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Jugend-Thriller: „Schattenkuss“ von Inge Löhnig

Nachdem ich zuletzt einige umfangreichere Bücher gelesen habe, war mir mal wieder nach etwas leichterer Lektüre in Form eines Krimis oder Thrillers. „Schattenkuss“ von Inge Löhnig habe ich in einer Büchertauschecke zufällig gefunden, zunächst war ich etwas skeptisch, den der Titel und auch das Cover verbreiteten doch ein bisschen potentiellen Kitsch- oder Mystery-Alarm. Allerdings war die Sorge unbegründet, denn das Buch fand ich dann wirklich unterhaltsam und gut geschrieben.

Die Sommerferien haben für die 16-jährige Lena gerade erst begonnen, da bekommt die Familie eine schlimme Nachricht: Lena’s Großmutter mütterlicherseits ist verstorben. Lena weiß nicht so richtig was sie mit der Nachricht anfangen kann, denn sie hatte kaum Kontakt zu der Großmutter, mit der sich ihre Mutter zerstritten hatte. Trotzdem begleitet sie ihre Mutter zur Haushaltsauflösung in den Heimatort der Oma nach Bayern. Auf der Fahrt dorthin erfährt sie noch eine unglaubliche Nachricht, ihre Mutter hat eine Schwester, von der sie Lena noch nie erzählt hatte und die im Alter von ca. 18 Jahren spurlos verschwand und seitdem angeblich in Spanien lebt. Außer ein paar Postkarten gab es von ihr aber keine Lebenszeichen und auch ein Privatdetektiv konnte sie nicht aufspüren.
Als Lena auch noch entdeckt, dass die verschollene Tante Ulrike ihr ziemlich ähnlich sah, wirft sie sich in deren alte Klamotten und versucht herauszufinden was damals als Ulrike verschwand eigentlich passiert ist. Aber die meisten Verwandten und Dorfbewohner blocken ziemlich ab, auch Lenas Mutter…

Der Schreibstil des Buches ist einfach, aber trotzdem flüssig und gut lesbar und mir hat gut gefallen, dass das Buch in einem ganz normalen Dorf in Bayern spielt (normalerweise spielen solche Bücher ja gerne in irgendwelchen düsteren mysteriösen Dörfern…das einzig klischeehafte am Setting ist eine alte verfallene Villa) und dass das Buch eine gelungene Mischung zwischen (nicht allzu nervenaufreibender) Krimi-/Thrillerhandlung und ganz normaler Teenie – und Familiensorgen ist. Blutrünstig ist das Ganze nicht, da es sich bei dem Buch auch um einen Thriller für Jugendliche handelt. Lena ist eine ganz sympathische Hauptperson, auch wenn sie eine merkwürdige Mischung zwischen einerseits schon recht erwachsen und andererseits in manchen Belangen extrem unvernünftig/naiv ist (für eine 16-jährige allerdings wiederum vielleicht gar nicht so unwahrscheinlich). Natürlich kommt das Buch nicht ganz ohne Klischees aus (dass der Nachbars-Sohn aussehen musste wie Robert Pattison in Twilight wär vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen 😉 ) und auch die Auflösung ist für geübte Krimileser nicht allzu schwer vorauszusehen, aber das Buch unterhält sehr gut und ist für mich für Zwischendurch wirklich eine nette Lektüre gewesen.

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Buchtipp: „Mit mir an meiner Seite“ von Lily Bailey

„Mit mir an meiner Seite“ ist ein autobiographischer Roman der britischen Autorin Lily Bailey. In dem Buch erzählt die junge Autorin von ihrem Leben mit OCD (Obsessive Compulsive Disorder, in Deutschland glaube ich unter dem Begriff Zwangsstörung bekannt), eine Krankheit an der sie schon als kleines Kind erkrankte, die aber erst im Teenageralter diagnostiziert wurde. Laut Interviews hat die Autorin (die auch als Model arbeitet) sich entschlossen ein Buch über ihr Leben zu schreiben, da sie sich oft darüber ärgert wie wenig die Menschen wirklich über diese Krankheit wissen.
Die meisten Menschen assoziieren mit einer Zwangsstörung vermutlich Menschen, die sich 100x am Tag die Hände waschen oder ständig kontrollieren ob der Herd aus ist oder denken an Fernsehserien wie „Monk“ (was sicherlich ein eher verharmlosendes Bild ergibt, da die Krankheit in der Serie primär der Unterhaltung dient).

Bei Lily Bailey manifestierte sich die Krankheit im Kindesalter zunächst in Form einer imaginären Freundin, die ihr Anweisungen gibt oder ihr Vorwürfe macht.
Lily hat ständig Angst ein schlechter Mensch zu sein, etwas falsch zu machen oder etwas zu tun, dass andere Leute an ihr abstoßend finden könnten. Als Teenager bekommt sie im Rahmen einer Scherz-Preisverleihung ihrer Jahresstufe sogar einmal einen Preis als „das Mädchen, dass sich am Häufigsten entschuldigt“.
Ihre Gedanken kreisen ständig um imaginäre Fehltritte und mit der Zeit fängt sie an Listen in ihrem Kopf zu erstellen, in denen sie kategorisiert ablegt was sie am jeweiligen Tag alles falsch gemacht hat, um alle Einträge dann später im Kopf zu analysieren und zu bewerten. Trotzdem versucht Lily im Schul- und später im Studienalltag nicht aufzufallen und schafft es teilweise sogar ziemlich beeindruckend ihre Krankheit zu verbergen, doch irgendwann kann sie einfach nicht mehr.

Das erste Drittel des Buches ist sprachlich etwas außergewöhnlich, denn Lily erzählt von ihrer Kinderzeit immer in der „Wir“-Form, da ihre imaginäre Freundin und sie völlig miteinander verwachsen sind.
Als Lily als Teenager das erste Mal Hilfe in Form einer Therapie bekommt (was später andere Probleme aufwirft), verschwindet ihre imaginäre Freundin schließlich aus ihrem Leben und ihrem Kopf, nicht so aber ihre Zwangsgedanken – und handlungen.
Diese wieder loszuwerden bleibt wohl eine Lebensaufgabe.
Im zweiten Teil des Buches erzählt Lily dann aus der Ich-Perspektive wie sie versucht ihre Krankheit in den Griff zu bekommen und trotzdem ein einigermaßen normales Leben aufzubauen.

Das Buch ist wirklich sehr unterhaltsam, berührend und auch vom Stil wirklich super geschrieben und auch trotz des  ernsten Themas durchaus nicht ohne Humor. Die „Wir“- bzw. „Ich“ Form kreiert dazu eine Nähe zu der Erzählerin, die einen wirklich miterleben lässt wie die zwanghaften Gedanken und Handlungen ihren Alltag bestimmen. Mir hat das Buch deswegen wirklich sehr gut gefallen und ich kann es jedem weiterempfehlen, der gerne autobiographische Bücher liest.

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Buch-Rezension: „Anna“ von Niccolò Ammaniti

Bei „Anna“ von Niccolò Ammaniti handelt es sich um ein weiteres Exemplar des sehr beliebten Themas „Dystopie“ (warum die Menschen so gerne Bücher über die eine oder andere Form des Weltuntergangs schreiben und lesen ist sicher eine psychologisch hochinteressante Frage 😀 ).
In diesem Genre hervorzustechen gelingt sicher gar nicht so einfach, der Roman „Anna“ wurde in einem Artikel den ich gerade las sogar mit Cormac McCarthys „Die Straße“ verglichen (den ich tatsächlich auch gelesen habe). Ob der Vergleich angemessen ist, mag ich nicht zu sagen, beide Bücher sind auf jeden Fall außergewöhnlich, der Stil von McCarthy aber spröder und weniger verspielt.

Die Handlung von „Anna“ spielt auf Sizilien, 4 Jahre nachdem auf der ganzen Welt eine Epidemie einer sogannten „roten Seuche“ ausgebrochen ist an der alle Menschen innerhalb von wenigen Monaten starben. Ausbrechen tut die Krankheit aber erst bei Menschen, die die Pubertät erreicht haben, Kinder bleiben bis zu einem Alter von ca. 14 Jahren gesund…dementsprechend ist 4 Jahre nach erstmaligem Ausbruch von der Welt wie wir sie kennen nicht mehr viel übrig, es gibt keinen Strom, kein fließendes Wasser mehr, alles ist verfallen und geplündert, …aber ausgestorben ist die Welt noch nicht, denn es leben noch Kinder und Tiere, mehr schlecht als recht. In dieser feindlichen Welt lebt auch Anna (ca. 12 oder 13 Jahre alt), zusammen mit ihrem kleinen Bruder Astor, der erst 6 Jahre alt ist. Bevor sie starb hat ihre Mutter ihre ein Buch mit Anweisungen zum Überleben geschrieben, an das Anna sich bisher so gut es geht gehalten hat. Die beiden Kinder leben immer noch im ehemaligen Haus der Mutter. Anna geht tagsüber auf Streifzüge um irgendetwas Essbares aufzutreiben. Ihren Bruder hält sie mit Horrorgeschichten über die Außenwelt dazu an, im Haus zu bleiben. Doch es wird immer schwieriger zu überleben, denn der Kampf um Ressourcen wird immer knapper…

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, obwohl es naturgemäß sehr düster ist und nichts für schwache Nerven. Was es von anderen Dystopien unterscheidet ist, dass die Beschreibungen der Ereignisse und der Welt für mich deutlich realistischer wirken als in vielen anderen Büchern, in denen nach einer Katastrophe die Welt oft eine Art Fantasy-mäßige Unwirklichkeit annimmt, in der gar nichts mehr von der vorherigen Welt übrig bleibt…das ist bei „Anna“ nicht so, erstens wird die Geschichte teils in Rückblenden erzählt, so dass man auch Einiges über die Geschehnisse vor Ausbruch der Seuche erfährt, außerdem erinnern auch später noch einzelne Dinge und Alltagsgegenstände an früher, denn so lange ist der Ausbruch der Seuche ja noch gar nicht her. Das macht das Buch für mich irgendwie realistischer, deswegen aber teilweise auch Verstörender. Es ist auf jeden Fall ein besonderes Leseerlebnis, wegen der hoffnungslosen Ausgangssituation aber natürlich auch nicht grade ein Buch das man lesen sollte, wenn man aufmunternde Unterhaltung haben möchte (dann würde man sich das Buch aber wohl schon nach dem Klappentext natürlich nicht raussuchen). Mich hat das Buch überzeugt und es ist definitiv ein Buch, das auch im Genre Dystopie aus der Masse definitiv heraussticht.

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Buchtipp: „Familiensilber“ von Sabine Friedrich

In „Familiensilber“ dreht sich auf den ersten Blick alles um die geplante Familienfeier zur Silbernen Hochzeit von Barbara und Gernot, einem Ehepaar das in der bayerischen Kleinstadt Neuenburg lebt. Der Roman spielt innerhalb von nur wenigen Tagen, er beginnt kurz vor der Familienfeier und endet am Tag danach. Barbara hat eine weitverzweigte Familie, die viele gemeinsame Erinnerungen verbindet, Gernot hingegen hat nur noch wenige Verwandte mit denen er zudem zerstritten ist. Ein Traumpaar sind Barbara und Gernot keineswegs, so dass deren Tochter Sarah schon im Vorfeld der Familienfeier an ihrer jahrelang kultivierten Rolle als „Diplomatin“ fast verzweifelt. Mehr oder wenig verzweifelt sind auch noch andere Mitglieder der Großfamilie und in den Kapiteln die zur Familienfeier hinleiten, lernen wir fast alle in episodenhaften Ausschnitten näher kennen.

So sind dort z.B. auch Marianne und Walter, zwei der wenigen Verwandten von Gernot, die auf Marbella in einer abgeschiedenen Luxus-Enklave leben und mehr oder wenig erfolgreich versuchen nichts von der (das schöne Leben doch empfindlich störenden) Flüchtlingskrise an den Küsten Afrikas und Spaniens mitzubekommen. Oder Marie, Barbaras Mutter, die immer noch versucht sich an ihre neue Rolle als Witwe zu gewöhnen. Eine Schwierigkeit des Buches ist sicher die Fülle an Charaktere, die beschrieben werden, da ist es nicht ganz einfach den Überblick zu behalten, wozu es aber am Ende des Buches einen ausführlichen Stammbaum gibt (den man auch gerne in Anspruch nimmt). Mir hat die sprunghafte Erzählweise aber wirklich gut gefallen.
Wer es gerne klar strukturiert, mit einem klaren Anfang und Ende mag, für den ist das Buch vielleicht nicht das Richtige, denn im Prinzip bietet es einen kurzen Einblick in eine weitverzweigte Großfamilie, deren Hoffnungen, Wünsche, Frustrationen, Alltagsprobleme und die Verarbeitung der Vergangenheit als Deutsche Kriegsflüchtlinge. Der Schreibstil ist oft ironisch, zynisch und auch etwas böse, was vielleicht auch nicht jedem liegt, mir aber ganz hervorragend gefallen hat.

Wenn man das Buch liest merkt man auch, dass sich die Gesellschaft und die beherrschenden Themen seit 2005 augenscheinlich null weiterentwickelt haben (was etwas deprimierend ist), denn die beherrschenden gesellschaftspolitischen Themen des Buches sind die Flüchtlingskrise, Migration an sich, Lobbyismus, Globalisierungsfragen und Co…wäre mir nicht beim Blättern aufgefallen, dass da als Erscheinungsdatum 2005 steht, hätte ich das Buch als aktuellen Kommentar zur Lage der Nation verstanden. Ergo für mich ein hochaktuelles Buch, das heute genauso lesenswert ist wie vor 13 Jahren.

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Krimi-Jubiläum: „“Am Abgrund lässt man gern den Vortritt“ von Jörg Maurer

Diese Jahr feierten gleich zwei bayerische Regionalkrimis ihr „10-jähriges“, das heißt der jeweils 10. Band der Krimireihe erschien: einmal die beliebte „Kluftinger“ Reihe und zweitens die Reihe von Jörg Maurer rund um Kommissar Jennerwein.

Aus diesem Grund entschieden sich die Autoren wohl ihre Jubiläumsbände lose miteinander zu verbinden, so dass Kluftinger im neuesten Jörg Maurer Krimi einen kurzen Gastauftritt hatte und genauso auch andersrum. Lustigerweise erzählen beide Romane dann jeweils die gleichen Szenen, bloß aus Sicht des jeweiligen Kommissars. Da ich den Kluftinger zuerst gelesen habe, muss ich sagen, dass ich die Sache da etwas besser umgesetzt fand. Ob das Ganze überhaupt nötig war, ist die andere Frage, mich hat es jetzt nicht gestört, aber eine inhaltliche Bereicherung für die beiden Bücher war es auch nicht wirklich.
Davon einmal abgesehen fand ich beide Jubiläums-Krimis weitgehend gelungen. In „Am Abgrund lässt man gern den Vortritt“ will Kommissar Jennerwein eigentlich grad sein Sabbatical-Jahr beginnen und ist auf dem Weg in den Urlaub nach Schweden. Doch schon auf der Zugreise gen Norden erreicht ihn ein Anruf von Ursel Grasegger (Fans der Serie werden das Bestatterehepaar Grasegger auf jeden Fall kennen, denn die beiden spielten ja schon in mehreren Jennerwein Krimis eine wichtige Rolle 😉 ). Ihr Mann Ignaz ist verschwunden und sie hat eine Drohung erhalten, dir klar macht, dass Ignaz wohl entführt wurde. Und das gerade als die beiden nach ihrer Verurteilung wegen krimineller Machenschaften zurück in ein mehr oder weniger bürgerliches Leben finden wollten.
Jennerwein bricht also seinen Urlaub ab und macht sich inoffiziell ermittelnd zusammen mit Ursel auf die Suche nach Ignaz Grasegger.
Die Idee die Graseggers ziemlich in den Mittelpunkt der Serie zu stellen hat mir ganz gut gefallen, denn die beiden sind auf jeden Fall unterhaltsame und spezielle Charaktere. Auch die Ermittlungen von Ursel und Jennerwein haben mir gut gefallen. Trotzdem bleibt der Kriminalfall durchgehend etwas wirr (und auch etwas an den Haaren herbei gezogen). So bleibt für mich insgesamt ein wie immer humorvolles und unterhaltsames Buch, das aber für mich nicht ganz zu den besten Jennerwein Krimis zählt, sondern sich eher im Mittelfeld bewegt.
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Krimitipp: „Schattenkind“ von Anne Holt

Die Handlung von „Schattenkind“ von Anne Holt beginnt in Norwegen an einem schicksalhaften Tag, nämlich am Tag an dem Anders Breivik den Terroranschlag in Oslo und das Massaker auf Utoya begeht. Die Tragödie auf die die Kriminalpsychologin Johanne Vik an diesem Tag trifft, hat aber gar nichts mit den schrecklichen Geschehnissen zu tun.
Sie wollte eigentlich nur auf die Geburtstagsfeier des 8-jährigen Sohnes ihrer alten Schulfreundin Ellen. Doch zu ihrem Schock findet sie dort stattdessen traumatisierte Eltern und ein totes Kind vor, angeblich fiel der Junge Sander von einer Trittleiter, als er versuchte die Decke im Wohnzimmer zu bemalen. Sander galt als schwieriges und lebhaftes Kind und hatte eine ADHS Diagnose, so dass die Eltern als Grund für den Unfall seinen unbändigen Bewegungsdrang anbringen.

Da quasi alle Krankenwägen und Polizisten mit dem Terroranschlag in Oslo beschäftigt sind, dauert es lange bis überhaupt ein Polizist am Ort des Geschehens auftaucht und zwar der noch sehr unsichere und unerfahrene Jungpolizist Henrik Holme.
Der macht zwar so einige Fehler und fühlt sich anfangs mit dem Fall überfordert, aber er kann sich Eindrucks nicht erwehren, dass in dem Fall etwas nicht stimmt und nimmt relativ schnell Sanders Vater Jon ins Visier. Ellen bittet verzweifelt Johanne um Hilfe, die sich aber nicht wirklich in den Fall hinein ziehen lassen möchte. Natürlich klappt das nicht wirklich und so graben Johanne und Henrik Holme unabhängig voneinander immer tiefer im Familienleben von Ellen, Jon und Sander.

Mir hat der Krimi wirklich hervorragend gefallen, Anne Holt ist sowieso immer ein Garant für hochwertige psychologische Krimis (ich kann mich nicht erinnern von ihr schon mal etwas gelesen zu haben, das ich nicht gelungen fand). Es handelt sich also nicht um einen Spannungsroman, sondern um eine intelligente Aufdeckung einer Familientragödie, die noch dazu mit einem wirklich ungewöhnlichen Ende aufwartet (das wiederum vermutlich nicht jedem gefallen dürfte). Das Verhältnis zwischen Krimihandlung und Privatleben der Ermittlerin fand ich auch gelungen. Etwas skeptisch war ich bezüglich der Vermengung der Geschichte mit dem Anschlag von Anders Breivik, diese diente aber mehr oder weniger nur als Hintergrund dafür, dass Hendrik Holme als Ermittler in Erscheinung treten konnte und macht insofern schon Sinn, da es sonst wenig glaubwürdig gewesen wäre, dass Hendrik Holme so eine tragende Rolle in den Ermittlungen spielt.

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Buchrezension: „Sleeping Beauties“ von Stephen & Owen King

„Sleeping Beauties“ ist (meines Wissens) das erste Buch, das Stephen King zusammen mit seinem Sohn Owen King geschrieben hat. Wie auch für Stephen Kings Solo-Romane typisch hat es eine epische Länge von an die 900 Seiten, ist also nichts für Leute, die es gerne kurz und knackig mögen. Obwohl das Buch übersinnliche Elemente enthält, handelt es sich keineswegs um einen Horrorroman, ich würde es am Ehesten als Fantasy Roman zur „Me too“ Debatte beschreiben 😉 (obwohl es von 2 Männern geschrieben ist, ist Feminismus, Sexismus, Patriarchat und der fortwährende Konflikt zwischen Frauen und Männern wohl das prägende Thema des Buches…dass es von 2 Männern stammt mag man merkwürdig finden, ist aus meiner Sicht aber durchaus gelungen).

Die Handlung spielt in einer Kleinstadt namens Dooling in den Appalachian Mountains (eine Gegend, die in Büchern und Filmen im Moment immer den Eindruck erweckt, als gäbe es da fast nur arme Menschen die Crack kochen und rauchen…), aber die Geschehnisse betreffen die ganze Welt. Von einem Tag auf den anderen fallen plötzlich Frauen in einen Art Dornröschen-Schlaf, sobald sie einschlafen bildet sich um ihren Körper eine Art spinnwebenartiger Kokon und die Frauen wachen nicht mehr auf. Versucht man den Kokon zu entfernen, nimmt das in der Regel kein gutes Ende für denjenigen der es versucht. Gleichzeitig mit dieser bedrohlichen Krankheit taucht in der Kleinstadt Dooling eine mysteriöse Frau auf und tötet 2 Drogendealer auf brutale Art und Weise…hat sie etwas mit den Geschehnissen zu tun?

In den ersten Tagen der Seuche, die „Aurora“ genannt wird, versuchen die Frauen die noch nicht eingeschlafen sind mit allen Mitteln (primär Drogen) wach zu bleiben, während die Männer mehr und mehr die Kontrolle über die Situation verlieren. Die drauf resultierende Geschichte beschäftigt sich dann mit fast allen gesellschaftlichen Themen, die die USA im Moment bewegen, ganz vorne dabei, Seximus und Waffen und stellt die große Frage ob eine Welt in der es nur Männer oder nur Frauen gibt, wohl überhaupt existieren könnte, besser oder schlechter oder gar wünschenswert wäre?

Mir hat der Roman gut gefallen, wobei ich mir vorstellen kann, dass jemand der einen Horrorroman oder Thriller erwartet hat, wohl enttäuscht sein könnte, denn ein Spannungsroman ist das Buch keineswegs und manchen Lesern wird er wohl auch etwas zu langatmig sein. Im Vergleich zum Schreibstil von Stephen King (alleine) finde ich den Stil etwas klarer und nüchterner und etwas weniger „jovial“, was einerseits erfrischend ist wenn man schon unzählige Stephen King Romane gelesen hat, andererseits aber etwas weniger Nähe zu den Charaktere schafft wie Stephen King das alleine irgendwie immer gelingt. Insgesamt ein gelungener Roman zu den großen gesellschaftlichen Debatten dieses Jahres (was eine Leistung ist, da ich vermute, dass der Roman schon sehr viel länger in Entstehung ist).

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Lesetipp: „Familie und andere Trostpreise“

Die Hauptperson des Romans „Familie und andere Trostpreise“ von Martine McDonagh ist der gerade 21 gewordene aus Großbritannien stammende Sonny Anderson. Über Sonny weiß man am Anfang des Romans nur, dass er schon eine turbulente Kindheit hinter sich hat. Er lebt aktuell mit seinem Vormund Thomas in Kalifornien, hat so einige Neurosen und eine Drogen-Vergangenheit. An seinem 21. Geburtstag erfährt Sonny, dass ihm sein verstorbener Vater ein Vermögen vererbt hat…Grund für Sonny sich auf eine Reise in seine Vergangenheit zu machen und die Hintergründe seiner turbulenten Kindheit zu erforschen. Außerdem möchte er herausfinden was eigentlich aus seiner Mutter geworden ist. Sonnys Vater war eine Art halb-krimineller Sektenguru, ein narzisstischer Gründer einer esoretischen Bewegung und Sonny hat nur verschwommene Erinnerungen an seine Kindheit, die er teilweise in einer Kommune in Südamerika verbracht hat.

Seine Reise führt ihn zu allen möglichen Leuten, die früher Kontakt zu seinen Eltern hatten und ihn als Kind kannten…da Sonny auch noch ein glühender Fan der Horror-Komödie „Shaun of the Dead“ ist, versucht er seine Reise zusätzlich noch mit einem Besuch der wichtigsten Dreh-Orte des Films zu verbinden . Die Erzählweise des Buches ist dabei nicht unbedingt so wie man es bei so einem dramatischen Inhalt vermuten würde, denn Sonny erzählt in der Ich Perspektive in einem humorvoll flapsigen und ironischen Tonfall, außerdem ist er auf den ersten Blick nicht unbedingt der größte Menschenfreund, mit seinen Neurosen und seiner eher introvertierten Art. Mir hat diese Kombination aus Drama und Komödie (heißt im Film vermutlich Dramedy) wirklich gut gefallen, da es dem Buch eine Leichtigkeit gibt, die die Geschichte sonst vielleicht etwas zu düster gemacht hätte. Außerdem wächst einem Sonny im Laufe des Buches immer mehr ans Herz, ein gelungener etwas schwieriger Hauptcharakter mit Ecken und Kanten. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die flapsige Tonfall nicht jedermanns Geschmack trifft.

Mir hat das Buch hervorragend gefallen, eine sehr gelungene Mischung aus Coming-Of-Age Story, Familiengeschichte und einem ernsthaften und erschreckenden Einblick in die Welt von Sekten. Auch die Rolle, die der Film „Shaun of the Dead“ in dem Buch gespielt hat, hat mir als Auflockerung gut gefallen und mich dran erinnert, dass ich den schon immer mal angucken wollte…

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Thriller für Jugendliche: „Mädchen, Mädchen, tot bist Du

Neulich habe ich für eine Zugreise eine „leichte“ Unterhaltung gesucht und da ich sehr gerne Bücher aus dem Bereich „Young Adult“ lese, habe ich mich in dem Bereich umgesehen. Da ich in letzter Zeit einige Coming of Age und Liebesgeschichten gelesen habe, hab ich mir diesmal ein ganz anderes (und nicht so weitverbreitetes) Genre ausgesucht: Thriller für ein jugendliches Publikum.
Generell lese ich nicht so besonders gerne Thriller und im Jugendbuchbereich habe ich eigentlich noch gar nichts aus diesem Genre ausprobiert. „Mädchen, Mädchen – Tot bist Du“ von Mel Wallis de Vries klang für mich aber ganz unterhaltsam, deswegen wollte ich der Sache mal eine Chance geben.
Die Autorin ist wohl in den Niederlanden führend in diesem Genre und sie hat auch schon einige Jugend-Thriller geschrieben, die alle eine ähnliche Titel- und Covergestaltung haben.

„Mädchen, Mädchen – Tot bist Du“ fängt damit an, dass ein junges Mädchen augenscheinlich Selbstmord begangen hat, indem sie sich aufgehängt hat…
in der Folge bekommen aber auch noch andere Mädchen anonyme Drohbriefe und schnell stellt sich heraus, dass hier wohl ein Serienkiller ein perfides Spiel mit den Mädchen treibt…Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus Sicht der Opfer erzählt, was ich ausgesprochen ungewöhnlich fand und was zuerst auch mal einen gewissen Schock-Effekt hatte.

Der Schreibstil ist locker und leicht zu lesen und bewegt sich abgesehen von der Thriller-Handlung im typischen Schulumfeld, wobei typische Probleme junger pubertierender Mädchen (Freundschaft, Jungs, Mobbing und Zickereien) im Vordergrund stehen. Nicht ganz überzeugend fand ich, dass sich die einzelnen
Charaktere doch alle sehr ähneln und man nicht immer wirklich das Gefühl hatte, eine Geschichte aus der Perspektive von unterschiedlichen jungen Mädchen erzählt zu bekommen. Da fehlt doch etwas Tiefe bei der Charakterentwicklung, die bei diesem Genre vielleicht aber auch etwas zu viel verlangt wäre (sind doch
auch im Erwachsenen-Metier Thriller doch eher selten für ihren Tiefgang in diesem Bereich bekannt).

Die Thriller Handlung fand ich auch gar nicht so unkomplex, die Geschichte ist in sich schlüssig und alle Fragen werden am Ende gut aufgelöst. Das hat mir wirklich gut gefallen. Von dem her hat mich das Buch als Urlaubslektüre gut unterhalten. Ich denke trotzdem, dass die Thriller von Mel Wallis de Vries sich vermutlich alle recht ähnlich sind und ich hätte jetzt aktuell nicht das Bedürfnis noch einen zu lesen, was aber auch daran liegt, dass ich generell nicht so gerne Thriller lese. Aber wenn man auf der Suche nach einem guten leicht lesbaren Buch aus dem Genre ist, das nicht zu reißerisch daher kommt und sich in einem typischen „Schüler-Umfeld“ bewegt, der ist mit dem Roman sicherlich sehr gut bedient.

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Young-Adult-Tipp: „Clean“ von Juno Dawson

Letzte Woche habe ich mir mit „Clean“ von Juno Dawson einen Young Adult Roman ausgesucht, der in einem etwas anderen Milieu spielt als die typischen „High School“ Geschichten, die man sonst oft liest und in denen normale Teenager „wie Du und ich“ die Hauptrolle spielen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht das 17-jährige IT-Girl Lexi Volkov aus London. Lexis Vater ist eine Art russischer Oligarch, der in Großbritannien mit einer eigenen Luxus-Hotelkette zu Ruhm und Reichtum gekommen ist.
Lexi und ihr Bruder Nikolai führen entsprechend ein ziemliches Luxusleben, sie leben meist in einem der Hotels ihres Vaters, gehen auf Parties und Rote Teppiche, umgeben sich mit anderen Sternchen und haben quasi alles das man sich vorstellen kann (der Gedanke an eine Art Britische Version der Hilton Schwestern drängt sich auf).

Trotzdem läuft im Leben von Lexi gerade nichts wirklich rund, denn am Anfang des Buches wird sie gerade von ihrem Bruder in einer Luxus-Entzugsklinik auf einer abgelegenen Insel im wahrsten Sinne des Wortes abgeladen, nachdem sie nach einer Party mit ihrem älteren Freund Kurt fast an einer Überdosis Heroin gestorben wäre. Lexi ist anfangs allerdings der Meinung keineswegs ein ernsthaftes Drogenproblem zu haben und wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Einweisung…doch ihr Bruder bleibt hart.

Soweit die Prämisse des Buches. Die einzelnen Kapitel sind im Stil eines 12-Punkte-Programms für Abhängige aufgebaut und thematisieren als Kapitelüberschrift jeweils ein Ziel aus einem typischen 12-Punkte Programm. Die ersten Kapitel behandeln Lexis körperlichen Entzug und ihre ersten Begegnungen mit den anderen „Klienten“ der Klinik, die alle aus eher reichem Haus stammen und auf irgendeine Art und Weise unter einer Suche leiden. Die späteren Kapitel beschäftigen sich eher mit Lexis Entwicklung und ihrer Beziehung zu ihrer Familie und den anderen Patienten, mit ihrer Vergangenheit, ihrer toxischen Beziehung zu Kurt und damit wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass sie mit einem ernsthaften Drogenproblem in der Klinik landete.

Ich war mir nach Ansicht von Cover und Klappentext nicht ganz sicher wie gut mir das Buch gefallen würde, da es doch ein bisschen so aussah als könnte es sich dabei um so eine Art Luxus-Seifenoper-Geschichte (im Stile von amerikanischen TV-Soap-Operas) handeln, die potentiell kitschig sein könnte.
Allerdings wurde ich dann mehr als positiv überrascht. Lexi ist trotz ihrer Schwierigkeiten und Privilegien doch eine überwiegend sympathische Hauptfigur, die ihre Geschichte mit viel Ironie und Witz in der Ich-Perspektive erzählt. Und das Buch findet einen guten Mittelweg darin wirklich ernsthafte Themen zu behandeln und trotzdem einen hohen Unterhaltungswert und viel Lockerheit und Leichtigkeit zu besitzen. Auch der Schreibstil ist durchweg mitreissend und auf einem hohen Niveau.
Natürlich darf auch die für einen Young Adult Roman obligatorische Liebesgeschichte nicht fehlen, die aber nicht zu sehr dominiert und auch durchaus gut zur Handlung passt.

Es gab einige wenige Stellen, die ich trotzdem etwas zu kitschig fand, so gibt es zum Beispiel auf der Insel auch einen Pferdestall für die Patienten und klischeehafterweise trifft Lexi dort auf einen verwilderten großes schwarzen Wallach namens Storm (kicher), der sich nicht zähmen lässt, woraufhin sie natürlich die Sache in die Hand nimmt und eine besondere Beziehung zu ihm aufbaut und so weiter und so fort, …was definitiv zu Wendy/Ostwind-mäßig rüberkam und auch gar nicht so recht zum Rest des Buches passen wollte (zumal einige Dinge erfahrenen Pferdeleute fachlich irritieren werden, so ist der gute Storm ein hoffnungsloser Fall, weil er „schon“ 3 Jahre alt ist und immer noch nicht geritten werden kann). Das wirft wirklich die Frage auf, warum es keine Autoren von Teenie Romanen gibt, die es schaffen über Pferde zu schreiben ohne völlig verkitscht und unrealistisch zu werden (die letzten guten Jugendromane in denen Pferde einigermaßen realistisch dargestellt werden stammen vermutlich noch aus den 80ern wie z.B. „Britta und ihre Pferde“ oder „Bille und Zottel“), weswegen man als Reiter bei Pferdebüchern und -filmen eigentlich immer nur schreiend die Flucht ergreifen kann. Da das Pferdethema im Buch allerdings nur ca. 5% der Zeit überhaupt vorkommt, kann man über diese Kleinigkeit gut hinwegsehen.

Davon mal abgesehen fand ich das Buch wirklich sehr gut und sehr kurzweilig und unterhaltsam. Vom Schreibstil ist es definitiv auch für Erwachsene gut geeignet.