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Lesetipp: „Mädchenmeute“ von Kirsten Fuchs

„Mädchenmeute“ von Kirsten Fuchs ist ein Jugendbuch, das mit einer interessanten Grundidee aufwartet. 7 junge Mädchen im Alter zwischen 13 und ca. 17 melden sich in den Sommerferien mehr oder weniger motiviert für ein Abenteuer-„Überlebenstraining“-Camp in der freien Natur an. Die Haupt-Protagonistin ist die 15-jährige Charlotte aus deren Sicht die Erlebnisse erzählt werden, sie ist sehr schüchern und wird schnell rot und sagt deswegen meist lieber gar nichts. Die anderen 6 Mädchen machen einen eher unkonventionellen Eindruck auf Charlotte und sind eine bunt gemischte Truppe. Noch merkwürdiger aber wirken die beiden Organisatoren des Sommer-Camps und so kommt es nach einigen merkwürdigen Begebenheiten dazu, dass die 7 Mädchen auf eigene Faust aus dem Camp flüchten und sich stattdessen im Erzgebirge für einen ganz „eigenen“ Abenteuerurlaub in einer Höhle im Wald einnisten, die eines der Mädchen aus ihrer Kindheit kennt.

Der Anfang des Buches hat mir wirklich super gefallen, die Erlebnisse rund um den Einzug in das eigentliche Camp sind super beschrieben und auch einfach unheimlich komisch und skurril. Auch Charlotte ist eine sehr sympathische Hauptfigur und der Schreibstil, der ihre kreative Gedankenwelt wiedergibt hat mir sehr gut gefallen. Trotzdem hat das Buch für mich nach dem starken Start etwas nachgelassen, denn in weiten Teilen der Mitte passiert einfach relativ wenig und auch die Geschichte am Ende ist zwar geheimnisvoll, aber dann doch irgendwie nicht soooo mitreißend, wie sie hätte sein können. Außerdem fand ich einige Charaktere des Buches sehr stark beschrieben und charakterisiert, ein bis zwei Mädchen der Gruppe bleiben aber so blass, dass ich mir kein wirkliches Bild von ihnen machen konnte (dass „Rike“ existiert vergaß ich quasi immer völlig, bis ihr Name mal wieder erwähnt wurde). Spannend hingegen fand ich das Setting im Erzgebirge und die vielen lokalkoloritischen und auch historischen Infos zu der Region, die ins Buch eingewoben wurde, denn darüber weiß man als West-Deutsche meist eher wenig.

Insgesamt fand ich das Buch unterhaltsam und nett zu lesen und es ist definitiv auch stilistisch und inhaltlich mal etwas ganz anderes, aber zu einem richtig herausragenden Buch hat mir doch ein Quentchen Spannung gefehlt.

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Lesetipp für ein Jugendbuch: „Ikarus fliegt“ von Sally Christie

„Ikarus fliegt“ von Sally Christie ist ein Jugendbuch für Jugendliche im Alter von 12 – 15 Jahren. Die Hauptrolle in dem Buch spielt Alex Meadows, ein Junge dessen hervorstechendste Charaktereigenschaften am Anfang des Buches wohl Vorsicht und maximaler Opportunismus sind, denn Alex hat vor nichts mehr Angst als davor in der Mittelschule negativ aufzufallen, oder überhaupt aufzufallen. Zu viel Angst hat er vor der Clique von Alan, einem Jungen der alle anderen herumschubst. Alex‘ neuer Nachbar (von den anderen Schülern nur Bogsy genannt) hat es gleich am Anfang seiner Schulkarriere geschafft bei Alan in Ungnade zu fallen und wird deswegen von Alan gepiesackt und von allen anderen Schülern gemieden. Auch Alex versucht sich deswegen so gut es geht von ihm fernzuhalten, was so weit geht, dass er sogar peinlichst darauf achtet nicht gleichzeitig mit Bogsy in den Bus ein- und auszusteigen, obwohl sie an der gleichen Haltestelle einsteigen.

Doch dann kommt Unruhe in die Klassengemeinschaft, alle Schüler erhalten plötzlich kleine Geheimbotschaften, die darauf hinweisen, dass bald ein Junge fliegen wird, wie Ikarus, der gerade im Unterricht behandelt wird? Was genau mit den Botschaften gemeint ist und von wem sie stammen ist unklar, aber als Alex zufällig etwas darüber herausfindet, muss er seine geliebte Deckung Stück für Stück aufgeben.

Mir hat das Buch insgesamt gut gefallen, wobei ich finde, dass es etwas langsam in Fahrt kommt und in der ersten Hälfte ein paar Längen hat. Die zweite Hälfte fand ich dann aber sehr spannend. Alex ist als Hauptcharakter zuerst relativ schwer zu mögen, aber ich denke sein Verhalten ist durchaus typisch und nachvollziehbar. Was mir auch gut gefallen hat, ist dass er sich seiner Charaktereigenschaften durchaus bewußt ist (so nimmt er z.B. wahr, dass sein kleiner Bruder Timmy viel mutiger und offener ist als er selbst) und dass er sich im Verlauf des Buches zwar weiterentwickelt, aber er bleibt mehr oder weniger ein „Held“ wider Willen und wird nicht plötzlich zu einem mutigen „Superhelden“, der es mit allen aufnimmt, was in solchen Geschichten ja gerne mal der Fall ist. Im Sinn dieser Charakterentwicklung finde ich das Buch sehr realistisch. Die Handlung an sich ist vielleicht nicht 100% glaubwürdig, denn im echten Leben würden sich zumindest die Erwachsenen (hoffentlich) etwas anders verhalten, aber darüber kann man in einem Roman denke ich mal hinweg sehen.

Insgesamt ein gutes Buch zum Thema Zivilcourage und Freundschaft mit einer Handlung, die aus der Masse herausragt. Vom Stil ist es wohl eher für Kinder und Jugendliche geeignet, die auch schon eher die ruhigen Töne schätzen können.

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Literarischer Jahresanfang 2017

Dieses Jahr habe ich literarisch mal wieder mit einem Krimi und einem Jugendbuch begonnen, beides von Deutschen Autoren:

Nele Neuhaus – Im Wald (Genre: Krimi)

Nadine Gersberg – Run Boy. Run Girl. (Genre: Jugendbuch)

„Run Boy Run Girl“ ist ein Jugendbuch, das sich gleich einige durchaus anspruchsvolle Themen vornimmt. So ist die Hauptperson, der 15-jährige Ben, vor kurzem schwer erkrankt, möchte aber trotzdem sein neues Lieblingshobby, die Sportart „Parcours“ nicht aufgeben und versucht mit allen Mitteln sich selbst und seinen Körper davon zu überzeugend, dass es ihm gut genug dafür geht.

Beim Parcours lernt er auch die andere Hauptperson des Buches kennen, die Türkin „Bahar“, zugleich kleine Schwester seines Trainers und leidenschaftliche Fußballspielerin. Das Kennenlernen zwischen den beiden ist durch Missverständnisse und Zickereien geprägt, aber trotzdem bahnt sich im Laufe des Buches eine Liebesgeschichte an…

Insgesamt ist das Buch also durchaus ein typischer Vertreter aus dem „Young Adult“ Bereich, eine Liebesgeschichte, typische Teenagersorgen und durchaus ernsthafte Probleme. Im Mittelpunkt steht hierbei wie Ben mit seiner Erkrankung umgeht und Bahars Schwierigkeiten als junge Deutsch-Türkin in Deutschland zurecht zu kommen. Die Themen werden finde ich sehr authentisch und glaubwürdig dargestellt, ohne dass es aufgesetzt oder konstruiert wirkt. Lediglich ein paar arg viele „Zufälle“ gibt es in dem Buch.

Der Schreibstil (die Story wird abwechselnd aus Sicht von Bahar und Ben erzählt) hat mir dabei gut gefallen, locker und leicht und sehr gut lesbar. Auch hat mir sehr gefallen wie die Charaktere herausgearbeitet sind, Ben, eher ruhig und nachdenklich, aber voller Biss was seine Ziele angeht. Bahar eher eine Rebellin, die oft aneckt und schnell konfrontativ wird.

Mir hat das Buch gut gefallen, man kann es auch als Erwachsener gut lesen und dadurch, dass es einen weiblichen und einen männlichen Hauptcharakter hat, kann es denke ich sowohl für männliche als auch weibliche junge Leser interessant sein.

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Lesend in den Oktober: Buchrezensionen Oktober 2016

Im Oktober habe ich auf der Buchplattform Lovelybooks ein sehr interessantes Jugendbuch zu einem sehr aktuellen Thema gewonnen, dass ich hier sehr gerne vorstellen möchte. Außerdem habe ich mal wieder einen guten Krimi gelesen 🙂

Benno Köpfer/Peter Mathews: Kadir, der Krieg und die Katze des Propheten (Genre: Jugendbuch)

Bei „Kadir, Der Krieg und die Katze des Propheten“ handelt es sich augenscheinlich um ein primär an Jugendliche gerichtetes Buch (empfohlenes Lesealter ist 14-16 Jahre, wobei das Buch definitiv auch für Erwachsene sehr interessant ist) über einen 16-jährigen Jungen namens Kadir, der in die Fänge von Salafisten gerät und schließlich sogar nach Syrien reist, um sich dem IS anzuschließen, also ein sehr aktuelles und auch durchaus schwieriges Thema. Erzählt wird die Geschichte primär aus der Sicht von Mark, einem Schulfreund und Fußball-Kumpel von Kadir. Die beiden kennen sich seit sie kleine Kinder sind, gingen gemeinsam zur Schule und spielten in der gleichen Jugend-Fußballmannschaft. Sie sind gute Freunde, doch in letzter Zeit hat sich Kadir zurückgezogen, spricht immer weniger mit Mark und außer beim Fußball sehen sich die beiden kaum noch. Und plötzlich ist Kadir verschwunden, er taucht zu einem wichtigen Fußball-Match nicht mehr auf. Mark versucht zusammen mit Kadirs Schwester Meral herauszufinden, was mit Kadir passiert ist und schnell kommt der Verdacht auf, Kadir habe sich radikalisiert und sei sogar nach Syrien gereist…

So weit die grundlegende Geschichte des Buches. Erzählt wird das ganze in Rückblicken, man lernt anfangs viel über Kadir und seine türkischstämmige Familie, deren normales Familienleben und wie Kadir in Richtung des Salafismus abdriftet. Gerade der Anfang kommt dabei gelegentlich etwas belehrend daher, man merkt dem Buch teilweise an, dass es kein reiner Roman ist, sondern auch aufklären und erklären soll. Vor allem in diesen Passagen fand ich das Buch nicht immer 100% überzeugend, denn man merkt an diesen Stellen oft, dass Charaktere nur im Buch vorkommen, um eine erklärende Funktion zu erfüllen oder eine bestimmte Sichtweise abzudecken (besonders auffallend fand ich das z.B. bei dem Leiter eines Jugendtreffs, einem Geistlichen in einer Moschee oder Yannick, einem Schulkamerad von Mark). An diesen Stellen wirkte das Buch deswegen auf mich etwas zu konstruiert. Ich habe in meiner Jugend auch viele Bücher gelesen, die sich mit gesellschaftskritischen Themen beschäftigten (z.B. Klassiker wie „Die Welle“, „die Wolke“ oder „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“), die aber trotzdem als literarisches Werk komplett überzeugten. Dieses Gefühl hatte ich bei diesem Buch nicht immer.

Im zweiten Teil der Geschichte wird erzählt was Kadir in Syrien erlebt, diese Teilen wirkten viel weniger konstruiert und es kam auch mehr Spannung auf und alles wirkte deutlich authentischer. Hier fand ich das Buch dann sehr stark und die Ereignisse auch sehr eindringlich. Das Buch macht einen guten Job darin zu erklären wie und warum Jugendliche dem IS verfallen, wo die Reize für Jungen wie Kadir liegen, es macht aber auch klar, dass es dafür keine einfachen Lösungen gibt, denn (vor allem labile und unsichere) Jugendliche werden für derartige extremistische Gruppen (nicht nur Salafisten, sondern auch andere extremistische Vereinigungen, ich kann mir gut vorstellen, dass z.B. rechtsextreme Gruppen sehr ähnlich agieren und auf sehr ähnliche Art und Weise für manche Jugendliche reizvoll wirken) sicherlich immer sehr anfällig sein.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, auch wenn es mich als literarisches Werk bzw. als Roman nicht zu 100% überzeugt hat. Es ist sicher auch ein gutes Buch, um es ihm Rahmen des Schulunterrichts zu lesen und zu diskutieren, generell halte ich das bei dem schwierigen Thema und der für mich doch nicht ganz 100% überzeugenden Aufbereitung bei jugendlichen Lesern sogar für besser. Am Ende des Buches gibt es noch ein kurzes Interview mit den beiden Autoren, in dem sie die Hintergründe des Buches erläutern, das hat mir dann wiederum gut gefallen.

Hjorth & Rosenfeldt: Die Menschen, die es nicht verdienen (Genre: Krimi)

„Die Menschen, die es nicht verdienen“ ist der 5. Band in der Krimireihe um den Kriminalpsychologien Sebastian Bergmann und das Team der Stockholmer Reichsmordkommission.

Diesmal wird das Team mit einem perfiden Serienmörder konfrontiert. Dieser hält sich für einen selbsternannten Wächter von Bildung und Intellekt und tötet offenbar Menschen, die auf aus seiner Sicht unberechtigte Weise durch Social Media oder Fernsehauftritte zu Erfolg und „Ruhm“ gebracht haben, zum Beispiel Stars von Reality-TV Doku Soaps, Z-Promis oder Blogger. Der Kriminalfall hat mir hierbei insgesamt sehr gut gefallen, es gibt einen interessanten und intelligenten Bösewicht, der sich mit den Ermittlern messen möchte (mich erinnerte der Täter trotz anderer inhaltlicher Ausrichtung seines Wahns etwas an Anders Breivik) und die Thematik die dahinter steckt ist durchaus sehr aktuell und glaubwürdig. Auch die Ermittlungen und die Auflösung des Kriminalfalls fand ich bis auf 1-2 kleinere Logikschwächen und unwahrscheinlicher Zufälle (die man in solchen Krimis ja fast immer hat) überzeugend.

Wie immer in dieser Reihe spielt das Privatleben und das teilweise belastete Verhältnis der Ermittler untereinander eine relativ große Rolle. Im 4. Band war mir das teilweise ein bisschen zu viel des Guten, aber jetzt im 5. Band fand ich das Verhältnis zwischen Kriminalfall und Privatproblemen ausgewogener, auch weil diesmal der Kriminalfall nicht so sehr mit dem Privatleben Sebastian Bergmanns verwoben war wie in Band 4. Trotzdem sollte man sich bei dieser Reihe bewusst sein, dass die Liebeswirrungen und Familienbeziehungen der einzelnen Ermittler einen wichtigen Teil des Geschehens bilden. Wer so etwas gar nicht mag, sollte die Finger von dieser Reihe lassen. Da die Charaktere alle sehr interessant sind (wenn auch definitiv nicht unbedingt besonders sympathisch), stört es mich persönlich nicht und es macht auch zu einem großen Teil den Charme dieser Reihe aus. Deswegen ist es auch kaum möglich einzelne Bücher aus dieser Reihe autonom zu lesen, da man Vieles nicht verstehen würde. Ich empfehle also für Neueinsteiger alle 5 Bände von Anfang an zu lesen.

Für mich ist die Reihe um Sebastian Bergmann im Moment eine der stärksten skandinavischen Krimireihen, sie ist sicherlich durch die sehr extremen und exzentrischen Charaktere außergewöhnlich, aber dafür etwas action-reicher und nicht so melancholisch wie manche andere skandinavische Erfolgskrimis.