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Regionalkrimi mit ein paar Schwächen: „Ostseefeuer“

„Ostseefeuer“ von Eva Almstädt ist schon der 10. Band der Krimireihe rund um die Kriminalkommissarin Pia Korritki und ihr Team.
Ich glaube ich habe schon einige Bücher aus der Reihe gelesen und diese haben prinzipiell alles was ein typischer Regionalkrimi so braucht, eine typische Deutsche Region (besonders beliebt Bayern und eben die Nord- oder Ostsee), ein mehr oder weniger markantes Ermittlerteam mit ein bisschen Privatleben und einen Kriminalfall, der gut ins entsprechende Regionalkrimimilieu passt. Ein Problem des Genres ist inzwischen sicher, dass der Markt ganz schön  überladen ist und sich die Bücher alle mehr oder weniger ähneln.
Ist der Krimi wirklich gut und unterhaltsam ist das für mich aber kein Problem, leider hat mich „Ostseefeuer“ aber nicht zu 100% überzeugt. Dabei fängt die Geschichte vielversprechend an: der Pfarrer eines kleinen Dorfes an der Ostsee wird in der Sakristei erschlagen aufgefunden und keiner der Dorfbewohner kann sich erklären was passiert ist. Der Pfarrer, der etwas frischen Wind in die Gemeinde bringen wollte hatte zwar hier und da kleinere Konflikte mit den Gemeindemitgliedern ausgefochten (z.B. darüber was wichtiger ist: Jugendarbeit oder die Renovation der alten Kirche), aber keiner davon scheint wichtig genug, um zu einem Mord zu führen.

Was mir an dem Buch gut gefallen hat, ist dass das Dorfleben und die unterschiedlichen Dorfbewohner gut und schlüssig dargestellt wird und dass es viele interessante und sympathische Charaktere gibt (unsympathische natürlich auch), die fast alle das eine oder andere Geheimnis mit sich rumtragen. Auch die Hauptermittlerin Pia ist eine interessante Person (auch wenn das Thema „wie schafft es eine Kommissarin gleichzeitig ihrem Kleinkind gerecht zu werden“ inzwischen auch Tatort-bedingt ein mehr als ausgelutschtes Dauerthema darstellt).
Gestört haben mich an dem Krimi allerdings zwei Dinge. Erstens ermitteln zwar alle Polizisten weitreichend in der Gegend rum und sprechen mit unzähligen Personen, diese haben aber gefühlt alle nur vage mit dem Opfer zu tun und ein richtiges Motiv tut sich bei keinem dieser vielen Menschen schlüssig auf, so dass alles etwas wahllos wirkt und so vor sich hin plätschert.
Zudem werden viele Handlungsstränge eröffnet, aber auch irgendwie nur lieblos wieder aufgelöst. Richtige Spannung kommt dadurch nicht auf. Weitaus störender war für mich allerdings, dass ich quasi beim ersten Auftauchen des Mörders/der Mörderin anhand der Beschreibung und einiger Nebensätze wusste, dass das der Mörder/die Mörderin sein würde, was hieß dass man die restlichen 95% Prozent des Buches nur noch auf die erwartete Auflösung wartete (selbst das Motiv ließ sich eigentlich gleich einigermaßen mit erraten). Ich denke für einigermaßen versierte Krimileser ist das Erraten des Mörders keine wirkliche Herausforderung.

Insgesamt ein gut lesbarer Regionalkrimi für zwischendurch und sicher ein guter Roman für Fans der Serie, die die Reihe eher wegen der persönlichen Entwicklung der Kommissarin lesen. Als Krimi hat mich das Buch aber nur bedingt überzeugt.

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Buchtipp: „Familiensilber“ von Sabine Friedrich

In „Familiensilber“ dreht sich auf den ersten Blick alles um die geplante Familienfeier zur Silbernen Hochzeit von Barbara und Gernot, einem Ehepaar das in der bayerischen Kleinstadt Neuenburg lebt. Der Roman spielt innerhalb von nur wenigen Tagen, er beginnt kurz vor der Familienfeier und endet am Tag danach. Barbara hat eine weitverzweigte Familie, die viele gemeinsame Erinnerungen verbindet, Gernot hingegen hat nur noch wenige Verwandte mit denen er zudem zerstritten ist. Ein Traumpaar sind Barbara und Gernot keineswegs, so dass deren Tochter Sarah schon im Vorfeld der Familienfeier an ihrer jahrelang kultivierten Rolle als „Diplomatin“ fast verzweifelt. Mehr oder wenig verzweifelt sind auch noch andere Mitglieder der Großfamilie und in den Kapiteln die zur Familienfeier hinleiten, lernen wir fast alle in episodenhaften Ausschnitten näher kennen.

So sind dort z.B. auch Marianne und Walter, zwei der wenigen Verwandten von Gernot, die auf Marbella in einer abgeschiedenen Luxus-Enklave leben und mehr oder wenig erfolgreich versuchen nichts von der (das schöne Leben doch empfindlich störenden) Flüchtlingskrise an den Küsten Afrikas und Spaniens mitzubekommen. Oder Marie, Barbaras Mutter, die immer noch versucht sich an ihre neue Rolle als Witwe zu gewöhnen. Eine Schwierigkeit des Buches ist sicher die Fülle an Charaktere, die beschrieben werden, da ist es nicht ganz einfach den Überblick zu behalten, wozu es aber am Ende des Buches einen ausführlichen Stammbaum gibt (den man auch gerne in Anspruch nimmt). Mir hat die sprunghafte Erzählweise aber wirklich gut gefallen.
Wer es gerne klar strukturiert, mit einem klaren Anfang und Ende mag, für den ist das Buch vielleicht nicht das Richtige, denn im Prinzip bietet es einen kurzen Einblick in eine weitverzweigte Großfamilie, deren Hoffnungen, Wünsche, Frustrationen, Alltagsprobleme und die Verarbeitung der Vergangenheit als Deutsche Kriegsflüchtlinge. Der Schreibstil ist oft ironisch, zynisch und auch etwas böse, was vielleicht auch nicht jedem liegt, mir aber ganz hervorragend gefallen hat.

Wenn man das Buch liest merkt man auch, dass sich die Gesellschaft und die beherrschenden Themen seit 2005 augenscheinlich null weiterentwickelt haben (was etwas deprimierend ist), denn die beherrschenden gesellschaftspolitischen Themen des Buches sind die Flüchtlingskrise, Migration an sich, Lobbyismus, Globalisierungsfragen und Co…wäre mir nicht beim Blättern aufgefallen, dass da als Erscheinungsdatum 2005 steht, hätte ich das Buch als aktuellen Kommentar zur Lage der Nation verstanden. Ergo für mich ein hochaktuelles Buch, das heute genauso lesenswert ist wie vor 13 Jahren.

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Krimi-Jubiläum: „“Am Abgrund lässt man gern den Vortritt“ von Jörg Maurer

Diese Jahr feierten gleich zwei bayerische Regionalkrimis ihr „10-jähriges“, das heißt der jeweils 10. Band der Krimireihe erschien: einmal die beliebte „Kluftinger“ Reihe und zweitens die Reihe von Jörg Maurer rund um Kommissar Jennerwein.

Aus diesem Grund entschieden sich die Autoren wohl ihre Jubiläumsbände lose miteinander zu verbinden, so dass Kluftinger im neuesten Jörg Maurer Krimi einen kurzen Gastauftritt hatte und genauso auch andersrum. Lustigerweise erzählen beide Romane dann jeweils die gleichen Szenen, bloß aus Sicht des jeweiligen Kommissars. Da ich den Kluftinger zuerst gelesen habe, muss ich sagen, dass ich die Sache da etwas besser umgesetzt fand. Ob das Ganze überhaupt nötig war, ist die andere Frage, mich hat es jetzt nicht gestört, aber eine inhaltliche Bereicherung für die beiden Bücher war es auch nicht wirklich.
Davon einmal abgesehen fand ich beide Jubiläums-Krimis weitgehend gelungen. In „Am Abgrund lässt man gern den Vortritt“ will Kommissar Jennerwein eigentlich grad sein Sabbatical-Jahr beginnen und ist auf dem Weg in den Urlaub nach Schweden. Doch schon auf der Zugreise gen Norden erreicht ihn ein Anruf von Ursel Grasegger (Fans der Serie werden das Bestatterehepaar Grasegger auf jeden Fall kennen, denn die beiden spielten ja schon in mehreren Jennerwein Krimis eine wichtige Rolle 😉 ). Ihr Mann Ignaz ist verschwunden und sie hat eine Drohung erhalten, dir klar macht, dass Ignaz wohl entführt wurde. Und das gerade als die beiden nach ihrer Verurteilung wegen krimineller Machenschaften zurück in ein mehr oder weniger bürgerliches Leben finden wollten.
Jennerwein bricht also seinen Urlaub ab und macht sich inoffiziell ermittelnd zusammen mit Ursel auf die Suche nach Ignaz Grasegger.
Die Idee die Graseggers ziemlich in den Mittelpunkt der Serie zu stellen hat mir ganz gut gefallen, denn die beiden sind auf jeden Fall unterhaltsame und spezielle Charaktere. Auch die Ermittlungen von Ursel und Jennerwein haben mir gut gefallen. Trotzdem bleibt der Kriminalfall durchgehend etwas wirr (und auch etwas an den Haaren herbei gezogen). So bleibt für mich insgesamt ein wie immer humorvolles und unterhaltsames Buch, das aber für mich nicht ganz zu den besten Jennerwein Krimis zählt, sondern sich eher im Mittelfeld bewegt.
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Thriller-Tipp: „Ich beobachte Dich“

Thriller lese ich inzwischen nur noch recht selten, weil in dem Genre finde ich noch mehr als bei Krimis, dass die Handlung oft nach „Schema F“ abläuft.
Außerdem mag ich es nicht, wenn diese zu reißerisch oder blutrünstig sind.
Von Chevy Stevens hatte ich aber schon 1-2 Bücher gelesen und ihr Schreibstil und ihre eher psychologischen Thriller haben mir überdurchschnittlich gut gefallen, weswegen ich auch zu „Ich beobachte Dich“ gegriffen habe.

Die Hauptpersonen in dem Roman sind Lindsey und ihre Tochter Sophie. Lindsey war früher in einer missbräuchlichen Ehe mit dem eifersüchtigen und zu Gewalt neigendem Andrew gefangen, der ihr in den Jahren nach der Hochzeit das Leben zur Hölle machte.
Nach einigen Jahren schaffte sie es endlich ihrer Ehehölle zu entfliehen, Andrew tötete bei dem Versuch sie wiederzufinden bei einem Autounfall allerdings eine Frau und saß deswegen bisher im Gefängnis. Lindsay hat sich in den Jahren seitdem in einer kleinen Stadt an der Küste Kanadas zusammen mit ihrer inzwischen 17-jährigen Tochter Sophie ein neues Leben aufgebaut. Sie führt eine kleine Putzfirma, organisiert eine Selbsthilfegruppe für Frauen, die ähnliche Probleme haben wie sie selber und hat gerade eine neue lockere Beziehung.
Sophie hingegen ist nie wirklich über den Verlust ihres Vaters hinweg gekommen, dessen negative Seiten ihre Mutter recht erfolgreich von ihr fern gehalten hatte.
Heimlich hat sie angefangen ihm Briefe ins Gefängnis zu schreiben und als er aus dem Gefängnis entlassen wird, zieht er in den gleichen Ort wie Lindsey und Sophie.
Für Lindsey ist schnell klar, dass er es immer noch auf sie abgesehen hat, Sophie hingegen ist hin und hergerissen wem sie vertrauen soll und möchte ihren Vater unbedingt kennenlernen.

Das erste Drittel des Thrillers hat mir wirklich sehr gut gefallen. Das Buch springt in dem Teil zwischen den aktuellen Geschehnissen und Rückblenden auf Lindseys Ehe hin und her. Die Geschehnisse der Vergangenheit sind eindringlich und erschreckend geschildert und auch der Spannungsaufbau in der Gegenwart ist sehr beklemmend (einmal hab ich spät abends noch in dem Buch gelesen und sogar davon geträumt). In der Mitte fand ich allerdings, dass nach einer mehr oder weniger unerwarteten Wendung die Luft aus der Story erst mal etwas raus war. Der stilistische Kniff der Autorin quasi alle Charaktere die im Buch auftauchen als mögliche Bedrohung ins Spiel zu bringen, nutzt sich mit der Zeit auch etwas ab. Die Auflösung des Buches fand ich dann leider auch etwas zu vorhersehbar, allerdings nimmt es im letzten Drittel handlungstechnisch doch noch mal richtig Fahrt auf. So richtig überraschen werden die Geschehnisse erfahrene Thriller- und Krimifans aber wohl eher nicht.

Deswegen fand ich den Thriller im Endeffekt dann nur „solide“. Es wirkt etwas als hätten der Autorin etwas die Ideen gefehlt um aus dem tollen Anfang heraus etwas wirklich Kreatives zu gestalten. Für Thrillerfans ist das Buch aber sicherlich trotzdem ein guter Kauf und vom Schreibstil sind die Bücher von Chevy Stevens sowieso immer
lesenswert. Auch das das Buch abwechselnd aus Sicht von Lindsey und Sophie erzählt wurde, hat mir gut gefallen, da man so beide Charaktere intensiv kennenlernt.

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Buchtipp: „Die Geschichte der Bienen“

„Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde ist ein Buch von dem ich im Vorfeld schon recht viel gelesen und gehört hatte.
Das Buch erzählt (in abwechselnden Kapiteln) drei verschiedene Geschichten in 3 verschiedenen Zeitebenen, die aber alle ein gemeinsames Thema haben: die Bienen und ihre Auswirkungen im Kleinen auf die Protagnisten des jeweiligen Abschnitts und auf die Menschheit im Großen.

Der erste Teil spielt im Jahr 1852. Der Biologe und Naturforscher William hat eine Sinnkrise, träumte es ihm doch am Beginn seiner Berufskarriere von dem großen Durchbruch als Forscher und von großem Ruhm und Anerkennung. Stattdessen hat er zwar eine Menge Nachkommen produziert und verdient seinen Lebensunterhalt aus seiner Sicht mehr oder weniger sinnlos als Händler…für seine Forschung blieb neben Alltag und Familie aber fast keine Zeit mehr, so dass er in eine tiefe Depression gefallen ist (zu Beginn des Besuches verlässt er nicht mal mehr das Bett). Doch dann erlebt nochmal einen kreativen Aufschwung und träumt dann als Erschaffer eines modernen Bienenstocks in die Geschichte einzugehen.

Der zweite Teil spielt 2006 in den USA: der Bienenfarmer Henry, der die jahrzehntelange Tradition seiner Familie weiterführt, hofft, dass auch sein Sohn einmal seine Farm übernehmen wird, für die seine ganze Leidenschaft schlägt. Doch der studiert stattdessen Journalismus und seine Frau würde auch lieber im Ruhestand
nach Florida ziehen als noch Jahre auf der Farm zu verbringen. Eine Horrorvorstellung für Henry. Als wäre das nicht genug, werden in den USA zunehmend mehr Bienenfarmen von einem merkwürdigen Bienen-Sterben (oder besser gesagt Bienen-Verschwinden) befallen…

Der letzte Teil spielt in der Zukunft, im Jahr 2098, in China. Die Bienen sind inzwischen komplett von der Erde verschwunden, ein Großteil der Menschen ausgestorben.
Nur China geht es noch relativ gut, denn das Land hat es rechtzeitig geschafft mit Hilfe einer großen Disziplin und kollektiven Arbeitsleistung aller auf Handbestäubung umzustellen. Der Preis dafür ist aber hart, jeder Bürger ab einem Alter von 8 Jahren muss täglich 12 Stunden im Feld und auf Bäumen arbeiten, einen freien Tag gibt es nur alle paar Monate. Für die gebildete Tao ist es eine Horrorverstellung, dass ihr 3-jähriger Sohn auch schon in wenigen Jahren in diesem Alltag landen wird und versucht deswegen ihn mit so viel Bildung zu überschütten, damit er eine Chance auf eine der wenigen anderen Karrieren im Land bekommt. Doch ihre Träume finden ein jähes Ende als es bei einem harmlosen Familienausflug an einem der wenigen freien Tag zu einem merkwürdigen Unglück kommt.

Am Anfang des Buches wirken die 3 Handlungsstränge (bis auf das Bienenthema) völlig autark, bis zum Ende des Buches wird aber schlüssig ein Bogen zwischen den 3 Geschichten gespannt, die ich aber sowieso auch alle 3 für sich alleine überzeugend fand. Dem Buch gelingt es sehr gut, die Familiengeschichten gefühlvoll in den Mittelpunkt zu rücken und aber auch das große gesellschaftspolitische Thema überzeugend damit zu verknüpfen. Einerseits geht es in dem Buch sehr viel darum was für (oft unerfüllbare) Erwartungen Eltern an ihre Kinder richten und was in der Realität daraus wird, andererseits gelingt es dem Buch ohne erhobenem Zeigefinder auf drängende Fragen der Menschheit aufmerksam zu machen. Gut gefallen hat mir auch der leise Humor in den Geschichten über William und Henry, deren etwas festgefahrene und egozentrische Sichtweisen mit Humor geschildert werden, ohne dass es respektlos rüber kommt. Diese Geschichten funktionieren deswegen (obwohl sie natürlich auch einen ernsten Grundton haben) auch gut als Auflockerung gegenüber der doch deutlich düsteren Zukunfts-Dystopie rund um Tao.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen und aus meiner Sicht hat es die vielen positiven Kritiken definitiv verdient.

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Buchrezension: „Hochdeutschland“

An dem Buch „Hochdeutschland“ von Alexander Schimmelbusch hat mich als Erstes das schöne Cover angesprochen.
Aber auch der Klappentext klingt interessant und außergewöhnlich, im Buch geht es um den Investmentbanker Victor, der beruflich schon sein ganzes Leben auf der Überholspur unterwegs ist.
Er hat sich über den typischen Karriereweg des Investmankbankers („einige Jahr tot arbeiten“) ganz nach oben gebracht und ist jetzt einer der 3 Chefs der fiktiven Birken Bank, als der er wiederum andere junge Investment Banker ausbeutet, Politiker und Firmen berät und Lobbying betreibt.
Obwohl er das Luxusleben durchaus genießt (sein Privatleben besteht weitgehend aus einer losen Affäre mit seiner Nachbarin und der Zeit die er mit seiner 6-jährigen Tochter verbringt, die er abgöttisch liebt), plagt ihn doch irgendwie auch ein schlechtes Gewissen. Victor ist praktisch neoliberaler Raubtierkapitalist, hängt aber gleichzeitig theoretisch Fantasien von fast schon kommunistischer Umverteilung an
(und träumt zudem klischeehaft vom Schreiben eines „großen Romans“).

In einem kreativen Rausch verfasst er ein politisches/gesellschaftliches Manifest (eine Art linksrechtes populistisches Wohlfühlprogramm für jeden, vielleicht am Ehesten vergleichbar mit dem Alles-Und-Nichts-Programms der 5 Sterne in Italien), das sein alter Kumpel Ali (Nachkomme eines deutschen Döner-Imperiums und desillusionierter Grünen-Politiker) sich prompt für den Bundestagswahlkampf seiner neugegründeten „Deutschland AG“ Partei unter den Nagel reisst. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten…

Als Roman ist „Hochdeutschland“ schwer einzuordnen, handelt es sich um eine Satire oder eine Gesellschaftskritik oder beides?
Das ist nicht so einfach zu sagen, allerdings hat es für mich persönlich als Roman zu wenig Handlung, es wirkt mehr wie eine Gedankenspielerei, die unterhaltsam und bissig zu lesen ist und die mich sehr gut unterhalten hat. Für eine klassischen Roman ist das Ganze stilistisch und inhaltlich für mich aber etwas zu ziellos und unausgewogen, was meinen Lesefluß zwar nicht gestört hat, aber das letzte Drittel des Buches wirkt doch etwas abgehackt und sprunghaft. Insgesamt hat mir das Buch deswegen zwar trotzdem gut gefallen, man hatte aber so ein bisschen den Eindruck, dass der Autor vielleicht selbst nicht wußte wie er seine Idee zu Ende bringen soll.
Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist, dass ich die Abschnitte, die aus Sicht von Victors 6-jähriger Tochter geschrieben sind doch etwas konstruiert und sprachlich nicht authentisch fand. Davon abgesehen hat mir das Buch aber als scharfer treffender Blick auf die heutigen weltpolitischen und gesellschaftlichen Probleme gut gefallen. Auch Victor als so ziemlich alleinig ausgearbeiteter Protagonist des Buches sowie den ironischen Humor fand ich gelungen.

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Regionalkrimi – Tipp: „Totenweg“ von Romy Fölck

„Totenweg“ ist ein Regionalkrimi, der im Norden von Deutschland spielt, konkret in der Elbmarsch bei Hamburg. Die junge Kommissar-Anwärterin Linda ist mitten in der Lernphase für ihre Prüfungen als sie einen erschreckenden Anruf von ihrer Mutter bekommt: ihr Vater wurde hinterhältig niedergeschlagen und liegt in Lebensgefahr im Krankenhaus…Linda kehrt etwas widerwillig zurück auf den Apfel-Bauernhof ihrer Eltern, um ihre Mutter zu unterstützen. Dort kommen schlimme Erinnerungen an ihre Jugend zurück, denn als sie 14 war, wurde ihre beste Freundin Marit dort in der Nähe ermordet. Der Mörder wurde nie gefunden, doch Linda trägt seitdem ein schlimmes Geheimnis mit sich herum.

Der Kommissar Bjarne Haverkorn wird ebenfalls von schlimmen Erinnerungen eingeholt, als er die Ermittlungen zu dem Überfall auf Lindas Vater aufnimmt, denn er war auch schon beim Mord an Marit der leitende Ermittler und dass er den Mörder damals nicht fassen konnte, verfolgt ihn seitdem. Er war überzeugt, dass Linda damals etwas verbarg und nimmt sich vor die Ermittlungen an dem neuen Fall zu nutzen, um einen letzten Versuch zu unternehmen auch Marits Mörder zu finden.

Der Krimi ist der erste Teil einer neuen Reihe und hat mir auch wirklich gut gefallen. Die Handlung ist spannend und sehr kurzweilig erzählt. Auch die beiden Hauptpersonen sind gut ausgearbeitet und sympathisch und das Verhältnis zwischen Privatleben und Kriminalfall ist ausgewogen (wobei sich bei Linda sowieso alles vermischt). Ganz perfekt fand ich den Krimi trotzdem nicht, denn es gibt ein paar zu viele „klassische“ Krimikonstrukt-elemente (das ständige Wechselspiel zwischen 2 offensichtlichen Verdächtigen), die etwas subtiler hätten sein können. Außerdem hat Linda wiederholt die Angewohnheit in jeder Situation die dümmstmögliche Entscheidung zu treffen (zum Beispiel erhält sie im Laufe des Romans wiederholt Drohungen und wird verfolgt, lässt dann aber trotzdem ständig absichtlich ihr Smartphone zuhause liegen und schleicht dann alleine an verlassenen Orten rum – die Krimivariante von dem typischen Horrorfilm-Opfer das im dunklen Haus alleine in den Keller steigt wenn es ein merkwürdiges Geräuscht hört 😉 ). Da Linda ja eine Polizistin ist, wirkt das besonders irritierend und da es immer wieder passiert, fängt es irgendwann doch etwas an zu nerven.

Mich hat der Krimi also sehr gut unterhalten, es fehlte aber beim Plot vielleicht noch etwas Raffinesse. Trotzdem ein sehr gelungenes und spannendes Debut.

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Lesetipp: „Dann schlaf auch Du“ – Mary Poppins in der Albtraumversion

In „Dann schlaf auch Du“ sucht das französische Paar Myriam und Paul ein Kindermädchen für ihre beide kleinen Kinder. Myriam war einige Jahre mit den Kindern zu Hause, inzwischen fällt ihr aber die Decke auf den Kopf und sie möchte wieder ihren Beruf als Anwältin nachgehen. Myriam und Paul machen sich also auf die Suche nach einem perfekten Kindermädchen und scheinen auch schon nach relativ kurzer Zeit einen echten Glückstreffer zu landen, die 50-jährige Louise wird Ihnen von deren vorherigen Arbeitgebern wärmstens empfohlen, sie macht einen zuverlässigen und fast schon perfektionistischen Eindruck und kommt gut mit den Kindern zurecht (auch mit der eher quengeligen 5-jährigen Tochter). Am Anfang wirkt auch alles fast wie im Märchen, Louise entpuppt sich als eine Art französische Mary Poppins und kümmert sich nicht nur um die Kindern, sondern gleich noch mit um den Haushalt und ums Kochen für die 4-köpfige Familie. Myriam und Paul haben zwar manchmal ein schlechtes Gewissen, die Nützlichkeit von Louise für ihren Alltag wischt aber alle anfänglichen Zweifel an Louises Über-Engagement hinweg.

Mir hat das Buch super gefallen, obwohl es sehr spannend ist, ist es eigentlich kein Thriller (das Ende wird auch schon gleich am Anfang des Buches „verraten“). sondern eine Psychostudie, die sich viel Zeit nimmt das Verhalten und das Innenleben von Louise zu beleuchten. Hier hat mir gut gefallen, dass Louise nicht wie in vielen Thrillern mit ähnlichem Thema als Psychopathin dargestellt wird, sondern dass das Buch Schritt für Schritt aufzeigt wie das Leben von Louise immer mehr auseinanderfällt, während Myriam und Paul kaum etwas davon mitbekommen, auch weil es sie im Endeffekt gar nicht wirklich interessiert. Das Buch zeigt sehr gut auf, wie Myriam und Paul quasi alles was Louise tut hinnehmen, weil ihre Leistung als Nanny ihr Leben einfach zu bequem macht, während sie alles was Ihnen nicht gefällt möglichst lange ignorieren oder schön reden.

Die Charaktere in dem Buch sind allesamt nicht unbedingt sympathisch (nicht einmal die Kinder), aber die Motive und Gefühlswelten der beteiligten Person sind immer nachvollziehbar und das Buch zeigt in beeindruckender Art und Weise wie ein Leben völlig zerfallen kann, ohne dass das Umfeld überhaupt etwas davon mitbekommt. Die Thematik ist natürlich sehr düster und sicher nicht das Richtige für jedermann, mir hat das Buch aber wirklich hervorragend gefallen.

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Krimi-Lesetipp: „Durst“ von Jo Nesbo

„Durst“ ist der neueste Thriller aus der „Harry Hole“ Reihe von Jo Nesbo, aus der ich schon einige Bücher gelesen habe. Inzwischen ist Harry Hole offiziell gar kein Polizist mehr, sondern arbeitet als Hochschuldozent und ist mit seiner Ehefrau Rakel und Stiefsohn Oleg quasi häuslich geworden.

In seiner alten Polizeidienststelle leitet die junge Polizistin Katrine Bratt die Ermittlungen und es erwartet sie ein besonders gruseliger Fall, eine junge Frau wird quasi ausgeblutet mit durchgebissener Kehle aufgefunden und es scheint als sei der Täter ein Mensch gewesen, ein Mörder der wohl Gefallen daran findet, das Blut seiner Opfer zu trinken. Zu finden scheint er die Opfer über die Dating-App Tinder…und schon bald nach dem ersten Mord gibt es ein zweites Opfer. Der ehrgeizige (und wirklich sehr unsympathische) Polizeichef Mikael Bellmann träumt indes von einer großen Karriere als Justizminister und möchte auf keinen Fall, dass ein ungelöster Mordfall seinen Aufstiegschancen im Wege steht, weswegen er um jeden Preis versucht Harry Hole wieder für die Ermittlungen zu gewinnen. Zu dem Sonderermittlungsteam kommt noch ein junger talentierter Polizist namens Anders Wyller und ein selbsternannter Professor für Vampirismus, der in der Vergangenheit für sein Forschungsfeld viel Spott einstecken musste, jetzt aber hochgefragt ist…aber grade als die Ermittlungen Fahrt aufnehmen wird auch noch Harrys Frau schwer krank…

Soweit die Prämisse des Buches, auch wenn der Hintergrund etwas reißerisch daherkommt, handelt es sich um einen intelligenten psychologischen Thriller mit interessanten Charakteren in dem viele falsche Fährten gelegt werden und so einige erwartete und unerwartete Wendungen auftauchen. Mich hat das Buch sehr gut unterhalten, auch wenn es für einen Psychothriller vielleicht nicht total innovativ ist, sondern eher ein klassischer Vertreter mit allen Zutaten, die man von so einem Thema so erwartet. Das Ende ist sehr spannend und führte bei mir durchaus dazu, dass ich das Buch die letzten 100 Seiten nicht mehr aus der Hand legen konnte, genau wie man es von einem guten Thriller erwartet. Einzige Schwäche des Buches war für mich, dass doch sehr offensichtlich einzelne Personen als „potentielle Verdächtige“ inszeniert werden und es dann nur noch darum geht, wer von ihnen tatsächlich etwas zu verbergen hat und bei wem es sich um eine falsche Fährte handelte. Für sehr erfahrene Krimileser waren diese Konstrukte doch etwas sehr offensichtlich, was dem Lesespaß aber trotzdem keinen Abbruch tat.

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Jugendbuch-Lesetipp: „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“

„Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ spielt in den 80er Jahren. Die Hauptfigur ist die 15-jährige June Elbus. June hat nicht viele Freunde und auch mit ihrer 16-jährigen Schwester Greta versteht sie sich nicht mehr so gut wie als beide kleine Kinder waren und beide unzertrennlich schienen. Im Mittelpunkt des Buches steht Junes Verhältnis zu ihrem Patenonkel Finn, einem erfolgreichen New Yorker Künstler, der allerdings an AIDS erkrankt ist.  June vergöttert ihn und verbringt sehr viel Zeit mit ihm.

Das Buch beginnt gegen Ende von Finns Krankheit, als er es sich zur Aufgabe gemacht hat ein Portrait von June und Greta zu malen, einmal wöchentlich besuchen June und Greta Finn um ihm Modell zu sitzen (wobei Greta wenig Lust dazu hat). Nach Finns unausweichlichem Tod sieht June bei seiner Beerdigung einen jungen Mann, den alle Familienmitglieder außer ihr zu kennen scheinen und auf den ihre Mutter sehr allergisch reagiert…kurze Zeit nach der Beerdigung erhält June einen Brief von Toby, dem jungen Mann, der wie es sich rausstellt Finns Lebensgefährte war. Toby möchte sie sie treffen. June kann nicht verstehen, warum sie als Einzige in der Familie anscheinend nichts von ihm wusste (obwohl allen bekannt war, dass Finn schwul ist)…

Der Rest des Buches beschäftigt sich mit der Beziehung von June und Toby, mit der schwierigen Beziehung zwischen June und Greta und deren Eltern. Dabei gibt es keine groß aufregenden Handlungsstränge, das Buch lebt von der Aufarbeitung der Gefühle der Protagonisten, erst gegen Ende entwickelt auch die Handlung etwas mehr Dramatik. Mir hat aber gerade das an dem Buch gut gefallen, man taucht ganz in Junes Gefühlswelt ein und auch Greta ist ein komplexer und widersprüchlicher Charakter, den man aber nur aus der Außensicht kennenlernt. June hat mir als Hauptcharakter sehr gut gefallen, einerseits wirkt sie intelligent und sehr reif für ihr Alter, andererseits merkt man in manchen Situationen, dass sie doch noch sehr kindlich denkt. Als zentrales Thema des Buches würde ich Eifersucht ausmachen und wie diese das Verhältnis und Handeln der verschiedenen Personen des Buches beeinflusst. Mir hat das Buch insgesamt sehr gut gefallen und auch das Thema sticht aus dem Repertoire typischer Jugendbücher heraus. Für mich ein sehr gutes Buches für jeden der gefühlvolle Jugendbücher mit eher ruhigem Erzähltempo mag.