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Buch-Rezension: „Bungalow“ von Helene Hegemann

Nachdem ich letztes Jahr ein Buch von der Nominierungsliste des Deutschen Buchpreises gelesen habe, habe ich mir gedacht, dass das eine nette Lese-Tradition werden könnte und habe mir auch dieses Jahr wieder ein Buch davon rausgesucht. Die Wahl fiel dabei auf „Bungalow“ von Helene Hegemann, erstens weil ich das Cover mochte (ich bin überzeugte Buch-nach-Cover-Auswählerin) und zweitens weil alle anderen Büchern mir irgendwie zu abgedreht klangen und entweder in der Zukunft spielten oder in irgendeiner Fantasy-artigen Welt, worauf ich zu dem Zeitpunkt keine Lust hatte. Nun spielt zwar auch „Bungalow“ nicht wirklich in der gleichen Version Deutschlands in der wir aktuell leben, aber in einer, die auf beunruhigende Art und Weise gar nicht so anders ist, man muss sich alles das tatsächlich passiert nur ein bisschen entgleister vorstellen und schon kann man sich gut vorstellen in der gleichen Version von Deutschland zu leben wie Charlie, die Hauptperson des Buches. Sozusagen in einer apokalyptische Version der heutigen Welt, ständig liegen irgendwo tote Tiere rum, die Ozonbelastung verursacht Hausarrest, Terror und Selbstmorde häufen sich und ein Krieg bricht demnächst aus. In diesem Deutschland wohnt Charlie, in einer Stadt, die nicht explizit als Berlin erwähnt wird, aber trotzdem danach klingt.

Charlie ist 12 Jahre alt und lebt mit ihrer alkoholkranken Mutter in einer Plattenbauwohnung. Sie ist meist mit Überleben und Überlebensstrategien beschäftigt und versucht gleichzeitig vor ihren Schulkameraden und -freunden zu verbergen wie zerrüttet ihre Familienverhältnisse sind.

Neben der Hochhaus-Siedlung in der Charlie lebt, befindet sich eine ganz andere Welt, adrette Bungalows in denen eher gut situierte Menschen wohnen. Charlies Welt wird auf den Kopf gestellt als ein aus ihrer Sicht faszinierendes Ehepaar dort einzieht, Maria (egozentrische Schauspielerin) und Georg (ihr Mann in Form eines Anhängsels). Charlie ist fasziniert von den beiden und projiziert alle ihre Wünsche und Hoffnungen auf die beiden, sie beobachtet und versucht Begegnungen herbeizuführen, während ihr Alltag mit ihrer Mutter immer mehr den Bach runter geht.

Ich muss zugeben, dass ich etwas Startschwierigkeiten mit dem Buch hatte, da die ersten Kapitel wirklich etwas schwer zugänglich sind und in etwas anstrengenden und prätentiösen Schachtelsätzen geschrieben sind, so dass man den Eindruck gewinnt, es handelt sich um ein Buch, das versucht pseudo-intellektuell rüber zu kommen…das ging in den ersten paar Kapiteln so, als Maria und Georg vorgestellt werden. Sobald die Geschichte aus Sicht von Charlie erzählt wird, wird die Sprache bildgewaltig, direkt und emotional und ab da hat mich das Buch richtig gepackt und mitgerissen. Da Maria und Georg prätentiös und pseudo intellektuell sind (und für Charlie wohl kaum die Lösung sein werden, die sie sich erträumt), vermute ich da im Nachhinein ein absichtliches Stilmittel, das aber die Gefahr birgt, das viele Leser am Anfang abbrechen.

Das Buch ist natürlich düster, deprimierend und keine leichte Lektüre, aber ich fand es in weiten Teilen auch wirklich bewegend, gerade die Freundschaft zwischen Charlie und ihrem Schulkameraden Iskender fand ich wirklich sehr authentisch und auch Charlies noch sehr kindliche Gefühlswelt obwohl ihr Denken sich schon in Weiten Teilen um Sex dreht ist toll getroffen. Insgesamt hat mich das Buch deswegen doch sehr überzeugt, obwohl sich sicher Schwächen finden lassen, wenn man danach sucht. Für mich war es aber definitiv ein Buch, das zum Nachdenken anregt und mir deshalb wirklich sehr gut gefallen hat.

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Krimi-Rezension: „Escape Room“ von Chris McGeorge

Die Hauptperson in „Escape Room“ von Chris McGeorge ist Morgan Sheppard, ein bekannter Fernsehmoderator, der es als Kind zu Berühmtheit brachte als er den angeblichen Selbstmord seines Mathelehrers als Mord enttarnte und den Mörder entlarvte. Aktuell läuft es für Sheppard aber nicht mehr so gut, seine TV-Sendung ist ziemlich trashig, er hat ein Problem mit Drogen und Alkohol und führt ein ziemlich rücksichtsloses Jet Set Leben.
Im Urlaub in Paris lernt er eine attraktive Frau kennen, doch anstatt mit ihr in Paris erwacht er ohne Erinnerung daran was passiert ist in einem Hotelzimmer in London, ans Bett gefesselt und ziemlich verwirrt. Mit ihm im Zimmer noch eine Handvoll anderer Personen und im Badezimmer eine Leiche.Schnell wird klar, dass ein Unbekannter mit Sheppard ein perfides Spiel spielt. Innerhalb weniger Stunden soll er den Mörder ermitteln, nur dann werden er und seine Mitstreiter frei gelassen. Gelingt ihm das nicht, wird der Unbekannte das Hotel in die Luft sprengen.

Der Autor ist laut eigenen Angaben bzw. Klappentext ein Fan von klassischen Krimis wie z.B. von Agatha Christie und möchte diese stilistisch gerne gemischt mit modernen Elementen wiederbeleben. Ersichtlich wird dies sicher daran, dass der Roman ein ziemlich konstruiert wirkendes Szenario als Prämisse benutzt, was in altmodischen Krimis ja als Stilmittel oft vorkam (und „Der Mörder ist immer der Gärtner“), aber in modernen Krimis und Thrillern eher aus der Mode gekommen ist.
Ich fand diese Idee eigentlich sehr nett, allerdings weicht der Autor in der Umsetzung von dem „geschlossenen System“ des Hotelzimmers mit einer Reihe verdächtiger Charaktere doch wieder ab, da ein Teil der Geschichte in der Vergangenheit spielt und in Rückblenden aus der jüngeren Vergangenheit von Sheppard und den anderen Charakteren erzählt. Außerdem gibt es intensive Rückblicke in die Kindheitsgeschichte von Sheppard , diese haben mir aber gut gefallen und sind auch wichtig um die Auflösung des Romans zu verstehen. Insgesamt weicht das das Konzept halt sehr auf, so dass die eigentlichen Ermittlungsgespräche von Sheppard mit den verdächtigen Personen und auch das verschlossene Hotelzimmer im Endeffekt für die Auflösung gar nicht wirklich wichtig sind, was ich ein bisschen schade fand.
Trotzdem ist die Geschichte unterhaltsam, wenn auch vom Schreibstil keine literarische Hochleistung (2-3 Schreibfehler habe ich auch entdeckt, was für eine mäßige Lektoratsleistung spricht).
Für mich war das Buch eine nette Unterhaltung für zwischendurch von einem talentierten Autor, der in Zukunft aber sicher noch etwas Feinschliff in seine Arbeit und in seinen Schreibstil bringen kann.

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Historischer Roman: „Tyll“ von Daniel Kehlmann

Tyll“ von Daniel Kehlmann habe ich schon direkt nach dem Erscheinen auf meine „Must-Read“ Liste gesetzt. Erstens weil ich schon „Die Vermessung der Welt“ sehr gelungen fand (und das obwohl ich eigentlich nicht besonders gerne historische Romane lese) und zweitens weil ich auch die gesamte Idee des Buches wirklich spannend fand: ein Roman über Geschehnisse im 30-jährigen Krieg, die lose mit der (fiktiven) Lebensgeschichte von Till Eulenspiegel (im Buch Tyll Ulenspiegel) verknüpft ist. Das Spannende daran ja auch schon, dass ungeklärt ist ob die Figur des Till Eulenspiegels auf einer real lebenden Person basiert oder reine Fiktion ist.

Das Buch funktioniert erzählerisch auf zwei Ebenen, einerseits wird anfangs und in einigen anderen Kapiteln die Kindheit und das Leben von Tyll Ulenspiegel selbst geschildert, wobei vor allem das Schicksal seines Vaters als Hexer eine besonders eindringliches Ereignis darstellt. In anderen Kapiteln spielt Tyll eine Nebenrolle – in Form seines Berufs als Narr – im Leben verschiedener realer Personen, die eine mehr oder weniger gewichtige Rolle zu Zeiten des Dreißigjährigen Kriegs spielten. So z.B. stehen im Mittelpunkt einzelner Kapitel der „Winterkönig“ Friedrich V., seine Ehefrau Elizabeth Stuart (die Enkelin von Maria Stuart) und der Jesuit und Gelehrte Athanasius Kircher (der im Buch eine gewichtige Rolle im Schicksal des jungen Tyll Ulenspiegels einnimmt). Das Buch bedient sich dabei keiner linearen Erzählweise, sondern greift in Zeitsprüngen einzelne Episoden aus dem gesamten Zeitstrahls des dreißigjährigen Krieges heraus.

Mir hat der Roman wirklich gut gefallen und trotz des eher schweren historischen Themas lasen sich die 300 Seiten ratzfatz weg. Die Sprache ist sehr farbig, so dass man als Leser wirklich in das Leben der Figuren gezogen wird, auch wenn das ein ganz anderer Roman war und ein Jugendbuch erinnerte mich das Gefühl beim Lesen vor allem anfangs bei der Kindheitsgeschichte von Tyll etwas an „Krabat“ von Otfried Preußler (eines meiner absoluten Lieblingsbücher). Andere Kapitel sind sehr bissig und mit einem ironischen Humor versehen andere sind durchaus emotional und auch die Brutalität und Sinnlosigkeit des Krieges wird überzeugend herausgearbeitet. Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist dass man wirklich Lust bekommt sich intensiver mit dem Thema Dreißigjähriger Krieg auseinander zu setzen (die Geschichte von Friedrich V. habe ich zum Beispiel nebenher detaillierter nachgelesen). Für mich bisher eines der Lese Highlights von 2018 und mal wieder ein Beweis, dass historische Romane nicht langweilig oder kitschig sein müssen.

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Regionalkrimi mit ein paar Schwächen: „Ostseefeuer“

„Ostseefeuer“ von Eva Almstädt ist schon der 10. Band der Krimireihe rund um die Kriminalkommissarin Pia Korritki und ihr Team.
Ich glaube ich habe schon einige Bücher aus der Reihe gelesen und diese haben prinzipiell alles was ein typischer Regionalkrimi so braucht, eine typische Deutsche Region (besonders beliebt Bayern und eben die Nord- oder Ostsee), ein mehr oder weniger markantes Ermittlerteam mit ein bisschen Privatleben und einen Kriminalfall, der gut ins entsprechende Regionalkrimimilieu passt. Ein Problem des Genres ist inzwischen sicher, dass der Markt ganz schön  überladen ist und sich die Bücher alle mehr oder weniger ähneln.
Ist der Krimi wirklich gut und unterhaltsam ist das für mich aber kein Problem, leider hat mich „Ostseefeuer“ aber nicht zu 100% überzeugt. Dabei fängt die Geschichte vielversprechend an: der Pfarrer eines kleinen Dorfes an der Ostsee wird in der Sakristei erschlagen aufgefunden und keiner der Dorfbewohner kann sich erklären was passiert ist. Der Pfarrer, der etwas frischen Wind in die Gemeinde bringen wollte hatte zwar hier und da kleinere Konflikte mit den Gemeindemitgliedern ausgefochten (z.B. darüber was wichtiger ist: Jugendarbeit oder die Renovation der alten Kirche), aber keiner davon scheint wichtig genug, um zu einem Mord zu führen.

Was mir an dem Buch gut gefallen hat, ist dass das Dorfleben und die unterschiedlichen Dorfbewohner gut und schlüssig dargestellt wird und dass es viele interessante und sympathische Charaktere gibt (unsympathische natürlich auch), die fast alle das eine oder andere Geheimnis mit sich rumtragen. Auch die Hauptermittlerin Pia ist eine interessante Person (auch wenn das Thema „wie schafft es eine Kommissarin gleichzeitig ihrem Kleinkind gerecht zu werden“ inzwischen auch Tatort-bedingt ein mehr als ausgelutschtes Dauerthema darstellt).
Gestört haben mich an dem Krimi allerdings zwei Dinge. Erstens ermitteln zwar alle Polizisten weitreichend in der Gegend rum und sprechen mit unzähligen Personen, diese haben aber gefühlt alle nur vage mit dem Opfer zu tun und ein richtiges Motiv tut sich bei keinem dieser vielen Menschen schlüssig auf, so dass alles etwas wahllos wirkt und so vor sich hin plätschert.
Zudem werden viele Handlungsstränge eröffnet, aber auch irgendwie nur lieblos wieder aufgelöst. Richtige Spannung kommt dadurch nicht auf. Weitaus störender war für mich allerdings, dass ich quasi beim ersten Auftauchen des Mörders/der Mörderin anhand der Beschreibung und einiger Nebensätze wusste, dass das der Mörder/die Mörderin sein würde, was hieß dass man die restlichen 95% Prozent des Buches nur noch auf die erwartete Auflösung wartete (selbst das Motiv ließ sich eigentlich gleich einigermaßen mit erraten). Ich denke für einigermaßen versierte Krimileser ist das Erraten des Mörders keine wirkliche Herausforderung.

Insgesamt ein gut lesbarer Regionalkrimi für zwischendurch und sicher ein guter Roman für Fans der Serie, die die Reihe eher wegen der persönlichen Entwicklung der Kommissarin lesen. Als Krimi hat mich das Buch aber nur bedingt überzeugt.

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Buchtipp: „Als die Kirche den Fluss überquerte“ von Didi Drobna

„Als die Kirche den Fluss überquerte“ von Didi Drobna ist nicht nur vom Titel her ein außergewöhnliches Buch.
Ich konnte mir anhand des Klappentextes relativ wenig vorstellen was mich erwartet und ging deswegen ganz unbedarft an das Buch heran.
Hauptperson des Buches ist der ca. 20jährige Daniel, der zusammen mit seiner ebenfalls erwachsenen Schwester Laura noch bei den Eltern lebt. Am Beginn des Buches macht die Familie zum letzten Mal einen traditionellen Familienurlaub, am letzten Tag des Urlaubs trennen sich die Eltern und der Vater zieht aus. Für Daniel ist das ein Schock. Das Buch dreht sich in Folge darum, wie Daniel und der Rest seiner Familie diesen Einschnitt verkraftet und wie die Familie und damit Daniels ganzes Selbstverständnis mit der Zeit immer mehr auseinanderbricht.
Zusätzlich zu den aktuellen Ereignissen erzählt das Buch in einigen Rückblenden von Daniels und Lauras Kindheit, die Daniel ziemlich verklärt und was sicher mit dazu führt, dass er auch als Erwachsener nicht in der Lage ist damit umzugehen, dass die (sowieso nur vermeintlich) „Heile Familienwelt“ der Vergangenheit nicht mehr existiert.

Ich fand das Buch einerseits sehr beeindruckend und habe es innerhalb von 2 Zugfahrten verschlungen, es war aber für mich trotzdem nicht immer leicht mich mit Daniel als Hauptperson anzufreunden, denn er ist nicht gerade ein übermäßig sympathischer Charakter. Er nimmt sich und seine Rolle in der Familie übertrieben ernst, hat ein etwas merkwürdiges Frauenbild und neigt zu Selbstmitleid. Außerdem hat er keinen Job, scheint keine Ausbildung zu machen und hängt anfangs quasi nur zuhause rum, so dass man desöfteren das Bedürfnis hat ihn zu schütteln und ihn dazu zu bringen sein Leben in die Hand zu nehmen. Das macht es (zusammen mit einer etwas
verstörenden Obsession) ziemlich schwierig ihn zu mögen und da das Buch in der Ich-Perspektive erzählt wird, ist das durchaus etwas irritierend wenn man die Geschehnisse quasi aus dem Blickwinkel eines Erzählers betrachtet, mit dem man sich gar nicht identifizieren kann.

Trotz meiner Probleme mit der Hauptfigur hat mir das Buch insgesamt aber trotzdem sehr gut gefallen, die Entwicklung der Familie wird einfühlsam, dramatisch
und trotzdem humorvoll geschildert und mit der Zeit lernt man an Daniel auch seine positive Seiten kennen, so dass die eher traurigen Geschehnisse am Ende des Buches auch tatsächlich berühren können. Für mich eines der Bücher, die 2018 am Meisten aus dem „Mainstream“ herausgestochen sind. Übrigens hatte ich anhand des Autorennamens die ganze Zeit einen älteren männlichen Autor vor Augen und war beim Googeln recht überrascht, dass Didi Drobna eine noch recht junge weibliche Autorin ist 😉

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Jugend-Thriller: „Schattenkuss“ von Inge Löhnig

Nachdem ich zuletzt einige umfangreichere Bücher gelesen habe, war mir mal wieder nach etwas leichterer Lektüre in Form eines Krimis oder Thrillers. „Schattenkuss“ von Inge Löhnig habe ich in einer Büchertauschecke zufällig gefunden, zunächst war ich etwas skeptisch, den der Titel und auch das Cover verbreiteten doch ein bisschen potentiellen Kitsch- oder Mystery-Alarm. Allerdings war die Sorge unbegründet, denn das Buch fand ich dann wirklich unterhaltsam und gut geschrieben.

Die Sommerferien haben für die 16-jährige Lena gerade erst begonnen, da bekommt die Familie eine schlimme Nachricht: Lena’s Großmutter mütterlicherseits ist verstorben. Lena weiß nicht so richtig was sie mit der Nachricht anfangen kann, denn sie hatte kaum Kontakt zu der Großmutter, mit der sich ihre Mutter zerstritten hatte. Trotzdem begleitet sie ihre Mutter zur Haushaltsauflösung in den Heimatort der Oma nach Bayern. Auf der Fahrt dorthin erfährt sie noch eine unglaubliche Nachricht, ihre Mutter hat eine Schwester, von der sie Lena noch nie erzählt hatte und die im Alter von ca. 18 Jahren spurlos verschwand und seitdem angeblich in Spanien lebt. Außer ein paar Postkarten gab es von ihr aber keine Lebenszeichen und auch ein Privatdetektiv konnte sie nicht aufspüren.
Als Lena auch noch entdeckt, dass die verschollene Tante Ulrike ihr ziemlich ähnlich sah, wirft sie sich in deren alte Klamotten und versucht herauszufinden was damals als Ulrike verschwand eigentlich passiert ist. Aber die meisten Verwandten und Dorfbewohner blocken ziemlich ab, auch Lenas Mutter…

Der Schreibstil des Buches ist einfach, aber trotzdem flüssig und gut lesbar und mir hat gut gefallen, dass das Buch in einem ganz normalen Dorf in Bayern spielt (normalerweise spielen solche Bücher ja gerne in irgendwelchen düsteren mysteriösen Dörfern…das einzig klischeehafte am Setting ist eine alte verfallene Villa) und dass das Buch eine gelungene Mischung zwischen (nicht allzu nervenaufreibender) Krimi-/Thrillerhandlung und ganz normaler Teenie – und Familiensorgen ist. Blutrünstig ist das Ganze nicht, da es sich bei dem Buch auch um einen Thriller für Jugendliche handelt. Lena ist eine ganz sympathische Hauptperson, auch wenn sie eine merkwürdige Mischung zwischen einerseits schon recht erwachsen und andererseits in manchen Belangen extrem unvernünftig/naiv ist (für eine 16-jährige allerdings wiederum vielleicht gar nicht so unwahrscheinlich). Natürlich kommt das Buch nicht ganz ohne Klischees aus (dass der Nachbars-Sohn aussehen musste wie Robert Pattison in Twilight wär vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen 😉 ) und auch die Auflösung ist für geübte Krimileser nicht allzu schwer vorauszusehen, aber das Buch unterhält sehr gut und ist für mich für Zwischendurch wirklich eine nette Lektüre gewesen.

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Buchtipp: „Mit mir an meiner Seite“ von Lily Bailey

„Mit mir an meiner Seite“ ist ein autobiographischer Roman der britischen Autorin Lily Bailey. In dem Buch erzählt die junge Autorin von ihrem Leben mit OCD (Obsessive Compulsive Disorder, in Deutschland glaube ich unter dem Begriff Zwangsstörung bekannt), eine Krankheit an der sie schon als kleines Kind erkrankte, die aber erst im Teenageralter diagnostiziert wurde. Laut Interviews hat die Autorin (die auch als Model arbeitet) sich entschlossen ein Buch über ihr Leben zu schreiben, da sie sich oft darüber ärgert wie wenig die Menschen wirklich über diese Krankheit wissen.
Die meisten Menschen assoziieren mit einer Zwangsstörung vermutlich Menschen, die sich 100x am Tag die Hände waschen oder ständig kontrollieren ob der Herd aus ist oder denken an Fernsehserien wie „Monk“ (was sicherlich ein eher verharmlosendes Bild ergibt, da die Krankheit in der Serie primär der Unterhaltung dient).

Bei Lily Bailey manifestierte sich die Krankheit im Kindesalter zunächst in Form einer imaginären Freundin, die ihr Anweisungen gibt oder ihr Vorwürfe macht.
Lily hat ständig Angst ein schlechter Mensch zu sein, etwas falsch zu machen oder etwas zu tun, dass andere Leute an ihr abstoßend finden könnten. Als Teenager bekommt sie im Rahmen einer Scherz-Preisverleihung ihrer Jahresstufe sogar einmal einen Preis als „das Mädchen, dass sich am Häufigsten entschuldigt“.
Ihre Gedanken kreisen ständig um imaginäre Fehltritte und mit der Zeit fängt sie an Listen in ihrem Kopf zu erstellen, in denen sie kategorisiert ablegt was sie am jeweiligen Tag alles falsch gemacht hat, um alle Einträge dann später im Kopf zu analysieren und zu bewerten. Trotzdem versucht Lily im Schul- und später im Studienalltag nicht aufzufallen und schafft es teilweise sogar ziemlich beeindruckend ihre Krankheit zu verbergen, doch irgendwann kann sie einfach nicht mehr.

Das erste Drittel des Buches ist sprachlich etwas außergewöhnlich, denn Lily erzählt von ihrer Kinderzeit immer in der „Wir“-Form, da ihre imaginäre Freundin und sie völlig miteinander verwachsen sind.
Als Lily als Teenager das erste Mal Hilfe in Form einer Therapie bekommt (was später andere Probleme aufwirft), verschwindet ihre imaginäre Freundin schließlich aus ihrem Leben und ihrem Kopf, nicht so aber ihre Zwangsgedanken – und handlungen.
Diese wieder loszuwerden bleibt wohl eine Lebensaufgabe.
Im zweiten Teil des Buches erzählt Lily dann aus der Ich-Perspektive wie sie versucht ihre Krankheit in den Griff zu bekommen und trotzdem ein einigermaßen normales Leben aufzubauen.

Das Buch ist wirklich sehr unterhaltsam, berührend und auch vom Stil wirklich super geschrieben und auch trotz des  ernsten Themas durchaus nicht ohne Humor. Die „Wir“- bzw. „Ich“ Form kreiert dazu eine Nähe zu der Erzählerin, die einen wirklich miterleben lässt wie die zwanghaften Gedanken und Handlungen ihren Alltag bestimmen. Mir hat das Buch deswegen wirklich sehr gut gefallen und ich kann es jedem weiterempfehlen, der gerne autobiographische Bücher liest.

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Lesetipp: „Familie und andere Trostpreise“

Die Hauptperson des Romans „Familie und andere Trostpreise“ von Martine McDonagh ist der gerade 21 gewordene aus Großbritannien stammende Sonny Anderson. Über Sonny weiß man am Anfang des Romans nur, dass er schon eine turbulente Kindheit hinter sich hat. Er lebt aktuell mit seinem Vormund Thomas in Kalifornien, hat so einige Neurosen und eine Drogen-Vergangenheit. An seinem 21. Geburtstag erfährt Sonny, dass ihm sein verstorbener Vater ein Vermögen vererbt hat…Grund für Sonny sich auf eine Reise in seine Vergangenheit zu machen und die Hintergründe seiner turbulenten Kindheit zu erforschen. Außerdem möchte er herausfinden was eigentlich aus seiner Mutter geworden ist. Sonnys Vater war eine Art halb-krimineller Sektenguru, ein narzisstischer Gründer einer esoretischen Bewegung und Sonny hat nur verschwommene Erinnerungen an seine Kindheit, die er teilweise in einer Kommune in Südamerika verbracht hat.

Seine Reise führt ihn zu allen möglichen Leuten, die früher Kontakt zu seinen Eltern hatten und ihn als Kind kannten…da Sonny auch noch ein glühender Fan der Horror-Komödie „Shaun of the Dead“ ist, versucht er seine Reise zusätzlich noch mit einem Besuch der wichtigsten Dreh-Orte des Films zu verbinden . Die Erzählweise des Buches ist dabei nicht unbedingt so wie man es bei so einem dramatischen Inhalt vermuten würde, denn Sonny erzählt in der Ich Perspektive in einem humorvoll flapsigen und ironischen Tonfall, außerdem ist er auf den ersten Blick nicht unbedingt der größte Menschenfreund, mit seinen Neurosen und seiner eher introvertierten Art. Mir hat diese Kombination aus Drama und Komödie (heißt im Film vermutlich Dramedy) wirklich gut gefallen, da es dem Buch eine Leichtigkeit gibt, die die Geschichte sonst vielleicht etwas zu düster gemacht hätte. Außerdem wächst einem Sonny im Laufe des Buches immer mehr ans Herz, ein gelungener etwas schwieriger Hauptcharakter mit Ecken und Kanten. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die flapsige Tonfall nicht jedermanns Geschmack trifft.

Mir hat das Buch hervorragend gefallen, eine sehr gelungene Mischung aus Coming-Of-Age Story, Familiengeschichte und einem ernsthaften und erschreckenden Einblick in die Welt von Sekten. Auch die Rolle, die der Film „Shaun of the Dead“ in dem Buch gespielt hat, hat mir als Auflockerung gut gefallen und mich dran erinnert, dass ich den schon immer mal angucken wollte…

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Thriller für Jugendliche: „Mädchen, Mädchen, tot bist Du

Neulich habe ich für eine Zugreise eine „leichte“ Unterhaltung gesucht und da ich sehr gerne Bücher aus dem Bereich „Young Adult“ lese, habe ich mich in dem Bereich umgesehen. Da ich in letzter Zeit einige Coming of Age und Liebesgeschichten gelesen habe, hab ich mir diesmal ein ganz anderes (und nicht so weitverbreitetes) Genre ausgesucht: Thriller für ein jugendliches Publikum.
Generell lese ich nicht so besonders gerne Thriller und im Jugendbuchbereich habe ich eigentlich noch gar nichts aus diesem Genre ausprobiert. „Mädchen, Mädchen – Tot bist Du“ von Mel Wallis de Vries klang für mich aber ganz unterhaltsam, deswegen wollte ich der Sache mal eine Chance geben.
Die Autorin ist wohl in den Niederlanden führend in diesem Genre und sie hat auch schon einige Jugend-Thriller geschrieben, die alle eine ähnliche Titel- und Covergestaltung haben.

„Mädchen, Mädchen – Tot bist Du“ fängt damit an, dass ein junges Mädchen augenscheinlich Selbstmord begangen hat, indem sie sich aufgehängt hat…
in der Folge bekommen aber auch noch andere Mädchen anonyme Drohbriefe und schnell stellt sich heraus, dass hier wohl ein Serienkiller ein perfides Spiel mit den Mädchen treibt…Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus Sicht der Opfer erzählt, was ich ausgesprochen ungewöhnlich fand und was zuerst auch mal einen gewissen Schock-Effekt hatte.

Der Schreibstil ist locker und leicht zu lesen und bewegt sich abgesehen von der Thriller-Handlung im typischen Schulumfeld, wobei typische Probleme junger pubertierender Mädchen (Freundschaft, Jungs, Mobbing und Zickereien) im Vordergrund stehen. Nicht ganz überzeugend fand ich, dass sich die einzelnen
Charaktere doch alle sehr ähneln und man nicht immer wirklich das Gefühl hatte, eine Geschichte aus der Perspektive von unterschiedlichen jungen Mädchen erzählt zu bekommen. Da fehlt doch etwas Tiefe bei der Charakterentwicklung, die bei diesem Genre vielleicht aber auch etwas zu viel verlangt wäre (sind doch
auch im Erwachsenen-Metier Thriller doch eher selten für ihren Tiefgang in diesem Bereich bekannt).

Die Thriller Handlung fand ich auch gar nicht so unkomplex, die Geschichte ist in sich schlüssig und alle Fragen werden am Ende gut aufgelöst. Das hat mir wirklich gut gefallen. Von dem her hat mich das Buch als Urlaubslektüre gut unterhalten. Ich denke trotzdem, dass die Thriller von Mel Wallis de Vries sich vermutlich alle recht ähnlich sind und ich hätte jetzt aktuell nicht das Bedürfnis noch einen zu lesen, was aber auch daran liegt, dass ich generell nicht so gerne Thriller lese. Aber wenn man auf der Suche nach einem guten leicht lesbaren Buch aus dem Genre ist, das nicht zu reißerisch daher kommt und sich in einem typischen „Schüler-Umfeld“ bewegt, der ist mit dem Roman sicherlich sehr gut bedient.

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Young-Adult-Tipp: „Clean“ von Juno Dawson

Letzte Woche habe ich mir mit „Clean“ von Juno Dawson einen Young Adult Roman ausgesucht, der in einem etwas anderen Milieu spielt als die typischen „High School“ Geschichten, die man sonst oft liest und in denen normale Teenager „wie Du und ich“ die Hauptrolle spielen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht das 17-jährige IT-Girl Lexi Volkov aus London. Lexis Vater ist eine Art russischer Oligarch, der in Großbritannien mit einer eigenen Luxus-Hotelkette zu Ruhm und Reichtum gekommen ist.
Lexi und ihr Bruder Nikolai führen entsprechend ein ziemliches Luxusleben, sie leben meist in einem der Hotels ihres Vaters, gehen auf Parties und Rote Teppiche, umgeben sich mit anderen Sternchen und haben quasi alles das man sich vorstellen kann (der Gedanke an eine Art Britische Version der Hilton Schwestern drängt sich auf).

Trotzdem läuft im Leben von Lexi gerade nichts wirklich rund, denn am Anfang des Buches wird sie gerade von ihrem Bruder in einer Luxus-Entzugsklinik auf einer abgelegenen Insel im wahrsten Sinne des Wortes abgeladen, nachdem sie nach einer Party mit ihrem älteren Freund Kurt fast an einer Überdosis Heroin gestorben wäre. Lexi ist anfangs allerdings der Meinung keineswegs ein ernsthaftes Drogenproblem zu haben und wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Einweisung…doch ihr Bruder bleibt hart.

Soweit die Prämisse des Buches. Die einzelnen Kapitel sind im Stil eines 12-Punkte-Programms für Abhängige aufgebaut und thematisieren als Kapitelüberschrift jeweils ein Ziel aus einem typischen 12-Punkte Programm. Die ersten Kapitel behandeln Lexis körperlichen Entzug und ihre ersten Begegnungen mit den anderen „Klienten“ der Klinik, die alle aus eher reichem Haus stammen und auf irgendeine Art und Weise unter einer Suche leiden. Die späteren Kapitel beschäftigen sich eher mit Lexis Entwicklung und ihrer Beziehung zu ihrer Familie und den anderen Patienten, mit ihrer Vergangenheit, ihrer toxischen Beziehung zu Kurt und damit wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass sie mit einem ernsthaften Drogenproblem in der Klinik landete.

Ich war mir nach Ansicht von Cover und Klappentext nicht ganz sicher wie gut mir das Buch gefallen würde, da es doch ein bisschen so aussah als könnte es sich dabei um so eine Art Luxus-Seifenoper-Geschichte (im Stile von amerikanischen TV-Soap-Operas) handeln, die potentiell kitschig sein könnte.
Allerdings wurde ich dann mehr als positiv überrascht. Lexi ist trotz ihrer Schwierigkeiten und Privilegien doch eine überwiegend sympathische Hauptfigur, die ihre Geschichte mit viel Ironie und Witz in der Ich-Perspektive erzählt. Und das Buch findet einen guten Mittelweg darin wirklich ernsthafte Themen zu behandeln und trotzdem einen hohen Unterhaltungswert und viel Lockerheit und Leichtigkeit zu besitzen. Auch der Schreibstil ist durchweg mitreissend und auf einem hohen Niveau.
Natürlich darf auch die für einen Young Adult Roman obligatorische Liebesgeschichte nicht fehlen, die aber nicht zu sehr dominiert und auch durchaus gut zur Handlung passt.

Es gab einige wenige Stellen, die ich trotzdem etwas zu kitschig fand, so gibt es zum Beispiel auf der Insel auch einen Pferdestall für die Patienten und klischeehafterweise trifft Lexi dort auf einen verwilderten großes schwarzen Wallach namens Storm (kicher), der sich nicht zähmen lässt, woraufhin sie natürlich die Sache in die Hand nimmt und eine besondere Beziehung zu ihm aufbaut und so weiter und so fort, …was definitiv zu Wendy/Ostwind-mäßig rüberkam und auch gar nicht so recht zum Rest des Buches passen wollte (zumal einige Dinge erfahrenen Pferdeleute fachlich irritieren werden, so ist der gute Storm ein hoffnungsloser Fall, weil er „schon“ 3 Jahre alt ist und immer noch nicht geritten werden kann). Das wirft wirklich die Frage auf, warum es keine Autoren von Teenie Romanen gibt, die es schaffen über Pferde zu schreiben ohne völlig verkitscht und unrealistisch zu werden (die letzten guten Jugendromane in denen Pferde einigermaßen realistisch dargestellt werden stammen vermutlich noch aus den 80ern wie z.B. „Britta und ihre Pferde“ oder „Bille und Zottel“), weswegen man als Reiter bei Pferdebüchern und -filmen eigentlich immer nur schreiend die Flucht ergreifen kann. Da das Pferdethema im Buch allerdings nur ca. 5% der Zeit überhaupt vorkommt, kann man über diese Kleinigkeit gut hinwegsehen.

Davon mal abgesehen fand ich das Buch wirklich sehr gut und sehr kurzweilig und unterhaltsam. Vom Schreibstil ist es definitiv auch für Erwachsene gut geeignet.