trotzdem wichtig und vermutlich gar nicht mal so kompliziert, kauft er doch wie alle anderen Fantypen reflexartig alles wo Helene Fischer draufsteht, vor allem sämtliche Live-Alben und Live-DVDs und Dokumentationen. Er besitzt sogar einen Helene Fischer Parfum Flakon und das Studioalbum von „Farbenspiel“, das er aber noch nie komplett angehört hat.

Fantypus 2: der Alt-Fan

Der Alt-Fan war schon 2005 Helene Fischer Fan oder zumindest 2008. Der Alt-Fan fühlt sich im Schlager-Kosmus rundum wohl und mag an Helene Fischer außer Helene Fischer vor allem die Musik von Jean Frankfurter (die Vorstellung von Alben ohne Jean Frankfurter erfüllt ihn mit tiefer Skepsis). Er bezeichnet Helene gerne mit Beschreibungen wie „Unser Sonnenschein“ und mag an ihr am Meisten, dass sie so nett, süß, authentisch, warmherzig und bodenständig ist, sowie ihre von Herzen kommenden natürlich spontanen Zwischenmoderationen. Er hofft im tiefsten Inneren immer noch, dass Geschenkübergaben und Autogrammstunden auf Tourneen wieder eingeführt werden und ärgert sich, dass er Helene im Stadion mit 45000 anderen teilen muss, die sie gar nicht richtig zu würdigen wissen und auch noch Schuld daran sind, dass richtige „Fannähe“ nicht mehr wie früher möglich ist.

Der Alt-Fan neigt dazu Atemlos-Parodien von Carolin Kebekus kein bisschen lustig zu finden und diese Meinung ausgiebig und markig auf der Facebook-Seite von Frau Kebekus zu äußern, um sich dann darüber zu wundern, dass sie Helene Fischer Fans hinterher noch doofer findet als vorher.

Der Alt-Fan äußert gelegentlich Bedenken, dass der (31 jährigen) Helene Fischer ihre jugendliche Frische und der kindliche Charme verloren zu gehen scheint. Der Alt-Fan ist aus Marketing Sicht wichtig, denn ihm wird eine ausgeprägte Fan-Treue nachgesagt. Allerdings besteht immer die Gefahr, dass der Alt-Fan sich eine neue Schlagerprinzessin sucht wenn Helene Fischer mit 39,5 Jahren dann doch endgültig der kindliche Charme verloren gegangen ist.

Für die Marketing Abteilung ist der Alt-Fan keine besondere Herausforderung, denn man kann die Marketing Methoden einsetzen, mit denen man in der Schlagerbranche schon 50 Jahre Erfahrung hat.

Fantypus 3: der Hard-Core Fan

Der Hard-Core Fan ist vermutlich kein richtiger eigener Fan-Typ, sondern eine extreme und finanzstarke Einzelausgabe aus dem Pool der anderen Fantypen. Er ist daran zu erkennen, dass er deutschlandweit bei JEDEM Konzert und JEDER Fernsehshow in einer der ersten Reihen steht oder sitzt, so dass der zuhause gebliebene Fan vor dem Fernseher das Gefühl hat ihn schon öfter gesehen zu haben als Helene.

Der Hard-Core Fan gibt durchschnittlich 67 520 Euro im Jahr für Helene Fischer aus. Aus Marketing Sicht ist er somit immens wichtig, benötigt aber keine besondere Aufmerksamkeit mehr, da er sich zum Selbstläufer entwickelt hat.

Fantypus 4: der Gelegenheitsfan

Der Gelegenheitsfan ist das Gegenteil des Hard-Core-Fan. Er geht ins Stadion, weil er auf Mallorca so oft mit „Atemlos“ beschallt wurde oder weil die Helene ja schon geil aussieht oder so ne tolle Figur hat. Er zieht sich quer durch jede Gesellschaftsschicht und jedes Alter. Er tritt gern in männlichen oder weiblichen Kleingruppen auf. Männliche Vertreter nerven andere Besucher gerne damit, dass sie alle 10 Minuten ein neues Bier holen gehen oder sich atemlos durch langweilige Balladen gröhlen. Weibliche Gelegenheitsfangruppen sind gerne an stereotypischen Bemerkungen wie „was will die nur mit dem Silbereisen“ oder „die macht halt schon ne geile Show“ zu erkennen.

Der Gelegenheitsfan ist aus Marketing Sicht kompliziert. Er ist per Definition flüchtig, deswegen ist es wichtig das Marketing-Konzept so zu gestalten, dass kontinuierlich genug neue Gelegenheitsfans nachproduziert werden.

Fantypus 5: Fischis

Fischis nennen sich selber so. Fischis tragen Shirts mit der Aufschrift „Egal wie Fisch Du bist, Helene ist Fischer“ (ohne Witz). Fischis finden Helene ist einfach perfekt, die perfekte Mama (das mit den Silberfischen wird ja wohl irgendwann noch kommen), die perfekte Schwester, der perfekte Lieblingsmensch, das perfekte Paar (das nur in Kombination mit Florian), die Schönste, die Tollste, die Hübscheste, alles was sie tut ist prinzipiell sooooo süß, dass man sofort sterben gehen muss. Das alles äußern Fischis auf Instagram, in What’s App Gruppen und in sonstigen Social Media. Wären Fischis 20 Jahre früher geboren, wären sie Kelly Family Fans (hatten die eigentlich auch nen Namen?).

Fischis schreiben gerne Fan-Fiction, mehr möchte man darüber aber nicht wissen (es gibt auch „alternative Fischis“, die nicht auf Helene & Florian stehen, die schreiben dann einfach Fan-Fiction über Helene und jemand anderen).

Fischis sind die einzige Fangruppierung, die es heutzutage noch schafft regelmäßig Selfies mit Helene zu bekommen, da sie hartnäckig genug sind, um auch mal bis 5 Uhr morgens neben einem Hintereingang rumzustehen. Auf den geposteten Fotos lässt sich dann oft verwundert feststellen, dass Fischis gar nicht wie 12,13 oder 14 aussehen, sondern wie 25 (das liegt aber daran, dass den minderjährigen Fischis von Erziehungsberechtigten regelmäßig nicht erlaubt wird Helene nachzureisen, worüber sie dann auch ihren Unmut in sozialen Netzwerken äußern).

Fischis sind aus Marketing-Sicht wichtig, weil sie kostenloses Social Media Marketing betreiben, in dem sie alles begeistert weiter verteilen, was auf Instagram woher auch immer so auftaucht. Außerdem sind sie die Nr.1 Fangruppierung, die nur wegen Helene auch Sachen von Florian Silbereisen kauft, vor allem Tickets für seine Sendung. Die finanzielle Bedeutung hingegen ist schwankend und hängt vom Alter ab oder vom Geldbeutel der Eltern. Fischis sind aus Marketing Sicht nicht soo kompliziert, ein bis zwei Häppchen im Jahr (wie ein „Vom Winde verweht“ artiger Kuss bei Florian Silbereisen), durchschnittlich eins im Sommer, eins im Winter, plus zusätzlich wenn man grade was zu promoten hat reichen aus, um Fischis für Wochen in Ekstase zu versetzen.

 

 

 

Allgemein, Bücher

(Verspätete) Bücher-Highlights aus 2015

Bevor 2016 zu weit voranschreitet, möchte ich noch ein paar persönliche Buch-Highlights aus der 2. Hälfte von 2015 vorstellen, also Bücher, die ich überdurchschnittlich gut fand oder die ich aus einem anderen Grund besonders erwähnenswert finde.

1. Katharina Hartwell:  „Der Dieb in der Nacht“ – Genre: Belletristik

„Der Dieb in der Nacht“ ist der zweite Roman der Autorin Katharina Hartwell. Ihr Erstlingswerk „Das Fremde Meer“ hat mir auch schon sehr gut gefallen, vor allem die poetische und wunderschöne Sprache und die spannende Grundidee hatten mir es da wirklich angetan. Allerdings gab es in dem Erstlings-Roman im Mittelteil für mich doch ein paar Längen, so dass mich der Roman nicht komplett vom Hocker gerissen hat. „Der Dieb in der Nacht“ kommt jetzt im Vergleich etwas kompakter und gradliniger und weniger mystisch herbei.

Im Fokus der Geschichte steht das Verschwinden des 19-jährigen Felix. Er verschwand vor einigen Jahren plötzlich spurlos, ein Ereignis, dass das Leben seiner Familie und seines besten Freundes Pauls nachhaltig beeinflusst und geprägt hat. Das Buch beginnt mit Paul, der in Prag plötzlich unerwartet einen mysteriösen Mann, Ira Blixen, trifft, der ihn an seinen Jugendfreund Felix erinnert, obwohl er ihm eigentlich gar nicht ähnlich sieht. Als sich herausstellt, dass Blixen auch noch nach einem Gedächtnisverlust keine Erinnerung an sein früheres Leben hat, ist Felix nach kurzer Zeit völlig überzeugt, Felix vor sich zu haben. Er lädt Blixen in sein Leben und nach Deutschland ein, eine Entscheidung die weitreichende Folgen für alle Beteiligten haben wird.

Das ganze Setting des Buches ist sehr düster und mysteriös, die Sprache ist einfach unheimlich schön und poetisch und dabei manchmal unheimlich treffend und zum Denken anregend, so dass man eigentlich ständig das Bedürfnis hat, irgendwelche Textzeilen zu unterstreichen. Aber auch die Story an sich hat mich wirklich überzeugt, im Mittelpunkt stehen Paul und Felix‘ Schwester Louise, später auch Felix‘ Mutter Agnes. Das ganze Buch ist ein psychologisches Verwirrspiel um Blixen und um die Reaktionen der Personen auf ihn und um ihre Beziehungen untereinander. Dabei handelt es sich nicht um „leichte“ Lektüre, man muss sich schon konzentrieren und nachdenken, die Belohnung ist ein sehr komplexes, kreatives und für mich trotz der düsteren Grundstimmung sehr schönes Buch.
Ich könnte mir trotzdem vorstellen, dass es nicht jedermans Geschmack trifft, aber von mir persönlich eine eindeutige Leseempfehlung.

2. Gillian Flynn – „Cry Baby“ – Genre: Thriller/Krimi

Thriller und Krimis lese ich ja inzwischen nicht mehr ganz so viel wie früher, da diese doch zu oft nach dem gleichen 08/15 Schema geschrieben sind. Über Ausnahmen zu der Regel freue ich mich aber immer.

Gillian Flynn’s Schreibstil hat mir schon in „Gone Girl“ sehr gut gefallen. Dem Klappentext zufolge handelt es sich bei „Cry Baby“ um ein früheres Werk, das erst jetzt veröffentlicht wurde. Das birgt ja oft die Gefahr, dass es sich dabei um ein eher schwaches Erstlingswerk handelt, das nachträglich veröffentlicht wird, um auf der Erfolgswelle mit zu schwimmen. Aber „Cry Baby“ muss sich meiner Meinung nach hinter den anderen Büchern der Autorin keineswegs verstecken.

Hauptfigur der Geschichte ist die Journalistin Camille aus Chicago, die von ihrem Chef zurück in ihre Heimatstadt (eine Kleinstadt in Missouri) geschickt wird, um eine Story über 2 dort verschwundene und ermordete kleine Mädchen zu schreiben. Schnell wird klar, dass es sich bei Camille nicht um eine typische Heldin handelt, schleppt sie doch eine ganze Menge Probleme und Wunden aus der Vergangenheit mit sich herum. Und in ihrer Heimatstadt, zurück bei ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und ihrer 13-jährigen Halbschwester fangen die Probleme erst so richtig an. Camille muss sich mit ihrer Mutter, ihrer Halbschwester, ihrer Vergangenheit und den aktuellen Morden auseinandersetzen…

Mir hat das Buch von Anfang an sehr gut gefallen, was es wirklich auszeichnet ist die bissige und ironische Art, die Gillian Flynn’s Schreibstil auszeichnet, sowie das (nicht sehr schmeichelhafte) Porträt, dass sie von den Charakteren und der Kultur dieser amerikanischen Kleinstadt im Mittleren Westen zeichnet. Was man sich von einem Buch von Gillian Flynn nicht gerade erhoffen sollte, sind liebenswerte sympathische Charaktere, irgendwelche „netten“ und halbwegs geistig gesunden Menschen waren in diesem Buch kaum aufzutreiben. Eventuell könnte man dem Buch vorwerfen die Charaktere und Geschehnisse etwas überzeichnet zu haben, aber es passt zu der Geschichte und hat mich kaum gestört. Ich fand die Handlung und das Verhalten der Personen im Buch aber durchaus teilweise ziemlich heftig und verstörend.

Als Thriller würde ich das Buch übrigens nicht unbedingt bezeichnen, den im Grunde ist die Geschichte recht vorhersehbar, die Spannung liegt in der Art und Weise wie sie aufgedeckt wird. Mir hat das Buch trotz ein paar kleiner Schwächen sehr gut gefallen.

3. Tanja Kinkel – „Schlaf der Vernunft“ – Genre: Belletristik/Geschichte

„Schlaf der Vernunft“ ist mein erstes Buch von Tanja Kinkel. Ich habe von dieser Autorin zwar schon oft gehört, da sie aber meistens historische Romane aus den länger vergangenen Jahrhunderten schreibt (was leider überhaupt nicht mein Genre ist), habe ich tatsächlich noch keines ihrer Bücher gelesen.

„Schlaf der Vernunft“ beschäftigt sich zwar auch mit der Vergangenheit, aber mit der jüngeren deutschen, konkret spielt der Roman auf 2 Zeitebenen, einmal in den 70’er Jahren und einmal 1998. Der Roman dreht sich dabei, um das Leben von Martina, einer fiktiven RAF-Terroristin, die bis 1998 im Gefängnis saß, weil sie an einem Attentat auf einen (ebenfalls fiktiven) Staatssekretär beteiligt war. Der Roman beginnt im Jahr 1998 mit Martina’s Begnadigung. Im Mittelpunkt der Geschichte steht nicht nur Martina allein, sondern auch ihre Tochter Angelika und eine ganze Menge anderer Personen, die durch Martina’s Taten der Vergangenheit beeinflusst wurden: ein ehemaliger Leibwächter, der das Attentat knapp überlebte, Angehörige der Opfer, eine ehemalige Freundin Martina’s, die es zur erfolgreichen Politikerin gebracht hat. Das Buch springt dabei in der Erzählung ständig zwischen den beiden Zeitebenen und den verschiedenen Personen hin und her, was aber hervorragend umgesetzt ist. Ein Großteil der Geschichte nimmt die schwierige Mutter-Tochter-Geschichte ein und schildert wie Angelika in ihrer Kindheit den verwirrenden „Verlust“ der Mutter, die sie verlassen hat, um in den Untergrund zu gehen, verkraftet hat und wie sie im Heute damit zurecht kommt, dass ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen wird.

Weiterhin wird auf beeindruckende Art und Weise aufgezeigt was die Entlassung von Martina auch Jahre später für Auswirkungen auf die Angehörigen ihrer Opfer hat.

Die Teile des Romans, die in den 70’er Jahren spielen erzählen vom Leben der jungen Martina, wie sie überhaupt erst in den Dunstkreis der RAF geriet und schildert ihre zunehmende Radikalisierung. Diesen Teil fand ich besonders lehrreich, da ich zu jung bin, um mich an diesen Teil der deutschen Geschichte selbst zu erinnern und definitiv auch zu wenig darüber weiß (ich habe mir vorgenommen jetzt wirklich unbedingt mal den „Baader-Meinhof-Komplex“ zu lesen, was ich mir schon seit Jahren vornehme).

Ein paar winzig kleine Schwächen hat der Roman sicherlich auch, ein paar der Dialoge (vor allem zwischen Angelika und Martina) wirken auf mich doch etwas zu konstruiert, aber das sind nur Kleinigkeiten. Insgesamt erhält der Roman von mir eine absolute Leseempfehlung, da er spannende Unterhaltung, mit lehrreichen, aufwändig recherchierten Informationen und einer sehr gelungenen Sprache kombiniert. Definiert eines meiner Lese-Highlights von 2015.

4. Andrea Volk – „Auf den Hengst gekommen“ – Genre: Krimi/Humor

Gut, dieses Buch ist nicht tatsächlich überdurchschnittlich gut, aber ich möchte es als Reiterin und Pferdefreundin hier trotzdem erwähnen, weil es generell sehr sehr wenige gute Bücher gibt, in denen Pferde eine zentrale Rolle spielen.
Normalerweise mag ich eher keine Bücher aus dem Genre „Humor“. Und schon gar keine, die auch noch mit einem „humorvollen“ Cover ausgestattet sind (der Grund dafür ist nicht, dass ich nicht gerne lustige Bücher lese, sondern dass bei Humor halt die Geschmäcker oft so stark auseinander gehen, dass es nie gesagt ist, ob das jeweilige Buch den eigenen Humor trifft oder völlig daneben liegt…) Deswegen hätte ich dieses Buch vermutlich übersehen, wenn ich es nicht zufällig durch  meine Mutter in die Hände bekommen hätte.

Oftmals sind Bücher oder Filme, die von Pferden handeln, ziemlich kitschig und auch unrealistisch und wenn man sich selbst mit Pferden auskennt, verdreht man ob der Geschehnisse oftmals die Augen. Dieses Buch wurde aber offenbar tatsächlich von einer Reiterin (mit Pensionsstallerfahrung) geschrieben, denn alles was dort im Bezug aufs Reiten und den Umgang mit, sowie die Haltung von Pferden zu lesen ist, ist doch sehr fundiert. Die Stärken des Buches liegen meiner Meinung nach eindeutig auf der Seite des Humors, der Schreibstil ist ironisch und kabarettistisch (entsprechend natürlich etwas überzogen, aber für meinen Geschmack gerade richtig, ich könnte mir aber vorstellen, dass der Stil nicht für jeden passt) und hat mich überzeugt und gut unterhalten. Die Geschehnisse auf dem Einstellbetrieb von Bauer Helmut (der eine grandiose und definitiv gar nicht mal so übertriebene Darstellung eines Stallbesitzer-Bauerns ist 😉 ) und die Darstellung der verschiedenen Einsteller sind teilweise wirklich zum Schießen komisch und geben die Realität eines durchschnittlich durchgeknallten Einstellbetriebs durchaus wirklichkeitsnah wieder.

Die Krimihandlung ist tatsächlich auch gar nicht so schlecht, aber für mich jetzt nicht der Hauptpunkt, der den Krimi lesenswert macht. Ergänzt wird das Ganze auch noch durch einige Gedanken zum Thema Tierschutz und artgerechte Handlung, die durchaus so gut in die Handlung integriert sind, dass es nicht bemüht wirkt.

Insgesamt ist das sicher nicht der beste Krimi aller Zeiten, aber sehr kurzweilig und lustig und für Reiter(innen) auf jeden Fall zu empfehlen.

5. Monika Fagerholm – „Das amerikanische Mädchen“ – Genre: Belletristik

„Das amerikanische Mädchen“ ist noch ein Roman auf den ich rein zufällig gestoßen bin, der Titel und das packende Cover haben es mir angetan als ich auf einem Buchportal nach gebrauchten Büchern stöberte.

Der Schreibstil und die Erzählweise des Romans sind sicherlich sehr außergewöhnlich. Der Schreibstil ist poetisch, für mich aber gleichzeitig sehr klar und präzise und außergewöhnlich schön. Die gesamte Geschichte wird im Grund zeitlich linear erzählt. Allerdings sind dementgegen die einzelnen Unterabschnitte nicht wirklich linear erzählt, meist wird man als Leser komplett ohne Kontext in eine Szene geworfen, deren Bedeutung und Handlung und Charaktere sich erst mit der Zeit aus der fortlaufenden Erzählung ergibt. Das macht das ganze Leseerlebnis zu einem Puzzle, das aber hervorragend aufgelöst ist, immer fallen alle Teile innerhalb kurzer Zeit auf ihren Platz und mir hat gerade das gefallen, denn auch die Charaktere erwachen so mit dem Text Schritt für Schritt zum Leben. Ich kann mir vorstellen, dass nicht jeder Leser mit der Erzählweise zurecht kommt, was auch die recht unterschiedlich ausfallenden Bewertungen erklären dürfte (also ist dies kein Buch, dass ich generell weiterempfehlen würde, vor allem nicht, da es auch noch sehr dick ist). Für mich funktioniert das Buch aber perfekt, es entwickelt gerade durch die besondere Erzählweise einen richtigen Sog und ich fand es auch keineswegs schwierig der Handlung zu folgen. Es ist aber sicherlich kein Buch, das man nebenher so runterlesen kann, sondern es erfordert schon etwas Konzentration.

Zum Inhalt möchte ich gar nicht so viel sagen, da für mich in dem Buch ganz klar die Charaktere und ihre Interaktionen im Vordergrund stehen, in dem Buch geht es für mich um das Erwachsen werden, um Geheimnisse, um Liebe, um Beziehungen, um Verluste, um Familiengeheimnisse und darum wie gefährlich die Vermischung von Realität und Fantasie werden kann.

Für mich eine Ausnahmebuch und dadurch ganz klar eine 5 Sterne Bewertung.

Reiten

Klassiker der Reitliteratur rezensiert (Teil 1)

Reitlehre“ von Wilhelm Müseler

Neulich hat bei mir am Stall jemand alte Pferdebücher zum Verschenken ausgelegt, dabei habe ich mir ein paar gegriffen, entweder welche, die ich schon immer mal lesen wollte und zwei von denen ich noch gar nichts gehört hatte. Zur ersten Kategorie gehört die „Reitlehre“ von Wilhelm Müseler und zwar in der 44. Auflage von 1981. Das Buch stammt im Original aus dem Jahr 1933. Die neueste Ausgabe ist von 2005, diese ist laut Beschreibung zusätzlich mit Fußnoten versehen, in denen Begrifflichkeiten und Aussagen näher erklärt werden, die aus heutiger Sicht irreführend wirken können. Diese Ausgabe habe ich aber selbst noch nicht gesehen. Die Ausgabe von 1981 ist auch überarbeitet worden (entsprechend steht Kurd Albrecht von Ziegler als Co-Autor mit drin)

Das Buch gliedert sich grob in ca. 3 Teile, im ersten geht es vor allem um die Ausbildung des Reiters und den Reitersitz. Im 2. Teil geht es primär um die Ausbildung des Pferdes, die grob in 3 Phasen aufgeteilt ist (Arbeit mit dem ungerittenen Pferd, Grundausbildung der Dressur und weiterführende Ausbildung). Im 3. Teil werden Lektionen vorgestellt, sowie die verschiedenen Reit-Disziplinen und Prüfungen.

Der erste Teil zum Reitersitz ist einerseits sehr gelungen, vor allem betont der Autor dort Dinge, die heute gerne als neue „Methoden“ oder Erkenntnisse verkauft werden (nämlich zum Beispiel die Notwendigkeit sich Aufzuwärmen und durch gymnastische Übungen ohne Pferd die Grundlagen für einen geschmeidigen Reitersitz zu legen). Weiterhin wird viel Wert darauf gelegt zu betonen, dass es nichts bringt, den Reiter in eine starre „korrekte“ Schablone zu pressen. Eine große Schwäche des Buches, von der mich auch schon diverse Ausbildung gewarnt haben, ist die Beschreibung der „Kreuzhilfe“, die auch einen ganz schön großen Umfang hat. Abgesehen davon, dass der damals verbreitete Begriff des „Kreuz anspannens“ aus heutiger Sicht auch biomechanisch nicht viel Sinn macht (wenn dann sind es bekanntlich eher die Bauchmuskeln, die man zum Reiten kontrolliert anspannen können muss), ist das ganze Kapitel zum Kreuz anspannen tatsächlich so unglücklich beschrieben, dass es auch mit größtem Wohlwollen nicht möglich ist, diese Beschreibung nicht als die Aufforderung zum extensiven Schieben mit dem Sitz zu interpretieren. Dieser Teil ist also definitiv mit Vorsicht zu genießen.

Am Besten gefallen hat mir der 2. Teil des Buches, in dem es um die Ausbildung des Pferdes geht, hier sind die Beschreibungen größtenteils sehr präzise und hervorragend verständlich. Grade die Beschreibung der Losgelassenheit und woran man diese erkennt finde ich deutlich praxisnäher und verständlich als die eher knappen und theorie-lastigen Ausführungen in vielen modernen Reitbüchern. Auch die Lektionen und wozu sie dienen und wie sie erarbeitet werden ist sehr gut beschrieben, außerdem wird sehr viel Wert darauf gelegt zu betonen, dass man ein gut gerittenes Pferd nicht anhand einer bestimmten Haltung (schon gar nicht Kopf/Hals-Haltung) oder Momentaufnahme erkennt, sondern dies nur anhand des Gesamtbildes des Pferdes in Bewegung beurteilen kann. Konsequenterweise verzichtet der Autor deswegen auch komplett auf schematische oder bildliche Darstellungen einer „richtigen“ Haltung.

Den 3. Teil des Buches fand ich nicht ganz so interessant, da darin zwar viele Themen abgehandelt werden, allerdings meist eher oberflächlich (so zum Beispiel die Arbeit mit Bodenricks/Cavaletti oder das Springen und eine kurze Auflistung von Ausrüstungsgegenständen und Hilfsmitteln). Hier wäre es vielleicht sinniger gewesen, sich ein Thema herauszugreifen und dieses so intensiv zu betrachten wie die Dressurausbildung in den ersten 2/3 des Buches.

Was mir an der Ausgabe, die ich gelesen habe nicht sooo gut gefallen hat, ist das nicht wirklich erkennbar ist, welche Textteile „original“ aus 1933 stammen und welche überarbeitet wurden (manchmal lies sich nur aus dem Zusammenhang – technische Entwicklung oder Beschreibung von „Freizeitreitern“-  vermuten, dass die Aussagen eher nicht von 1933 stammen). Das die Erstausgabe schon über 70 Jahre alt ist, merkt man dem Text allerdings kaum an, dieser ist gut verständlich. Aus heutiger Sicht eher amüsant sind Tipps wie um erst mal einen lockeren Sitz zu bekommen auf dem Pferd zu singen, summen oder rauchen 😀 Letzteres würde man heute politisch korrekterweise wohl eher nicht mehr empfehlen.

Die Bilder in meiner Ausgabe stammen weitgehend aus den vergangenen Jahren und zwar aus Wettbewerben des Dressur- und Springsports, sowie aus der Vielseitigkeit. Sie sind fast alles sehr gelungen, haben aber nicht immer einen direkten Bezug zu dem geschriebenen Text (wenn dann illustrieren sie das Geschriebene aber passend).

Insgesamt liest sich das Buch gut und flüssig und sehr unterhaltsam (es ist auch kein allzu dicker „Wälzer“) und bietet sicherlich für jeden Reiter, der an der klassischen Reitweise Interesse hat viel zum Nachdenken und auch Umsetzen, sofern er daran denkt den Teil zum „Kreuz anspannen“ mit Vorsicht zu behandeln. Hier würden mich die Fußnoten der Ausgabe von 1995 definitiv interessieren, um herauszufinden ob dies dort entsprechend thematisiert wird.

 

 

 

Fitness

Fitnesstraining mit Gymondo – Rückblick nach 6 Monaten

Im Frühjahr 2015 habe ich meinen „Guten Vorsatz“ fitter zu werden in die Tat umgesetzt und mit dem regelmäßigen Training auf Gymondo angefangen (dazu hatte ich damals schon einen Bericht hier veröffentlicht). Zum Jahresende möchte ich noch ein finales Fitness-Fazit für 2015 ziehen.

Inzwischen habe ich auf Gymondo mehrere Programme absolviert:

  • Fit ins Frühjahr: ein Mix aus Cardio und Shaping Workouts
  • Bikini Body: erinnere ich mich nicht mehr so 100% dran, weiß nur noch, dass es mir am Wenigsten gefallen hat, bisher
  • Body Shape: ein reines Shaping Programm mit Ganzkörperworkouts
  • Body Transformation: ein Shaping Programm mit Tube und Kurzhanteln
  • (aktuell laufend) Bauch Beine Po: der Name sagt’s schon, wobei der Unterschied zu „Body Shape“ darin besteht, dass in jedem Workout jeweils nur eine bestimmte Muskelgruppe (z.B. Bauch oder Beine) trainiert wird, dafür extrem intensiv

Zusätzlich hab ich immer mal wieder einzelne Workouts ausprobiert, meistens aus dem Cardio Intervalltraining Bereich (HIIT und Tabata) und ab und zu mal ein Rücken- oder Yoga Workout. Mir persönlich haben die spezialisierten Programme am Besten gefallen, also die die ganz bewusst auf ein bestimmte Workout-Ziel (zum Beispiel Straffen) fokussiert waren. Die gemischten (Cardio und Kraft oder Cardio und Straffen) Programme fand ich irgendwie nicht so effektiv, diese sind sicher abwechslungsreicher, aber wenn man dann z.B. 4 Workouts in der Woche macht, hat man immer nur 1-2 mit einem bestimmten Thema und da fehlt mir etwas der rote Faden und ich hatte auch den Eindruck die Trainingseffekte sind geringer.

Ich habe für meine Bedürfnisse (Gewicht halten, Straffen und etwas Muskeln aufbauen) gute Erfahrungen damit gemacht, mich auf die Body Shaping und Kraft/Ausdauer zu konzentrieren (4x die Woche) und dann noch z.B. ein Yoga-Workout zusätzlich zu machen oder noch joggen zu gehen.

Wenn man Gewicht verloren möchte, ist es sicher sinnvoll zuerst vermehrt Cardio Einheiten zu machen. Dafür gibt es bei Gymondo auch reine Cardio-Programme, aber von denen habe ich noch keins ausprobiert, lediglich einzelne Workouts daraus.

Ich kann sagen, dass mir das Training mit Gymondo nach einem 3/4 Jahr noch nicht langweilig geworden ist und es gibt immer noch ein paar alte Programme, die ich noch nicht gemacht habe, aber gerne ausprobieren möchte (z.B. das „Sixpack“ Programm). Außerdem kommen immer mal wieder neue Programme dazu.

Mein Fitnessziel für 2016 wird sein, den aktuellen Level zu halten, eventuell noch etwas mehr bei der sichtbaren Definition der Bauchmuskeln zu erreichen (hier steht mir aber wenn dann eher die ErnährungSchokolade im Weg und nicht der Muskelaufbau 😉 ). Außerdem möchte ich gerne beweglicher werden, da ich trotz Yoga-Praxis relativ unbeweglich bin (ich glaube es liegt an meinem recht stark ausgeprägten Muskeltonus). Es ist zwar durch das Fitnesstraining tatsächlich schon viel besser geworden, aber etwas mehr Geschmeidigkeit und Beweglichkeit wäre trotzdem schön und vor allem beim Reiten sicher auch sehr nützlich.

Allgemein, Fitness

Story Running – Joggen mit Unterhaltung?

Für mein neues Handy hab ich mir zum Joggen wieder einen Fitness Tracker runtergeladen, diesmal „Runtastic“, da ich es zumindest gelegentlich immer ganz interessant finde die Laufstrecken (oder übrigens auch Ausreitwege) mit GPS aufzuzeichen, um einen Überblick über Dauer und Distanz zu bekommen.

In der App hab ich dann das „Story Run“ Feature entdeckt und nach etwas Googlen worum es sich dabei eigentlich handelt, beschlossen, dass es interessant genug klingt, um es mal zu testen. Story Runs sind so was wie Mini-Hörbücher zum Joggen, bei denen das Laufverhalten durch den Inhalt und die Musik der Story beeinflusst werden soll. Dabei gibt es aber keine tatsächlichen „Anweisungen“, sondern alles läuft unbewusst ab.

Den Story Run, den ich dabei ausprobiert habe war ein auf einem amerikanischen Kinofilm („Maze Runner – The Scorch Trials“) basierender 30 minütiger Lauf. Fand ich ganz lustig, da ich den ersten Teil von „Maze Runner“ mal als Buch gelesen habe. Inhalt war grob, dass man als Held zusammen mit seiner Schwester  vor irgendwelchen Kopfgeldjägern und Mutanten flieht („Maze  Runner“ ist so eine typische Jugendbuch-Endzeit-Dystopie). Die Idee von solchen Story Runs ist also den Läufer durch eine vermittelte Gefahr „anzutreiben“. Nicht alle Story Runs sind aber so aufgebaut, es gibt auch Läufe, die z.B. als virtuelle Stadtrundgänge konzipiert sind, z.B. durch Rio de Janeiro (hier stelle ich es mir aber schwer vor, mich da reinzuversetzen wenn ich in Wirklichkeit grad durch einen herbstlichen deutschen Nadelwald jogge, aber probiert hab ich’s noch nicht).

Zu meinem Eindruck: Ich bin tatsächlich deutlicher schneller gelaufen als sonst, wobei ich den Story Run vom Aufbau recht oft auf einem Level fand. Nachteil ist, dass man dadurch eventuell zu einem höheren Tempo angetrieben wird als es vom eigenen Fitness Level her aktuell Sinn macht. Die Story Runs sind aber generell eher sehr kurz gehalten (meiner war 30 Minuten) und eher für intensive Intervall Läufe gedacht. Ich war aber nach den 30 Minuten auch deutlich erledigter als sonst nach ner Stunde. War halt auf der Flucht 😉

Inhaltlich funktioniert das Ganze je nach dem mehr oder weniger gut. Wenn der Held grad erzählt, dass er einen abschüssigen unterirdischen Tunnel bergab flüchtet und man grad einen steilen Berg hochhechelt, leidet die Authentizität halt etwas.

Insgesamt finde ich die Idee aber sehr gut und die Beeinflussung des Laufverhaltens durch Musik und Dialoge im „Hörspiel“ funktioniert erstaunlich gut (andererseits ist das auch nicht so überraschend, weil ich finde es auch beim normalen Musikhören beim Laufen fast unmöglich den Laufrhythmus nicht an die Musik anzupassen, was echt stressig werden kann wenn man aus Versehen mal so was wie „Grease“ in seiner Mp3 Liste dabei hat 😉 ).

Die Qualität des fand ich ganz in Ordnung, mit einem richtigen Hörbuch kann so was natürlich nicht mithalten, aber das englische Original war vom Sprecher ganz gut gelesen (ob die deutsche Übersetzung auch was getaugt hätte weiß ich nicht). Es ist auch offensichtlich, dass die Story Runs, die auf irgendwelchen Filmen basieren primär als Promo gedacht sind, aber das macht ja nichts.

Bei Runtastic sind einige Story Runs umsonst, für Einige muss man bezahlen. Die Auswahl ist aber bisher noch recht klein, aber ich könnte mir vorstellen, dass es in Zukunft noch mehr solcher Konzepte fürs interaktive Fitness-Training geben wird.