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Buchrezension: „So enden wir“ von Daniel Galera

„So enden wir“ von dem brasianischen Autor Daniel Galera ist ein Roman der schwer zu fassen ist, was sich auch in den meisten Rezensionen widerspiegelt, die ich bisher gelesen habe, nicht nur ruft der Roman ein sehr unterschiedliches Echo hervor, auch sind die meisten Rezensionen eher schwammig wenn  es darum geht den Inhalt zu beschreiben. Dies dürfte daran liegen, dass es wirklich gar nicht so einfach ist den Roman in Worte zu fassen. Worum es grundsätzlich geht, ist eigentlich nicht so kompliziert, ein bekannter Schriftsteller namens Andrei (von allen nur der „Duque“ genannt) wird beim Joggen in der Stadt Porto Alegre auf der Straße ermordet. Geschockt reagieren darauf seine 3 Jugendfreunde Aurora, Emiliano und Antero, mit denen zusammen der Duke vor ca. 10 – 15 Jahren ein politisches und alternatives Online-Magazin namens Orangotango herausgab, dass eine Zeit lang in Brasilien richtig angesagt war, bevor es wieder verschwand und die Leben der 4 Freunde sich auseinander entwickelte.

Jetzt Jahre später versucht Aurora ihr Biologie- Studium zu beenden, hadert aber mit einem Gefühl, dass die Welt dem Niedergang geweiht ist und ist schon mit dem Leben an sich ziemlich überfordert. Emiliano soll eine Biografie über den Duque schreiben, solange sein Tod noch so viel Aufmerksamkeit generiert, dass es sich gut verkauft, weiß aber nicht ob er es schafft seine eigene persönliche Geschichte mit Andrei zu verarbeiten. Antero ist finanziell der erfolgreichste der Drei, ruiniert aber dafür sein Familienleben. Das Buch beschreibt die Wochen und Monate nach Andreis Tod aus der Sicht der 3 Freunde, wobei es nur fetzenhafte und episodenhafte Einblicke in das Leben der drei und ihr Verhältnis zu Andrei gibt, dabei werden aktuelle Themen wie die Auswirkung der Digitalisierung und der Social Media auf das Leben der Menschen und der Menschheit aufgegriffen…da das Buch recht kurz ist (200 Seiten) erhält jeder Charakter nur ca. 2 Kapitel und irgendwie hat man am Ende des Buches das Gefühl nur recht wenig erfahren zu haben, obwohl gar nicht viel passiert ist…mir hat das Lesegefühl des Buches wirklich gut gefallen, es liest sich flüssig obwohl es sich an vielen Stellen in Details verliert, die aber nie langweilen und es schafft es finde ich sehr gut das Gefühl der Orientierungslosigkeit zu beschreiben, dass die 3 Freunde in dieser Phase ihres Lebens (sie sind zwischen Anfang 30 und ca. 40) alle befallen zu haben scheint. Der Aktivismus und die Energie ihrer Orangotango-Zeit scheinen sie verloren zu haben und ich konnte grade das Gefühl Auroras, dass die Welt sich in einer besonders hoffnungslosen Phase befindet gut nachvollzieht, das geht wohl Vielen so, die täglich die Nachrichten verfolgen. Aber das Buch macht auch Hoffnung, dass diese Phase vielleicht etwas ganz Normales ist, die einen egal in welchem Jahrzeht oder Jahrhundert man lebt in einem bestimmten Alter überkommt (ich lese gerade parallel den „Baader-Meinhof Komplex“ und da mich die politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse die dieses Buch beschreibt fast in jedem Kapitel im Vergleich zur heutigen Weltlage trotz allem sprachlos machen, habe ich den Verdacht, dass an dieser Theorie etwas dran ist), was etwas sehr Tröstliches ist. Vielleicht muss man aber in einem ähnlichen Alter sein wie der Autor und die Protagonisten, um sich mit der Gedankenwelt des Buches anfreunden zu können.

Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen, da es zum Nachdenken anregt, auch wenn man hinterher gar nicht so richtig weiß, worüber 😉

Ob man das Buch weiterempfehlen kann, ist eine schwierige Frage, da es definitiv viele Gründe gibt, warum es einem nicht gefallen kann. Wer ein Fan von viel Handlung und einfacher Sprache ist, wird mit dem Buch vermutlich nichts anfangen können, auch sollte man eine ausgeprägte Toleranz für Vulgarität mitbringen, denn die Sprache schwankt oft zwischen philosphisch und sehr derb.

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Regionalkrimi – Tipp: „Totenweg“ von Romy Fölck

„Totenweg“ ist ein Regionalkrimi, der im Norden von Deutschland spielt, konkret in der Elbmarsch bei Hamburg. Die junge Kommissar-Anwärterin Linda ist mitten in der Lernphase für ihre Prüfungen als sie einen erschreckenden Anruf von ihrer Mutter bekommt: ihr Vater wurde hinterhältig niedergeschlagen und liegt in Lebensgefahr im Krankenhaus…Linda kehrt etwas widerwillig zurück auf den Apfel-Bauernhof ihrer Eltern, um ihre Mutter zu unterstützen. Dort kommen schlimme Erinnerungen an ihre Jugend zurück, denn als sie 14 war, wurde ihre beste Freundin Marit dort in der Nähe ermordet. Der Mörder wurde nie gefunden, doch Linda trägt seitdem ein schlimmes Geheimnis mit sich herum.

Der Kommissar Bjarne Haverkorn wird ebenfalls von schlimmen Erinnerungen eingeholt, als er die Ermittlungen zu dem Überfall auf Lindas Vater aufnimmt, denn er war auch schon beim Mord an Marit der leitende Ermittler und dass er den Mörder damals nicht fassen konnte, verfolgt ihn seitdem. Er war überzeugt, dass Linda damals etwas verbarg und nimmt sich vor die Ermittlungen an dem neuen Fall zu nutzen, um einen letzten Versuch zu unternehmen auch Marits Mörder zu finden.

Der Krimi ist der erste Teil einer neuen Reihe und hat mir auch wirklich gut gefallen. Die Handlung ist spannend und sehr kurzweilig erzählt. Auch die beiden Hauptpersonen sind gut ausgearbeitet und sympathisch und das Verhältnis zwischen Privatleben und Kriminalfall ist ausgewogen (wobei sich bei Linda sowieso alles vermischt). Ganz perfekt fand ich den Krimi trotzdem nicht, denn es gibt ein paar zu viele „klassische“ Krimikonstrukt-elemente (das ständige Wechselspiel zwischen 2 offensichtlichen Verdächtigen), die etwas subtiler hätten sein können. Außerdem hat Linda wiederholt die Angewohnheit in jeder Situation die dümmstmögliche Entscheidung zu treffen (zum Beispiel erhält sie im Laufe des Romans wiederholt Drohungen und wird verfolgt, lässt dann aber trotzdem ständig absichtlich ihr Smartphone zuhause liegen und schleicht dann alleine an verlassenen Orten rum – die Krimivariante von dem typischen Horrorfilm-Opfer das im dunklen Haus alleine in den Keller steigt wenn es ein merkwürdiges Geräuscht hört 😉 ). Da Linda ja eine Polizistin ist, wirkt das besonders irritierend und da es immer wieder passiert, fängt es irgendwann doch etwas an zu nerven.

Mich hat der Krimi also sehr gut unterhalten, es fehlte aber beim Plot vielleicht noch etwas Raffinesse. Trotzdem ein sehr gelungenes und spannendes Debut.

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Tipp für Stephen King Fans: „Basar der bösen Träume“

„Basar der bösen Träume“ ist ein typischer umfangreicher Sammelband mit Kurzgeschichten von Stephen King. Dabei ist zu beachten, dass die meisten der Geschichten über die Jahre und Jahrzehnte hinweg schon in anderen Büchern oder Zeitschriften oder einzeln (wie die ehemalige Kindle Exklusivstory „Ur“) veröffentlicht wurden. Anscheinend ist nur eine Geschichte in dem Geschichtenband wirklich eine Neuheit. Allerdings hat mich das wenig gestört, obwohl ich quasi jedes Buch von Stephen Kind, das er jeweils veröffentlicht hat, gelesen habe. Die meisten der Geschichten, die ich schon kannte, hatte ich vermutlich vor Jahrzehnten gelesen, so dass sie fast neu auf mich wirkten, außerdem kamen mir sowieso nur grob die Hälfte der Story bekannt vor.

Die Sammlung an sich fand ich sehr gelungen, richtige Horrorfans werden vermutlich nicht auf ihre Kosten kommen, denn Monster und Gruselhorror sucht man hier mit wenigen Ausnahmen vergebens, auch Übersinnliches spielt nicht in allen Geschichten eine Rolle. Oftmals handelt es sich mehr um einen leichten psychologischen Grusel, aber auch Humor kommt nicht zu kurz und es gibt auch ein- bis zwei eher positive Stories mit „Happy End“, sowie 2 Gedichte. Ich fand wirklich fast alle Geschichten rundum gelungen und habe mich nicht gelangweilt (nicht mal bei der Baseball-Geschichte, für die sich Stephen King im Vorwort quasi noch „entschuldigt“ hat, allerdings habe ich persönlich schon immer einen Soft Spot für Baseball).

Abgerundet wird die Kurzgeschichtensammlung noch durch die Vorworte, die jede einzelne Geschichte begleiten und in denen Stephen King zu jeder Geschichte eine kleine Anekdote über die Entstehung erzählt. Ich bin ja eigentlich kein großer Fan von Vorworten, meist finde ich diese eher unnötig und langweilig, aber Stephen King ist finde ich sozusagen der Meister der Vorworte und der Einzige, der es schafft dabei nie zu langweilen, sondern einem wirklich einen kleinen Einblick in das Leben als Autor zu geben.

Für mich also eine sehr gelungene Sammlung für Stephen King Fans und Fans von Geschichten mit einem eher subtilen Grusel.

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Lesetipp: „Samy“ von Zdenka Becker

„Samy“ ist der Titelheld von Zdenka Beckers Roman, der dem Buch auch gleich den Namen gibt. Am Anfang des Buches liegt Samy im Krankenhaus, offenbar hat es eine Art Unfall gegeben, aber Samy ist kaum ansprechbar und erinnert sich an nichts. Die Psychologin Hana, die Samy privat seit Jahren kennt, weil sie mit dessen Mutter befreundet ist, versucht ihm die Ereignisse zu entlocken und einen Zugang zu ihm zu finden. Entlang dieser aktuellen Ereignisse wird die schwierige Lebensgeschichte von Samy erzählt, bis hin zu dem tragischen Ende.

Samy wächst in der damaligen Slowakei auf, seine Mutter ist Slowakin, sein Vater ein Österreicher indischer Herkunft, den seine Mutter auf einem seltenen Berlin-Besuch während eines Kongresses kennen gelernt hat und mit dem sie eine kurze aber intensive Affäre hatte. Das Ergebnis davon ist Samy, der als einziger dunkelhäutiger Junge in seiner Umgebung in der Slowakei mit so einigen Anfeindungen zu leben hat. Besonders schwer zu schaffen macht ihm sein ehemaliger Jugendfreund Harry und leider gelingt es Samy nicht über die Kränkungen der Kindheit hinweg zukommen, so dass er sich je älter er wird immer mehr in einem Strudel der Hoffnungslosigkeit und Paranoia verfängt.

Das Leben von Samy wird von früher Kindheit an erzählt, bis hin zu seinem Leben als Jugendlicher und als junger Erwachsener. Aber auch die Lebensgeschichte seiner Mutter Olga bekommt viel Raum und ich fand es besonders interessant auch Einiges über den Kommunismus und das Leben in der Slowakei der letzten Jahrzehnte zu erfahren. Man merkt, dass die slowakisch-österreichische Autorin dort auf sehr viele eigene Erfahrungen zurückgreifen kann.

Das Buch basiert anscheinend auf realen Ereignissen und manchmal merkt man das finde ich am Erzählstil, der ein bisschen wie eine Fallgeschichte daherkommt, was mich aber nicht gestört hat. Manchmal fand ich den Erzählstil allerdings etwas sperrig und ein bisschen unterkühlt, aber trotzdem sehr eindringlich.

Samys Lebensgeschichte und wie ihm sein Leben immer weiter entgleitet wird anschaulich und bewegend geschildert und viele Ereignisse des Buches lassen einen wütend und betroffen zurück, deswegen hat es mir insgesamt sehr gut gefallen.

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Krimi-Lesetipp: „Durst“ von Jo Nesbo

„Durst“ ist der neueste Thriller aus der „Harry Hole“ Reihe von Jo Nesbo, aus der ich schon einige Bücher gelesen habe. Inzwischen ist Harry Hole offiziell gar kein Polizist mehr, sondern arbeitet als Hochschuldozent und ist mit seiner Ehefrau Rakel und Stiefsohn Oleg quasi häuslich geworden.

In seiner alten Polizeidienststelle leitet die junge Polizistin Katrine Bratt die Ermittlungen und es erwartet sie ein besonders gruseliger Fall, eine junge Frau wird quasi ausgeblutet mit durchgebissener Kehle aufgefunden und es scheint als sei der Täter ein Mensch gewesen, ein Mörder der wohl Gefallen daran findet, das Blut seiner Opfer zu trinken. Zu finden scheint er die Opfer über die Dating-App Tinder…und schon bald nach dem ersten Mord gibt es ein zweites Opfer. Der ehrgeizige (und wirklich sehr unsympathische) Polizeichef Mikael Bellmann träumt indes von einer großen Karriere als Justizminister und möchte auf keinen Fall, dass ein ungelöster Mordfall seinen Aufstiegschancen im Wege steht, weswegen er um jeden Preis versucht Harry Hole wieder für die Ermittlungen zu gewinnen. Zu dem Sonderermittlungsteam kommt noch ein junger talentierter Polizist namens Anders Wyller und ein selbsternannter Professor für Vampirismus, der in der Vergangenheit für sein Forschungsfeld viel Spott einstecken musste, jetzt aber hochgefragt ist…aber grade als die Ermittlungen Fahrt aufnehmen wird auch noch Harrys Frau schwer krank…

Soweit die Prämisse des Buches, auch wenn der Hintergrund etwas reißerisch daherkommt, handelt es sich um einen intelligenten psychologischen Thriller mit interessanten Charakteren in dem viele falsche Fährten gelegt werden und so einige erwartete und unerwartete Wendungen auftauchen. Mich hat das Buch sehr gut unterhalten, auch wenn es für einen Psychothriller vielleicht nicht total innovativ ist, sondern eher ein klassischer Vertreter mit allen Zutaten, die man von so einem Thema so erwartet. Das Ende ist sehr spannend und führte bei mir durchaus dazu, dass ich das Buch die letzten 100 Seiten nicht mehr aus der Hand legen konnte, genau wie man es von einem guten Thriller erwartet. Einzige Schwäche des Buches war für mich, dass doch sehr offensichtlich einzelne Personen als „potentielle Verdächtige“ inszeniert werden und es dann nur noch darum geht, wer von ihnen tatsächlich etwas zu verbergen hat und bei wem es sich um eine falsche Fährte handelte. Für sehr erfahrene Krimileser waren diese Konstrukte doch etwas sehr offensichtlich, was dem Lesespaß aber trotzdem keinen Abbruch tat.

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Jugendbuch-Lesetipp: „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“

„Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ spielt in den 80er Jahren. Die Hauptfigur ist die 15-jährige June Elbus. June hat nicht viele Freunde und auch mit ihrer 16-jährigen Schwester Greta versteht sie sich nicht mehr so gut wie als beide kleine Kinder waren und beide unzertrennlich schienen. Im Mittelpunkt des Buches steht Junes Verhältnis zu ihrem Patenonkel Finn, einem erfolgreichen New Yorker Künstler, der allerdings an AIDS erkrankt ist.  June vergöttert ihn und verbringt sehr viel Zeit mit ihm.

Das Buch beginnt gegen Ende von Finns Krankheit, als er es sich zur Aufgabe gemacht hat ein Portrait von June und Greta zu malen, einmal wöchentlich besuchen June und Greta Finn um ihm Modell zu sitzen (wobei Greta wenig Lust dazu hat). Nach Finns unausweichlichem Tod sieht June bei seiner Beerdigung einen jungen Mann, den alle Familienmitglieder außer ihr zu kennen scheinen und auf den ihre Mutter sehr allergisch reagiert…kurze Zeit nach der Beerdigung erhält June einen Brief von Toby, dem jungen Mann, der wie es sich rausstellt Finns Lebensgefährte war. Toby möchte sie sie treffen. June kann nicht verstehen, warum sie als Einzige in der Familie anscheinend nichts von ihm wusste (obwohl allen bekannt war, dass Finn schwul ist)…

Der Rest des Buches beschäftigt sich mit der Beziehung von June und Toby, mit der schwierigen Beziehung zwischen June und Greta und deren Eltern. Dabei gibt es keine groß aufregenden Handlungsstränge, das Buch lebt von der Aufarbeitung der Gefühle der Protagonisten, erst gegen Ende entwickelt auch die Handlung etwas mehr Dramatik. Mir hat aber gerade das an dem Buch gut gefallen, man taucht ganz in Junes Gefühlswelt ein und auch Greta ist ein komplexer und widersprüchlicher Charakter, den man aber nur aus der Außensicht kennenlernt. June hat mir als Hauptcharakter sehr gut gefallen, einerseits wirkt sie intelligent und sehr reif für ihr Alter, andererseits merkt man in manchen Situationen, dass sie doch noch sehr kindlich denkt. Als zentrales Thema des Buches würde ich Eifersucht ausmachen und wie diese das Verhältnis und Handeln der verschiedenen Personen des Buches beeinflusst. Mir hat das Buch insgesamt sehr gut gefallen und auch das Thema sticht aus dem Repertoire typischer Jugendbücher heraus. Für mich ein sehr gutes Buches für jeden der gefühlvolle Jugendbücher mit eher ruhigem Erzähltempo mag.

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Lesetipp: „Mädchenmeute“ von Kirsten Fuchs

„Mädchenmeute“ von Kirsten Fuchs ist ein Jugendbuch, das mit einer interessanten Grundidee aufwartet. 7 junge Mädchen im Alter zwischen 13 und ca. 17 melden sich in den Sommerferien mehr oder weniger motiviert für ein Abenteuer-„Überlebenstraining“-Camp in der freien Natur an. Die Haupt-Protagonistin ist die 15-jährige Charlotte aus deren Sicht die Erlebnisse erzählt werden, sie ist sehr schüchern und wird schnell rot und sagt deswegen meist lieber gar nichts. Die anderen 6 Mädchen machen einen eher unkonventionellen Eindruck auf Charlotte und sind eine bunt gemischte Truppe. Noch merkwürdiger aber wirken die beiden Organisatoren des Sommer-Camps und so kommt es nach einigen merkwürdigen Begebenheiten dazu, dass die 7 Mädchen auf eigene Faust aus dem Camp flüchten und sich stattdessen im Erzgebirge für einen ganz „eigenen“ Abenteuerurlaub in einer Höhle im Wald einnisten, die eines der Mädchen aus ihrer Kindheit kennt.

Der Anfang des Buches hat mir wirklich super gefallen, die Erlebnisse rund um den Einzug in das eigentliche Camp sind super beschrieben und auch einfach unheimlich komisch und skurril. Auch Charlotte ist eine sehr sympathische Hauptfigur und der Schreibstil, der ihre kreative Gedankenwelt wiedergibt hat mir sehr gut gefallen. Trotzdem hat das Buch für mich nach dem starken Start etwas nachgelassen, denn in weiten Teilen der Mitte passiert einfach relativ wenig und auch die Geschichte am Ende ist zwar geheimnisvoll, aber dann doch irgendwie nicht soooo mitreißend, wie sie hätte sein können. Außerdem fand ich einige Charaktere des Buches sehr stark beschrieben und charakterisiert, ein bis zwei Mädchen der Gruppe bleiben aber so blass, dass ich mir kein wirkliches Bild von ihnen machen konnte (dass „Rike“ existiert vergaß ich quasi immer völlig, bis ihr Name mal wieder erwähnt wurde). Spannend hingegen fand ich das Setting im Erzgebirge und die vielen lokalkoloritischen und auch historischen Infos zu der Region, die ins Buch eingewoben wurde, denn darüber weiß man als West-Deutsche meist eher wenig.

Insgesamt fand ich das Buch unterhaltsam und nett zu lesen und es ist definitiv auch stilistisch und inhaltlich mal etwas ganz anderes, aber zu einem richtig herausragenden Buch hat mir doch ein Quentchen Spannung gefehlt.

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Lesetipp: „13 Reasons Why“ („Tote Mädchen lügen nicht“) von Jay Asher

Normalerweise passiert es sehr selten, dass ich mir zuerst die Verfilmung eines Buches anschaue und hinterher das Buch lese (schon alleine deshalb, weil die Bücher ja in der Regel zuerst erscheinen). Ich bin aber durchaus jemand, der sich gern Buchverfilmungen anguckt, ohne mich arg daran zu stören, wenn Buch und Film oder Fernsehserie inhaltlich nicht 100% gleich sind. Bei „13 Reasons Why“ war es nun so, dass ich mir zuerst die darauf basierende Netflix Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ angeschaut habe und hinterher nun auch noch das Buch lesen wollte. Die Serie hat mir dabei ausnehmend gut gefallen, ich fand sie wirklich gelungen und mitreißend.

Das Buch ist inhaltlich bis auf einige Kleinigkeiten fast gleich: der Teenager Clay bekommt eines Tages plötzlich ein Päckchen mit altmodischen Audiotapes. Als er neugierig hineinhört, hört er zu seinem Schock die Stimme seiner Mitschülerin Hannah, die sich vor einiger Zeit umgebracht hat…Hannah hat vor ihrem Selbstmord 13 Kassettenseiten aufgenommen, für 13 Personen, die aus ihrer Sicht an ihrem Selbstmord mitverantwortlich waren und diese Kassetten vor ihrem Selbstmord an den ersten dieser 13 Personen schicken lassen, mit der Botschaft die Kassetten anzuhören und dann an den nächsten auf der Liste weiterzuschicken.

Das Buch behandelt dann im Endeffekt diese 13 Kassetten, die Clay sich innerhalb kurzer Zeit anhört und wie er damit zurecht kommt. Dabei ist der gesprochene Text von Hannah kursiv gedruckt und die Gedanken von Clay sind in Normalschrift. Das fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, man kommt aber mit der Zeit immer besser damit zurecht.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, ich muss aber sagen, dass mir hier die Netflix Serie doch noch einen Ticken besser gefallen hat und ich glaube nicht, dass es nur daran liegt, dass ich diese zuerst gesehen habe (auch wenn es natürlich etwas von der Spannung nimmt). Für mich war die Serie auch deswegen etwas besser, weil sie sich mehr Zeit für die Darstellung der verschiedenen Charaktere nimmt und weil man auch mehr über diese erfährt. Bedingt durch den Aufbau des Buches erfährt man eben wirklich alles aus Hannahs Sicht, was die beteiligten Personen weniger als komplexe Menschen wirken lässt, sondern mehr als reine Akteure…Auch Clay bleibt in der Rolle des passiven Zuhörers im Buch sehr blass und eindimensional, was in der Serie überhaupt nicht der Fall war. Sehr gut gelungen fand ich dagegen auch im Buch die Art und Weise wie Hannah dargestellt ist, auch wenn sie ein „schwieriger“ Charakter ist, bei dem es trotzdem Anteilnahme an ihrem Schicksal gar nicht immer so leicht ist ihn zu mögen.

Hinweis: ich habe das Buch im englischen Original gelesen und kann deswegen nichts über die Qualität der Deutschen Übersetzung sagen.

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Lesetipp: „Das Floss der Medusa“ von Franzobel

Normalerweise lese ich eher selten bis gar nie historische Romane, „Das Floss der Medusa“ hat aber meine Aufmerksamkeit geweckt, da als Cover das gleichnamige berühmte und beeindruckende Gemälde von Jean Géricault gewählt wurde, das ich sogar schon live im Louvre gesehen habe. Da auch der Klappentext spannend klang, habe ich also mal eine Ausnahme bei meinen Lesegewohnheiten gemacht.

Der Roman beschäftigt sich mit einem tatsächlich stattgefundenem historischen Ereignis: im Jahr 1816 segelte die französische Fregatte Medusa mit ca. 400 Passagieren (darunter Militär, hochrangige Politiker, Matrosen, „normale“ Bürger mit Kindern, Missionare und Forscher…) nach Afrika, in die afrikanische Kolonie Senegal, die kürzlich von Großbritannien an Frankreich zurückgegeben wurde. Aufgrund der Inkompetenzen des unerfahrenen Kapitäns lief das Schiff auf eine Sandbank auf. Da nicht genug Rettungsboote vorhanden waren, wurden knapp 150 Menschen kurzerhand auf ein selbstgebautes Floß verfrachtet, dass von den Rettungsbooten gezogen werden sollten. Diese kappten aber schon nach kurzer Zeit die Seile, so dass das Floß 13 Tage im Meer trieb. Als es letztendlich gefunden wurde, leben von den ursprünglich 147 Personen nur noch 15  gerade so und diese hatten sich nur durch Kannibalismus am Leben halten können. Diese dramatische (und nicht sehr appetitliche) Katastrophe behandelt der Roman trotz des unschönen Themas mit viel Witz, Intelligenz und Spannung.

Die Geschichte entwickelt der österreichische Autor „Franzobel“ anhand der Einzelschicksale einiger Passagiere (von denen es die meisten – aber vermutlich nicht alle – auch tatsächlich historisch belegt gegeben hat). Das Buch startet hierbei schon am Anfang der Reise und der Autor nimmt sich Zeit die unterschiedlichen Personen und ihre Motive und Hoffnungen, die sich mit der Reise nach Afrika verbinden vorzustellen. Dabei hat der Autor einen interessanten, oft auch humorvoll ironischen Stil. Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich am Anfang, dass das Buch zwar in einer zum 19. Jahrhunderten passenden etwas altmodischen Sprache geschrieben ist, aber trotzdem aus der Distanz eines heute lebenden Erzählers erzählt wird, so benutzt der Autor zum Beispiel Vergleiche wie „er war so muskulös wie Arnold Schwarzenegger“ oder „es war ein Gewusel wie an einem Flughafen“. Diese offensichtlich absichtlichen Stilbrüche wirken zuerst mal etwas merkwürdig, ich habe mich aber schnell dran gewöhnt und insgesamt hat mir der Stil des Buches hervorragend gefallen.

Die Geschichte liest sich dann auch sowohl spannend, aber auch lässt sich auch viel Zeit für Charakterentwicklung und Informationen über die politischen Zustände im Jahre 1816 als Frankreich nach den Auswirkungen der französischen Revolution noch immer völlig zerrissen ist zwischen liberalen Revolutionären und Royalisten. Auch diese Konflikte finden sich auf dem Schiff wieder und verstärken die durch die Notsituation ausbrechenden Konflikte. Das Buch ist natürlich etwas brutal, denn auch schon vor den dramatischen Ereignissen ist das Leben auf so einem Schiff nichts für empfindliche Personen…wer sich davon nicht abschreckend lässt wird mit einem Buch belohnt, das aus der Masse heraussticht.

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Lesetipp: „Arschlochpferd 2 – Scheiß auf den Halsring“

„Arschlochpferd 2 – Scheiß auf den Halsring“ ist der zweite Roman von Nika S. Daveron, der als „Ableger“ zu ihrem Blog und ihrer Facebook Seite „Arschlochpferd“ veröffentlicht wurde. Der Blog Arschlochpferd beschäftigt sich mit humorvollen und ironischen Beiträgen mit den Irrungen, Wirrungen und Verrücktheiten der Online- und Offline-Reiterszene.

Nachdem im ersten Band die verplante und ignorante Möchtegern-Einhorn-Reiterin im Mittelpunkt stand, hat der 2. Band eine neue Hauptdarstellerin: Dressursusi, gerade volljährig geworden, hauptberuflich Tochter, von ihren Reitkünsten überzeugt und ambitioniert die Dressurwelt zu erobern, kauft sich ihr erstes eigenes Pferd (bzw. lässt es sich von Mutti kaufen).

Das Buch begleitet Dressursusi und ihr Pferd (der zukünftige Dressurkracher mit dem klingenden Namen „Wonderful Days Mon Amour „) durch die ersten Monate ihrer Karriere als Pferdebesitzerin und Möchtegern-Dressur-Star. Da Dressursusi ähnlich wenig Ahnung von Pferden hat wie die Protagonistin von Band 1 ist dies mit einigen Unannehmlichkeiten für Reiter und vor allem Pferd verbunden. Auch die Geduld von Dressursusis Eltern, Freunden, Reitlehrern und Stallkollegen wird auf eine harte Probe gestellt.

Die Geschichte liest sich wie schon im ersten Band wie eine Mischung aus Roman und humoristischen Sachbuch, es gibt eine  Romanhandlung, die aber immer wieder durch humoristischen Sach-Einlagen aus der Pferdewelt unterbrochen sind, die teilweise auch schon vom Blog bekannt sind. Diese Einschübe wirken manchmal ein bisschen wie ein Bruch im Buch, lockern aber die Romanhandlung trotzdem nett auf. Wenn man von dem Buch nicht erwartet, dass es sich dabei um einen großartigen reinen Roman handelt, bietet das Buch sehr gelungene Unterhaltung mit einer satirischen Erzählweise, die leider wie schon in Band gar nicht so übertrieben ist, wie man es sich wünschen würde (fürs Pferd).