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Lesetipp mit Kurzgeschichten: Bov Bjerg – Die Modernisierung meiner Mutter

Von Bov Bjerg habe ich dieses Jahr schon den Roman „Auerhaus“ gelesen, der mir ausnehmend gut gefallen hat. Da mir der ironisch lustige und trotzdem immer ernsthafte Stil des Autors gut gefallen hatte, hatte ich auch große Lust die Kurzgeschichtensammlung „Die Modernisierung meiner Mutter“  zu lesen. Das Buch (oder vom Umfang her eher Büchlein) erhält Kurzgeschichten aus den letzten 20 Jahren des Autors. Das Buch enthält einige längere Geschichten, die teilweise skurril unterhaltsam sind, teilweise aber trotz des immer vorhandenen absurden Humors auch sehr ernste Themen behandeln, bei denen einem das Lachen dann auch mal im Hals stecken bleibt. Von den längeren Geschichten fand ich 3-4 wirklich herausragend, so zum Beispiel der Opener „Schinkennudeln“ (indem diese tatsächlich eine relativ wichtige Rolle spielen 😉 ).

Viele sind wirklich lustig, andere nachdenklich und zusätzlich zu den längeren Geschichten gibt es kürzere Geschichten, die mehr wie Erinnerungsfetzen, Gedankenspiele oder Einwürfe wirken. Dabei gibt es natürlich welche die stärker sind und welche die eher nur „ganz nett“ sind und keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, aber insgesamt fand ich den Kurzgeschichtenband sehr kurzweilig. Da die Geschichten alle für sich alleine stehen können, eignet sich das Buch auch hervorragend um z.B. abends vor dem Zubettgehen noch schnell 2-3 Stories zu lesen.

Ich würde das Buch jedem empfehlen, der „Auerhaus“ mochte und vor allem von dem Schreibstil und Humor von Bov Bjerg begeistert ist und jedem, der generell gerne Kurzgeschichten liest. Das Buch ist vielleicht wegen der eher wilden Mischung von Geschichten nichts für Leute, die gerne auch bei Geschichtensammlungen einen thematischen oder stilistischen „roten Faden“ haben. Mich hat die Vielfalt an Themen nicht gestört.

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Lesetipp: „Tage der Schuld“ – Ein Krimi aus dem Island der 70er Jahre

„Tage der Schuld“ ist ein weiterer Krimi aus der Kommissar Erlendur Reihe von Arnaldur Indridason. Die Krimireihe umfasst schon einige Bände, die in der Gegenwart spielen, dazu kommen inzwischen einige Romane, die in der Vergangenheit spielen und in denen Kommissar Erlendur als Jung-Kommissar oder dessen Vorgesetzter Marian Briem im Mittelpunkt stehen. Insgesamt haben mir die meisten Fälle der Kommissar Erlendur Reihe gut gefallen, wobei ich sagen muss, das es doch auch ein paar schwächere Bände gibt. Dazu gehörte für mich zum Beispiel „Duell“, das in den 70er Jahren spielt und etwas zäh daher kam. Deswegen war ich mir vorab nicht sicher ob mir „Tage der Schuld“ gefallen würde, denn auch dieser Band spielt in den (späten) 70er Jahren. Allerdings steht dort wieder Jung-Kommissar Erlendur im Mittelpunkt und nicht wie bei „Duell“ Marian Briem.

In dem Krimi wird ein junger Mann tot aufgefunden und zwar in einem künstlichen Salzwasser-See, einem „Abfallprodukt“ des nahe gelegenen Geothermalkraftwerks (dieses Abfallprodukt gibt es noch heute und zwar als weltbekannte stylisch teure Wellness-Oase „Blaue Lagune“ –> die Isländer waren schon immer findig im Vermarkten ihrer Produkte). Schnell stellt sich heraus, dass der Mann nicht dort starb, sondern durch einen Sturz aus hoher Höhe auf einen harten Untergrund. Kommissar Erlendur und Marian Briem versuchen hinter den Tod des Mannes kommes. Hat die nahegelegene US-Militärbasis auf der der Mann gearbeitet hat, etwas mit seinem Tod zu tun?

Parallel ist Kommissar Erlendur privat mit seinem Lieblingsthema beschäftigt, von dem er seit dem Verschwinden seines eigenen Bruders als Kind besessen ist, dem spurlosen Verschwinden von Menschen auf Island. Konkret lässt ihn der alte Fall eines jungen Mädchens nicht los, das kurz nach ihrem 18. Geburtstag ihr Haus verließ und auf dem Schulweg spurlos verschwand. Auf eigene Faust versucht er den Fall noch mal aufzurollen und rauszufinden, was mit dem Mädchen passiert ist.

Die Kriminalfälle in „Tage der Schuld“ fand ich gut gelungen, beide sind spannend und interessant und man erfährt wie nebenbei noch interessante historische Informationen über Island, zum Beispiel über das ambivalente Verhältnis der Isländer zu der amerikanischen Militärpräsenz auf Island, über den Einfluß des Kalten Krieges auf das Land oder darüber wie die „Blaue Lagune“ tatsächlich entstanden ist (wußte ich auch nicht, obwohl ich auch schon darin geschwommen bin).

Der Schreibstil ist wie immer eher nüchtern und knapp, was manchmal ein bisschen dazu führt, dass selbst in spannenden oder lebensbedrohenden Situationen kein richtiges Gefühl für Gefahr aufkommt. Mir gefällt der Schreibstil von Indridason als Abwechslung von dynamischeren oder verspielteren Autoren aber zwischendrin immer gut. Als Schwäche könnte man dem Roman eventuell noch auslegen, dass die beiden Kriminalfälle nichts miteinander zu tun haben, so dass man eigentlich 2 Krimis in Einem liest. Da mir beide Handlungsstränge gefallen haben, ist das für mich aber kein Nachteil.

 

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Lesetipp: „Außer sich“ von Sasha Marianna Salzmann

Diesen Herbst habe ich mir vorgenommen eines der Bücher zu lesen, das auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis standen. Dabei ist meine Wahl auf „Außer sich“ von Sasha Marianna Salzmann gefallen, da mich die Thematik des Buches von allen Nominierungen am Meisten angesprochen hat.

Diese ist aber gar nicht so einfach zusammenzufassen, befasst sich das Buch doch mit einer ganzen Menge Themen auf einmal, im Mittelpunkt steht Ali, die aus einer jüdisch-russischen Familie stammt, die nach Deutschland ausgewandert ist. In der Gegenwart und am Anfang des Buches reist Ali nach Istanbul, denn von dort kam das letzte Lebenszeichen ihres Zwillingsbruders Anton, der spurlos verschwunden ist. Dort sucht Ali aber nicht nur Anton, sondern auch sich selbst und ihre eigene Geschlechteridentität…nicht nur deswegen verschwimmen am Ende des Buches die Identitäten von Ali und Anton. Der Teil des Buches, der in der Gegenwart spielt wird meist in der Ich-Perspektive erzählt und ist sehr intensiv erzählt, für mich (die auch schon in Istanbul war, vor Jahren) wurde die Stadt und die Geschehnisse dort dadurch sehr lebendig.

Zusätzlich zu dem Teil des Buches, der sich um Ali in der Gegenwart dreht, geht es in dem Buch aber vor allem um Alis Familie und deren Leben als jüdische Familie im russischen Sozialismus. Dazu gibt es Kapitel zu zahlreichen Personen aus Alis Vergangenheit, Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, …in episodenhaften Erzählungen werden prägende Momente aus dem oftmals sehr harten Leben von Alis Vorfahren erzählt.

Beim Lesen anderer Rezensionen ist mir aufgefallen, dass dieses Buch teils sehr starke Emotionen auslöst und sehr unterschiedlich ankommt. Dies ist wohl der Tatsache geschuldet, dass das Buch keine lineare Erzählweise hat, sondern assoziativ und sprunghaft zwischen Familiengeschichte und Alis Identitätssuche hin- und herspringt. Außerdem gibt es sehr viele Themen (Antisemitismus im Sozialismus, Leben als Asylant in Deutschland, Transsexualität und die jüngere politische Geschichte der Türkei) und Schauplätze. Das Buch ist also vermutlich nichts für Leute, die gerne lineare Bücher mit klarer Handlung und einheitlichem Stil lesen. Grade gegen Ende hätte dem Buch auch aus meiner Sicht etwas mehr Struktur vielleicht gut getan, aber bei einem Debutwerk kann man eine gewisse Wildheit finde ich auch mal gut verzeihen. Ich finde das Buch sticht aus der Masse definitiv heraus und war für mich deshalb definitiv sehr lesenswert.

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Lesetipp: „Die Optimierer“ von Theresa Hannig

Heute möchte ich eine spannende Neuerscheinung vorstellen, die sich mit brandaktuellen Zukunfts-Themen beschäftigt, nämlich den Roman „Die Optimierer“ von Theresa Hannig. Eigentlich lese ich nicht besonders gerne Bücher aus dem Genre Sci-Fi, allerdings handelt es sich bei dem Buch eher um eine unterhaltsame Gesellschaftskritik und -utopie, die auch für Leser geeignet ist, die nicht so gerne Bücher lesen, die in der Zukunft spielen.

„Die Optimierer“ von Theresa Hannig spielt im Jahr 2052. Deutschland gibt es nicht mehr, stattdessen haben sich einige Staaten zur sogenannten Bundesrepublik Europa
zusammengeschlossen.

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Auch der Kapitalimus ist „überwunden“ und durch die sogenannte Optimalwohlökonomie“ ersetzt, in der der Staat für jeden Bürger den optimalen Beruf und Lebensweg bestimmt (oder ihn sofern es keinen optimalen Beruf gibt in die Kontemplation – ergo ins Nichtstun – schickt), Roboter viele Arbeiten übernehmen und alle Bürger (natürlich zu ihrer eigenen Sicherheit) quasi nonstop überwacht werden.

Samson Freitag, die Hauptperson des Romans, ist Lebensberater im Staatsdienst und dafür zuständig die Bürger in für sie 100% passende Berufe und Lebenswege zu vermitteln. Samson ist ein pedantisch überzeugter Vertreter der Optimalwohlökonomie. Fast täglich schickt er digitale Verbesserungsvorschläge an die zuständige Stellen (ein Weg um wertvolle Sozialpunkte zu sammeln, die das eigene Standing in der Gesellschaft und den beruflichen Aufstieg sichern) und geht in seinem Beruf auf.
Dass seine Eltern und seine Freundin von der aktuellen Staatsform gar nicht so überzeugt sind wie er und seine begeistert naive Staatstreue eher nervig finden, kann er gar nicht nachvollziehen.

Doch dann gerät Samsons perfekt systemkonformes Leben so langsam aus den Fugen: seine Freundin verlässt ihn, eine Lebensberatung geht völlig schief, bei der Arbeit geht es generell steil bergab, seine Gesundheit macht ihm zu schaffen und während Samsons beruflichen Erfolge und Sozialpunkte dahin schwinden, gerät er immer mehr in einen Strudel der ihn bis in seine Grundfeste erschüttert.

Mir hat der Roman hervorragend gefallen, einerseits liest er sich extrem kurzweilig und spannend (ich glaube ich habe ihn in knapp 3 Stunden verschlungen),
besticht durch einen feinen Humor und ist trotzdem auch sehr beunruhigend, da man sich Vieles darin für die Zukunft zu 100% vorstellen kann, wenn man die Entwicklungen
der heutigen Zeit betrachtet. Vom Klappentext hatte ich eine moderne Art „1984“ oder „Schöne neue Welt“ erwartet, der Vergleich ist auch nicht ganz unpassend, wobei das Buch mit solchen Klassikern vielleicht doch nicht ganz mitteilen kann, denn die Gesellschaftskritik bleibt doch eher an der Oberfläche.
Dafür liest sich das Buch fast wie ein Krimi oder Thriller und hat einen sehr hohen Unterhaltungswert.

Möchte man etwas kritisieren, dann vielleicht, dass ich die erste Hälfte des Buches, in der die Gesellschaft in der Samson lebt überhaupt erst vorgestellt wird und die Samsons Absturz beschreibt etwas gelungener finde als die zweite Hälfte, wo Samsons Umgang mit seiner Situation und der Weg hin zur finalen Auflösung doch ein bisschen wie abgekürzt erzählt wird. Außerdem lässt sich eine überraschende Wende am Ende des Romans für geübte Leser wirklich leicht vorab erraten.
Dem Unterhaltungswert des Romans tut das aber keinen Abbruch, mir hat er insgesamt wirklich super gefallen.

 

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Lesetipp: „Und es schmilzt“ von Lize Spit

Heute möchte ich den Debütroman einer jungen belgischen Autorin, Lize Spit, vorstellen.

Ihr Buch „Und es schmilzt“ ist ein Roman, der mit sehr vielen Lobpreisungen überhäuft wurde (und auch einen Preis gewonnen hat) und Lize Spit wird quasi als neue junge „Wunderautorin“ angepriesen. Oft ist es ja so, dass man sich dann vor dem Lesen doch fragt ob das Buch diesen Erwartungen und Ankündigungen überhaupt gerecht werden kann, ich kann aber gleich sagen, dass ich es in diesem Fall wirklich mehr als zutreffend finde, denn das Buch ist wirklich außergewöhnlich, intensiv und erschütternd.

Die Handlung wird von der Hauptperson Eva erzählt, einer jungen Frau, die nach vielen Jahren auf Einladung ihres ehemaligen Schulfreundes Pim, das erste Mal wieder in ihr altes Heimatdorf zurückkehrt, im Gepäck nur viele Erinnerungen an die Vergangenheit und obskurerweise einen Eisblock. Dessen Bedeutung erfährt man erst im Laufe des Buches. Am Anfang weiß der Leser nicht viel, nur dass in der Kindheit Evas etwas Schlimmes passiert ist, dass Pims Bruder Jan damals zu Tode kam, dass Pim mit der Einladung dem 30. Geburtstag seines Bruders Jan gedenken will und dass Evas Besuch im Heimatdorf, etwas mit dieser Vergangenheit zu tun hat.

Die ersten 40 Seiten hatte ich etwas Schwierigkeiten in den Lesefluss zu finden, allein deswegen weil das Buch in einer Sprache geschrieben ist, bei der in fast jedem Nebensatz so viel steckt, dass man eigentlich erst mal drüber nachdenken muss. Trotzdem liest sich das Buch spannend und der Stil ist nicht kompliziert. Nachdem ich erst mal drin war, war das Buch wie ein Sog, bei dem man gar nicht mehr aufhören kann zu lesen.

Das Buch spielt in zwei Zeitebenen, die meiste Zeit erzählt Eva von dem schicksalhaften Jahr 2002, in dem sich für sie alles änderte und von ihrer Kindheit und familiären Situation. Dazwischen spielt das Buch in der Gegenwart und beschreibt Evas Fahrt in ihr Heimatdorf…wie alles zusammenhängt und was es mit dem Eisblock auf sich hat, erfährt der Leser so Scheibchen für Scheibchen.

Die große Stärke des Buches ist, wie es den Leser zum Nachdenken bringt und wie die ganze Geschichte relativ harmlos anfängt und ein immer größerer Gefühl der Bedrohung aufbaut. Zum Inhalt möchte ich in dieser Rezension gar nicht viel mehr verraten. Für mich definitiv eines der besten Bücher, das ich dieses Jahr gelesen habe, allerdings ist es sicher nicht für jeden geeignet, da gegen Ende einige Szene doch sehr brutal sind, allerdings für mich im Kontext des Buches völlig nachvollziehbar und notwendig. Trotzdem kann man das Buch empfindsamen Lesern nicht uneingeschränkt empfehlen. Wer gerne auch mal etwas wirklich Erschütterndes liest, kann mit diesem Buch aber definitiv nichts falsch machen.

Bücher

Lesetipps: Krimis aus den Niederlanden

Heute möchte ich einmal eine komplette Krimireihe auf einmal vorstellen und zwar die Bände der „Nordsee-Morde“ Reihe der niederländischen Autorin Isa Maron. Wobei ich da einleitend gleich drauf hinweisen muss, dass „Nordsee-Morde“ etwas irreführend ist, denn dies erweckt beim Leser wohl das Bild typischer Regionalkrimis (vermutlich dachte man beim deutschen Verlag, dass das zwecks Marketing beim deutschen Leser am Besten zieht) und bei der Krimi-Reihe handelt es sich aber eher um eine typische Krimireihe, die eher noch in Richtung „Serienkiller-Thriller“ geht und größtenteils in Amsterdam spielt. Die Nordsee spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle.

Für mich ist das eine der besten Krimireihen, die ich seit längerem neu entdeckt habe, auch da die Ermittler mal was anderes sind und sich von den typischen skandinavisch melancholischen Kommissaren und auch den typischen britischen High-Society Ermittlern unterscheiden 😉

Als kleiner Wehrmutstropfen: von den 3 bisher erschienenen Bänden konnten mich nur zwei davon zu 100% überzeugen, aber insgesamt immer noch ein sehr sehr gutes Fazit.

Es ist zu beachten, dass man diese Krimireihe unbedingt chronologisch von Anfang an lesen sollen, da die Bände nur sehr schlecht für sich allein stehen können.

Hier nun die Rezensionen zu den einzelnen Bänden:

Isa Maron – „Dunkle Flut“ (Genre: Krimi)

„Dunkle Flut“ ist der erste Band einer Reihe von Krimis rund um ein ungewöhnliches Ermittlerduo, die Kommissarin Maud Mertens und die junge Abiturientin Kyra Slagter, die unbedingt Polizistin werden will, seitdem ihre ältere Schwester Sarina vor einigen Jahren spurlos verschwand. Zuerst war ich etwas skeptisch, als ich gelesen habe, dass eine Schülerin an den Mordermittlungen beteiligt ist, da mir das doch etwas sehr unrealistisch erschien. Das hat sich aber schnell gelegt, nachdem mir klar wurde, dass Kyra nicht tatsächlich offiziell mitermittelt, sondern quasi auf eigene Faust auf Mördersuche geht (das ist natürlich auch nicht wirklich so realistisch, aber es ist ja nur ein Buch 😉 ).

Am Anfang des Buches wird ein Mann aufgeknöpft an einem Laternenpfahl am Amsterdamer Hafen gefunden. Da ihr Bruder die Leiche entdeckt, ist Kyra noch knapp vor der Polizei am Tatort und kann die Leiche in Augenschein nehmen. Erschrocken erkennt sie, dass es sich bei dem Toten um ihren Kunstlehrer handelt…sowieso schon besessen von dem Beruf des Kriminalisten und von Morden beschließt sie, dass sie unbedingt dahinter kommen will, was passiert ist.

Auch Maud Mertens arbeitet mit dem Team an dem Fall, doch die Suche nach einem Motiv ist nicht leicht und mit der Zeit wird klar, dass es sich nicht um einen Einzelmord handelt, sondern dass der Täter Blut geleckt hat.

Mir hat der Krimi sehr gut gefallen, vor allem die Charaktere sind vielschichtig und nicht so eindimensional wie sonst oft, Kyra ist ein typischer Teenager, oft impulsiv und unvernünftig, dabei aber völlig von sich überzeugt. Maud Mertens führt eigentlich ein ganz normales Leben (mal keine völlig gescheiterte Existenz als Kommissar 😉 ), hat aber außer mit der widerspenstigen Kyra auch noch mit ihrer eigenen Tochter im Teenageralter zu kämpfen. Insgesamt muss ich sagen, dass mir an dem Buch die Charakterentwicklung und auch das im Hintergrund immer mit vorhandene Rätsel um Kyras verschwundene Schwester sogar etwas besser gefallen hat als der Kriminalfall an sich (der zwar auch spannend ist, aber in einer ähnlichen Form doch schon oft dagewesen). Insgesamt finde ich die Reihe sehr vielversprechend und auch das Setting in Amsterdam und an der Nordsee ist mal etwas anderes.

Isa Maron – „Kalte Brandung“ (Genre: Krimi)

Kyra Slagter, die im ersten Teil noch zur Schule ging, hat inzwischen ihr Studium der Kriminalistik angefangen und ist somit ihrem Ziel Polizistin zu werden und auch beruflich Kriminalfälle zu lösen einen Schritt näher gekommen. Zusätzlich zu der Beschäftigung mit Kriminalistik, versucht sie natürlich immer noch das Verschwinden ihrer Schwester vor einigen Jahren aufzuklären.

Auch Maud Mertens hat mehr als genug zu tun, denn zum Schrecken der ganzen Niederlande verschwinden innerhalb weniger Tage zahlreiche Kinder spurlos und immer von belebten Plätzen wie Geburtstagsfeiern oder Zoos. Während immer mehr Kinder verschwinden, versuchen Maud Mertens und ihr Team unter Hochdruck dahinter zu kommen, was hinter den Entführungen steckt, ein spannender und mitreißender Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Auch Kyra ist wieder am Rande mit dem Fall verbandelt (wie realistisch das ist, sei mal dahingestellt), denn sie kennt das erste entführte Kind flüchtig und eine ihrer Freundinnen ist das Kindermädchen des Jungen gewesen. Abgesehen von dieser etwas konstruierten Verbindung ist Kyra diesmal aber nicht wirklich in die Ermittlungen zu dem großen Kriminallfall eingebunden, was ich angenehm fand, da es sonst vermutlich zu unrealistisch geworden wäre. Stattdessen konzentriert sich ihre Rolle auf die Suche nach ihrer Schwester, in deren Fall durch neue Ermittlungsergebnisse aus den USA auch neues Leben kommt.

Insgesamt fand ich den zweiten Band der Reihe fast noch besser als den ersten, der Kriminalfall ist wirklich spannend, die Charaktere werden weiterentwickelt und auch der Fall von Kyras Schwester nimmt deutlich Fahrt auf.

Isa Maron – „Schwarzes Wasser“ (Genre: Krimi)

Nachdem ich den 2. Band wirklich herausragend fand (noch etwas besser als Band 1), war ich sehr gespannt auf den 3. Teil. Leider wurden meine Erwartungen nur teilweise erfüllt.

Am Anfang des Buches steht mal wieder ein spektakulärer Leichenfund, im Garten eines Hauses in der Nachbarschaft von Kyra Slagter werden bei professionellen Gartenarbeiten einige menschliche Schädel gefunden. In dem Haus wohnte bis vor einigen Jahren ein inzwischen verstorbener umstrittener Politiker und seine Familie, hatte er etwas damit zu tun?

Parallel zu dem Kriminalfall kommt Fahrt in die Suche nach Kyras verschwundener Schwester und der Fall nimmt deutlich mehr Raum ein als in den ersten beiden Bändern.

Auch in diesem Band hat es Spaß gemacht, die Ermittlungen von Maud und Kyra zu verfolgen und dass es mit dem Geheimnis um Kyras Schwester langsam wirklich voran geht fand ich auch gut.

Allerdings ist das auch etwas die Schwäche des Bandes, irgendwie gibt es gefühlt zu viele Handlungsstränge und Personen, die auch noch alle miteinander verbandelt sind. Ich fand es deswegen zum ersten Mal etwas schwierig, die Übersicht über alle Charaktere zu behalten und einige Stränge verliefen sich auch im Laufe des Buches etwas im Sande. Dass das ganze Buch dann auch noch mit einem kompletten Cliffhanger endet, passt zu diesem Gesamtbild.

Insgesamt wirkt der 3. Band leider etwas als ob er nur ein „Zwischen-Roman“ ist, der zu einem großen Finale hinführt und er funktioniert deswegen als eigenständiger Krimi auch nicht so gut wie die ersten beiden Bände.

Trotzdem ist die Reihe an sich grandios und weiterlesen muss man sowieso, wenn man hinter das Geheimnis um Kyras Schwester kommen will. Allerdings schreibt die Autorin eigentlich brilliant genug, um solche „Kniffe“ zur Kundenbindung gar nicht nötig zu haben. Von dem her hoffe ich, dass der 4. Band wieder etwas eigenständiger wird.

Bücher

Buchtipps: Ein Krimi und eine außergewöhnliche Autobiografie

Diesen Monat habe ich 2 sehr unterschiedliche Bücher gelesen, einmal einen Krimi aus einer meiner Lieblingskrimireihen und außerdem eine sehr außergewöhnliche Autobiografie voller subtil schwarzem Humor:

Jussi Adler Olsen – „Verheissung“ (Genre: Krimi/Thriller)

„Verheissung“ ist der 6. Fall rund um den etwas exzentrischen dänischen Sonderermittler Carl Morck (Leiter eines Dezernates für ungelöste Kriminalfälle) und sein Team Assad und Rose. Zu Beginn des Bandes erhält Carl Morck einen Anruf eines Polizisten von einer kleinen Insel, dieser bittet ihn um Hilfe bei einem lange Jahre zurückliegenden Fall, bei dem das junge Mädchen Alberte von einem Auto tödlich verletzt und in einen Baum geschleudert wurde. Der Fall wurde als Unfall mit Fahrerflucht zu den Akten gelegt, doch der Polizist ist sich sicher, dass es Mord war, an seiner Besessenheit mit dem Fall ist seine Ehe und mehr oder weniger sein ganzes Leben zerbrochen. Als Carl ihn recht rüde abweist, hinterlässt der Polizist eine verstörende Nachricht auf dem Anrufbeantworter und wenige Zeit später erschießt er sich bei seiner Pensionierungsfeier vor den Augen seiner ehemaligen Kollegen. Als Carl Morck und sein Team geschockt beschließen den alten Fall doch wieder aufzunehmen, beginnt eine langwierige Reise in die Vergangenheit.

Der Krimi ist von der Erzählweise eher ruhig und nimmt sich viel Zeit für klassische Ermittlungsarbeit und auch um die Geschichte um Alberte und ihre Vergangenheit Stück für Stück zu erzählen. Das Buch ist also vielleicht nichts für Menschen die actionreiche Thriller mögen, ich würde die Reihe auch definitiv eher als Krimireihe bezeichnen, auch wenn sie immer als Thriller ausgezeichnet wird. Genauso wichtig wie der Plot (der mir in dieser Folge besonders gut gefallen hat) ist in dieser Reihe das Zusammenspiel der verschiedenen Charakter, der etwas launische Carl Morck, der geheimnisvolle Assad, die etwas anstrengende und psychisch instabile Rose sind ein dynamisches Trio, das trotz der Exzentrik trotzdem irgendwie nicht so privat problembelastet wirkt wie die Ermittler in anderen Krimireihen (vielleicht weil nicht seitenweise Eheprobleme gewälzt werden?). Dazu kommt eine faszinierende Geschichte um Eifersucht und einen charismatischen Sektenguru, der eine lange Reihe von Menschen zurück lässt, die von ihm besessen sind. Auch wenn dem Leser in dem Buch relativ schnell offen gelegt wird, wer der Mörder ist, wird die Mördersuche aus Sicht der Kommissare nie langweilig und die Erzählweise der Geschichte, die Schicht für Schicht immer mehr der Geschehnisse enthüllt, hat mir sehr gut gefallen. Für mich war das einer der besten Bücher aus der Reihe um Carl Morck. Allerdings sollte man die Reihe möglichst komplett und chronologisch lesen, da immer wieder Geschehnisse aus den früheren Bändern eine Nebenrolle in der Handlung spielen.

Klaus Märkert – Wie wir leuchten im Dunkeln, geben wir so verdammt gute Ziele ab (Genre: Autobiografie)

Auf das Buch von Klaus Märkert bin ich durch den außergewöhnlichen Titel – „Wie wir leuchten im Dunkeln, geben wir so verdammt gute Ziele ab“ – aufmerksam geworden. In dem eher kompakten Büchlein erzählt Klaus Märkert Episoden aus seinem Leben, dabei ist das Buch jeweils in verschiedene Abschnitte gegliedert, die unterschiedliche Lebensabschnitte des Autors widerspiegeln, zwischen denen hin- und her gesprungen wird. Eine Verbindung gibt es dadurch, dass alle Abschnitte, in denen es um Ähnliches geht jeweils die gleiche Überschrift tragen, so gibt es einige Geschichten zum Thema „Kind sein“, einige zum Thema „Tot sein“ , einige zum Thema „Soldat sein“, usw. Für mich hat diese Struktur sehr gut funktioniert, denn obwohl zwischen unterschiedlichen Themen gesprungen wird, findet man sich problemlos zurecht und die Erzählweise ist abwechslungsreicher als hätte man die Geschichten chronologisch erzählt.

Inhaltlich konnte ich mich mit den Geschichten zum Thema „Kind sein“ am Besten identifizieren, was sicher daran liegt, dass fast jeder ähnliche Kindheitserfahrungen gemacht hat und der Autor es hervorragend geschafft hat, die typischen Ängste und Gefühle, die man als Kind hat, so zu erzählen, dass man direkt in seine Kindheit zurück versetzt wird. Bei anderen Themen fehlte dann im Vergleich der persönliche Bezug, so dass man etwas distanzierter darauf schaut, aber auch diese waren für mich sehr interessant zu lesen. Der Humor im Buch ist speziell, eher zynisch und schwarz und deswegen vermutlich nicht jedermanns Sache, aber mir hat er sehr gut gefallen, wobei das Buch in der ersten Hälfte etwas spielerischer und leichter daher kommt und in der zweiten Hälfte dann doch etwas zynischer und dunkler.

Für mich auf jeden Fall mal eine ganz andere Autobiografie, die ich sehr lesenswert fand.

 

Bücher

Literarischer Sommer – Zwei außergewöhnliche Bücher

Im Juni habe ich nicht ganz so viele Bücher gelesen wie sonst manchmal (da ich auch ein paar Tage im Urlaub war), dafür waren zwei dabei, die ich wirklich gelungen und außergewöhnlich fand:

Bente Seebrandt – „Im Licht der Nebensonnen“ (Genre: Belletristik)

„Im Licht der Nebensonnen“ hat gleich aus mehreren Gründen meine Aufmerksamkeit erregt, erstens fand ich den Titel schon mal sehr kryptisch und deswegen interessant, zweitens gefiel mir, dass es die Hauptfigur aus Stuttgart (wo ich auch ungefähr herkomme) an die Nordsee verschlägt und drittens fand ich sehr spannend, dass der Roman laut Untertitel nach „Motiven von Theodor Storm“ geschrieben wurde. Unter letzterem konnte ich mir zunächst wenig vorstellen, außerdem bin ich mit dem Werk von Theodor Storm nicht so vertraut (kenne wie vermutlich die meisten Menschen nur den „Schimmelreiter“). Deswegen hab ich mich gefragt, ob das ein Manko darstellen würde, aber das ist keineswegs der Fall. Theodor Storm wird zwar in dem Roman immer wieder eingeflochten, vor allem aber basiert der Inhalt der Geschichte auf einer anderen Novelle von Theodor Storm („Aquis submersus“), wobei es aber keineswegs das Lesevergnügen stört, wenn man diese nicht kennt.

Zu Beginn des Romans zieht der Kunstlehrer David nach einer gescheiterten Beziehung von Stuttgart nach Husum (der Geburtsort von Theodor Storm), wo er eine Stelle am örtlichen Gymnasium angenommen hat. Das Einleben an der Nordsee fällt ihm zunächst nicht sehr leicht, vermisst er doch einerseits die typische schwäbische Landschaft und ist andererseits noch nicht wirklich über seine Ex-Freundin hinweg. Bei einem gemeinsamen Seminar lernt er die Lehrerin einer benachbarten Berufsschule kennen, Louise, von der er sofort fasziniert ist. Sie lebt scheinbar idyllisch und zufrieden zusammen mit ihrem Mann (einem Dorfpfarrer) und 3 Kindern in einem Nachbardorf. Doch schon bei den ersten Begegnungen wird David schnell klar, dass irgendwas mit Louise nicht ganz zu stimmen scheint, trotzdem kann er sich ihrer Anziehungskraft nicht erwehren.

Die Geschichte ist abwechselnd aus Sicht von David und aus Sicht von Louise erzählt, es handelt sich im Prinzip um eine tragische Liebes- und Familiengeschichte, die trotz vieler dramatischer Ereignisse in einer ruhigen fast lakonischen und etwas altmodischen Sprache daher kommt, die aber sehr gut zu dem Theodor Storm Bezug passt. Man hat ein bisschen das Gefühl eine Art „griechische Tragödie“ zu lesen, obwohl alles in eine modernes Setting eingebettet ist. Mir hat das Buch hervorragend gefallen, weil es wirklich mal etwas anderes war.

Bov Bjerg – „Auerhaus“ (Genre: Belletristik)

„Auerhaus“ ist ein Buch, das durch ein schlichtes aber irgendwie interessantes Cover auf sich aufmerksam macht. Das Buch spielt in den 80er Jahren in einem ungenannten Dorf (am Ende des Buches erschloss sich aber aus dem Kontext, dass es sich wohl um ein Dorf in Süddeutschland handeln dürfte). Der jugendliche Ich-Erzähler hat eigentlich ganz normale Teenager Sorgen, das Abi steht vor der Tür, dahinter die unbekannte Zukunft und auch die anstehende Musterung zur Bundeswehr hängt wie ein Damoklesschwert über dem nicht sehr wehrpflichts-motivierten Erzähler.

Dazu kommt aber plötzlich noch eine ganze andere schockierende Sorge, denn Frieder, ein Freund des Ich-Erzählers (dessen Vorname übrigens konsequent nicht genannt wird) versucht sich umzubringen und landet erst mal für längere Zeit in der Psychatrie. Da Ärzte und alle anderen es für sinnvoll erachten, dass Frieder nach der Entlassung nicht mehr in sein Elternhaus zurückkehrt, ergibt sich eine ungewöhnliche Konstellation, Frieder und sein Freund ziehen gemeinsam mit 2 weiteren weiblichen Schulkameradinnen in das Haus von Frieders verstorbenem Großvater, das „Auerhaus“ (der Grund für den Namen wird im Laufe des Buches aufgelöst und ist etwas auf das man selber wohl eher nicht kommen wird, aber sehr amüsant). Wie realistisch dieses Szenario wirklich ist sei dahingestellt, aber im Buch funktioniert die Geschichte hervorragend. Im Folgenden zieht die „Kommune“ oder „WG“ bald noch einige weitere eher unkonventionelle Bewohner an und das Buch erzählt oft flapsig und humorvoll von den Erlebnissen der Teenager und ihrer Entwicklung. Immer im Hintergrund lauert dabei die Sorge des Erzählers, dass Frieder wieder Selbstmord begehen könnte.

Trotz des ernsten Themas ist das Buch oft humorvoll, teils skurril und sehr charmant, außerdem liest es sich sehr leicht und flüssig. In einigen Rezensionen wurde es mit „Tschick“ verglichen, der Vergleich ist aus meiner Sicht eher unnötig und ganz reicht das Buch (abgesehen davon, dass das Thema nicht wirklich soooo ähnlich ist) denke ich auch an dieses „Vorbild“ nicht heran, trotzdem hat es mir sehr gut gefallen.

Bücher

Noch mehr Buchtipps im Mai: gelungene Thriller

Heute möchte ich zwei sehr gelungene Bücher aus einem Genre vorstellen, das ich eigentlich gar nicht (mehr) so häufig lese, nämlich Thriller. Die meisten Thriller laufen mir nämlich zu sehr nach Schema F ab (das ist bei Krimis zwar natürlich auch so, aber meist finde ich Thriller tendenziell noch einen Ticken vorhersehbarer und klischeehafter). Die beiden Thriller, die ich diesen Monat gelesen habe, ragen aber definitiv aus dem Einheitsbrei heraus:

Paul Pen – „Das Haus in der Kakteenwüste“ (Genre: Thriller)

Paul Pen ist ein spanischer Autor, von dem ich bisher noch nie was gehört hatte. Beim Stöbern für ein Geburtsgeschenk bin ich aber auf den ungewöhnlichen Buchtitel und das Thriller-typische atmosphärische Cover aufmerksam geworden. „Das Haus in der Kakteen Wüste“ spielt in Mexiko, dort wohnt eine sechsköpfige Familie abgeschieden, aber auf den ersten Blick glücklich in der Wüste, umgeben nur von einer endlos scheinenden Weite von Wüste und Kakteen. Der Vater Elmer arbeitet Meilen entfernt an einer Tankstelle während die Mutter Rose sich um die 4 Töchter kümmert und auf den ersten Blick eine Idylle geradezu herauf beschwört. Doch schon am Anfang des Buches ist ein ständiges Unwohlsein zu spüren. Rose hat nachts mit Angstattacken zu kämpfen. Die beiden 6-jährigen Zwillingstöchter Dahlia und Daisy haben merkwürdige Rituale die entweder überdreht oder bestenfalls niedlich wirken. Die älteste Tochter Iris vergräbt sich in Büchern und träumt fast fanatisch von einem Liebhaber (und Sex). Die 13-jährige Melissa sammelt Steine, klebt ihnen Augen auf, gibt ihnen Namen und redet mit ihnen, um ihre Einsamkeit zu bekämpfen. Außerdem erfährt man gleich am Anfang, dass der Familie ein schlimmer Schicksalsschlag zugestoßen ist, die älteste Schwester der Mädchen liegt begraben in der Nähe des Hauses, woran und wie sie starb, erfährt der Leser nicht.

In diese merkwürdige und brüchig wirkende Idylle, die von Anfang an beunruhigend manisch wirkt, bricht eines Tages ein Fremder ein, der junge Rick kommt scheinbar zufällig als Backpacker bei der Familie vorbei, doch schnell merkt man, dass er eigene Interessen verfolgt.

Was danach passiert,  möchte ich gar nicht verraten, die Ereignisse überschlagen sich wie in einem Strudel und der Leser lernt wie wenig zwischen Liebe und Wahnsinn liegen kann. Das Buch hat mich jedenfalls mitgerissen und ich habe es fast in einem Schwung durchgelesen. Für Freunde von klassischen Psycho-Thrillern ist es aber vermutlich nur bedingt etwas, ich bin nicht mal sicher ob ich es im Genre Thriller einordnen würde, es ist vielleicht eher ein etwas außergewöhnliches Familiendrama. Auch der Schreibstil ist durchaus ungewöhnlich, wollte man ihn negativ betrachten, könnte man ihn als blumig oder tendenziell sogar etwas schwülstig bezeichnen, ich fand aber, dass er perfekt zu der Stimmung der Familie passt und das Gefühl, dass mit allem und allen im Buch „etwas nicht stimmt“ perfekt unterstrichen hat.

Ob ich das Buch weiterempfehlen kann, hängt vermutlich vom Leser ab, auch die Rezensionen zeigen, dass das Buch eher starke Reaktionen auslöst (viele besonders gute oder besonders schlechte Rezensionen). Wer am Ende eines Buches möglichst alles 100% aufgelöst haben will, wird z.B. mit dem Buch vermutlich nicht so glücklich werden, denn Ende und auch einige Hintergründe bleiben relativ offen gehalten. Ich fand das Buch insgesamt wirklich klasse und herausragend und werde auch die anderen Büchern des Autors in Augenschein nehmen.

Simon Beckett – „Totenfang“ (Genre: Thriller)

„Totenfang“ von Simon Beckett ist der neueste Band aus der Krimireihe rund um den forensischen Anthropologen David Hunter. Ich habe alle Bücher der Reihe gelesen, bin aber kein Riesenfan davon, manche Teile fand ich sehr gelungen, andere weniger. Generell hatte ich manchmal den Eindruck, dass mir in manchen Büchern die pathologischen Beschreibungen etwas zu viel Raum einnahmen (das Thema nutzt sich auch ab), deswegen war ich gespannt wie mir dieser Band gefallen würde.

David Hunters Karriere darbt nach den Geschehnissen des Vorgängerromans (an den ich mich ehrlichgesagt nicht mehr im Detail erinnere) am Anfang dieses Bandes etwas vor sich hin, seine Dozenten Stelle an der Uni ist in Gefahr.. Von dem her kommt es im gelegen als er überraschend zur Bergung einer Wasserleiche in die abgelegenen Backwaters von Essex hinzugezogen wird (ein unwirtliches Marschland). Der Tote soll vermutlich Leo Villiers, der Sohn einer reichen Familie sein, der vor einigen Wochen verschwand und mutmaßlich Selbstmord begangen hat, nachdem einige Zeit vorher seine Geliebte verschwand und er wiederum unter Mordverdacht geriet.

Doch obwohl der Fall eindeutig scheint und der Tote die Kleidung von Leo Villiers trug, kommt doch alles anders als erwartet und David Hunter muss bald nicht nur die Identität eines, sondern gleich mehrerer Toter aufdecken. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände kommt er während der Ermittlungen im Bootshaus einer Familie unter, die mit dem Mordfall zusammenhängt, schnell vermischt sich Privates und Berufliches und der Fall wird immer komplizierter.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Die Story ist interessant und kreativ und zur Abwechslung mal nicht so einfach vorauszusehen, sie hat mich sehr gut unterhalten. Einzig die Anzahl von Zufällen durch die David Hunter auf neue Erkenntnisse stößt, ist doch ein wenig unglaubwürdig (außerdem verhalten sich dieProtagonisten ständig unvernünftig und bringen sich in Gefahr, aber das ist man von dem Genre ja gewohnt). Die Atmosphäre des Buches mit dem Setting in den Backwaters war mal etwas anders und auch sehr gelungen, insgesamt war das für mich deswegen ein sehr gelungener Thriller und von Simon Beckett definitiv eines der besten Bücher der Reihe.

Bücher

Literarischer Jahresanfang 2017

Dieses Jahr habe ich literarisch mal wieder mit einem Krimi und einem Jugendbuch begonnen, beides von Deutschen Autoren:

Nele Neuhaus – Im Wald (Genre: Krimi)

Nadine Gersberg – Run Boy. Run Girl. (Genre: Jugendbuch)

„Run Boy Run Girl“ ist ein Jugendbuch, das sich gleich einige durchaus anspruchsvolle Themen vornimmt. So ist die Hauptperson, der 15-jährige Ben, vor kurzem schwer erkrankt, möchte aber trotzdem sein neues Lieblingshobby, die Sportart „Parcours“ nicht aufgeben und versucht mit allen Mitteln sich selbst und seinen Körper davon zu überzeugend, dass es ihm gut genug dafür geht.

Beim Parcours lernt er auch die andere Hauptperson des Buches kennen, die Türkin „Bahar“, zugleich kleine Schwester seines Trainers und leidenschaftliche Fußballspielerin. Das Kennenlernen zwischen den beiden ist durch Missverständnisse und Zickereien geprägt, aber trotzdem bahnt sich im Laufe des Buches eine Liebesgeschichte an…

Insgesamt ist das Buch also durchaus ein typischer Vertreter aus dem „Young Adult“ Bereich, eine Liebesgeschichte, typische Teenagersorgen und durchaus ernsthafte Probleme. Im Mittelpunkt steht hierbei wie Ben mit seiner Erkrankung umgeht und Bahars Schwierigkeiten als junge Deutsch-Türkin in Deutschland zurecht zu kommen. Die Themen werden finde ich sehr authentisch und glaubwürdig dargestellt, ohne dass es aufgesetzt oder konstruiert wirkt. Lediglich ein paar arg viele „Zufälle“ gibt es in dem Buch.

Der Schreibstil (die Story wird abwechselnd aus Sicht von Bahar und Ben erzählt) hat mir dabei gut gefallen, locker und leicht und sehr gut lesbar. Auch hat mir sehr gefallen wie die Charaktere herausgearbeitet sind, Ben, eher ruhig und nachdenklich, aber voller Biss was seine Ziele angeht. Bahar eher eine Rebellin, die oft aneckt und schnell konfrontativ wird.

Mir hat das Buch gut gefallen, man kann es auch als Erwachsener gut lesen und dadurch, dass es einen weiblichen und einen männlichen Hauptcharakter hat, kann es denke ich sowohl für männliche als auch weibliche junge Leser interessant sein.