Bücher, Hörbuch

Hörbuch-Tipp: „Eine Idee von Mord“ von Anne Holt

„Eine Idee von Mord“ von Anne Holt ist schon der 3. Krimi in der Reihe rund um die eigenwillige Ermittlerin Selma Falck. Da ich schon die ersten beiden Teile als Hörbuch gehört habe und wissen wollen wie es mit Selma weiter geht, habe ich mich auch beim dritten Band für das Hörbuch entschieden.

Zum Buch: gerade hat sich Selma Falck von den lebensbedrohenden Strapazen ihres letzten Falles erholt, schon scheint sie wieder zur Zielscheibe zu werden. Während sie mit 2 Freundinnen in einem Cafe sitzt, wird sie von einem Streifschuss an der Schulter getroffen, dieser tötet ihre Freundin Linda, die neben ihr saß. Diese ist Parlamentsabgeordnete und nicht nur Selma fragt sich: war sie das eigentliche Ziel des Attentats oder sollte es tatsächlich Linda treffen? Doch als bald darauf noch andere Morde geschehen, wird schnell klar, dass dieser Fall deutlich komplexer und undurchsichtiger ist als zunächst angenommen.

Insgesamt hat mir auch dieser Band wieder gefallen und da mir die Hauptcharaktere, vor allem Selma und ihr Bekannter Einar trotz oder wegen der zahlreichen Ecken und Kanten ans Herz gewachsen sind, werde ich bei der Reihe sicherlich dabei bleiben. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich den Fall diesmal etwas langatmig fand, was meiner Meinung auch daran lag, dass neben dem Journalisten Lars Winter noch weitere Charaktere hinzu kamen, die scheinbar ähnliche Funktionen im Buch ausführten und dadurch etwas austauschbar wirkten. Trotzdem wieder ein kreativer und vielschichtiger Krimi.

Gelesen wird das Buch wie immer von Katja Bürkle, die einen guten Job macht, vor allem gefällt mir wie sehr sich die verschiedenen gelesenen Charaktere voneinander unterscheiden und dass auch die Männerstimmen von ihr immer authentisch und glaubwürdig klingen. Ein wenig mehr Dynamik würde mir eventuell trotzdem sogar noch etwas besser gefallen, allerdings liegt die fehlende Dynamik vermutlich weniger an der Sprecherin, sondern mehr daran, dass die  Selma Falck Krimis von Anne Holt generell sehr ausufernd geschrieben sind. Etwas mehr straffen könnte man die Bücher meiner Meinung nach, ohne dass Qualität verloren ginge.

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Krimi-Tipp: „Verlogen“ von Eva Björg Ægisdóttir

„Verlogen“ ist der 2. Band der Krimi-Reihe von Eva Björg Ægisdóttir rund um die Polizistin Elma. Da mir schon der erste Band ausnehmend gut gefallen hat, freute ich mich sehr auf dieses Buch und wurde auch diesmal nicht enttäuscht. 

Elma ist nach dem Tod ihres Verlobten zurück in ihre Heimatstadt Akranes gezogen und ermittelt dort in der kleinen Polizeistation zusammen mit ihrem Kollegen Sævar und dem Chef Hörður. Wie in jedem Island-Krimi ist die Anzahl der Mordfälle für so ein kleines Land bzw. so eine kleine Stadt nicht besonders realistisch, was aber natürlich dem Lesevergnügen keinen Abbruch tut (und auch für die meisten Regionalkrimi-Reihen genauso zutreffen dürfte). In diesem Band wird eine Leiche in einer Höhle in einem Lavafeld gefunden, dabei handelt es sich um Marianna, eine alleinerziehende Mutter, die vor einigen Monaten verschwunden ist und bei deren Tod ein Selbstmord vermutet wurde. Nun aber ist klar, dass Marianna brutal erschlagen wurde und Elma und ihr Team müssen herausfinden wer dahinter steckt. Marianna war schon öfters im Visier des Jugendamts und ihre 15-jährige Tochter Hekla lebt schon seit Jahren zeitweise bei einer Pflegefamilie. Hat Mariannas Tod mit dieser komplizierten Familiendynamik zu tun oder war es vielleicht eine Beziehungstat? 

Elma und Sævar befragen Mariannas Umfeld und versuchen Licht ins Dunkel zu bringen. Dabei handelt es sich bei dem Buch um einen psychologischen Ermittlungskrimi, der wie die meisten Krimireihen durch etwas Privatkram der Ermittler aufgelockert wird, was aber in dieser Reihe nie überhand nimmt und sehr schön in die Geschichte integriert ist. Thriller-artige Action und Hochspannung a la Sebastian Fitzek darf man in dieser Reihe nicht erwarten, aber wer es gerne raffiniert und tiefgründig mag und Geschichten mag, wo die Familienbeziehungen und das Innenleben der Charaktere im Mittelpunkt stehen, macht mit dieser Reihe nichts falsch. Eine besondere Dynamik und einige Überraschungen entfaltet dieser Band durch den kreativen Wechsel an Erzählperspektiven.

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Hörbuch-Tipp: „Die Verborgenen“ von Linus Geschke

Heute möchte ich ein Hörbuch vorstellen: „Die Verborgenen“ von Linus Geschke, ein Psychothriller mit einem düsteren unheimlichen Cover, das gut zum Ausgangspunkt der Story passt. Die Familie Hoffmann, Vater Sven, Mutter Franziska und die Teenager-Rochter Tabea leben an der Küste in einem schönen Haus, nach außen hin ist die Familie perfekt. Doch hinter der Fassade bröckelt es: Sven wollte eigentlich nie an die Küste ziehen, Franziska liebt er schon lange nicht mehr, stattdessen seine Geliebte Lara. Franziska ist konservativ und selbstgerecht, doch während sie gerne über andere urteilt, hat sie längst selbst eine Affäre. Tabea ist ein normaler Teenager,  doch ihre Eltern wissen wenig über ihr Leben. Als sich ein mysteriöser Eindringling, ein Phrogger (das sind wohl Menschen, die heimlich in den Häusern anderer Leute wohnen), in das Haus der Hoffmanns einnistet und dort Unfrieden stiftet, zieht das Misstrauen in die Familie ein. 

Das Buch wird abwechselnd aus der Sicht der unterschiedlichsten Personen erzählt: Sven, Franziska, Tabea, dem Eindringling und in der zweiten Hälften gibt es sogar noch mehr Perspektiven. Das macht die Erzählweise des Buches sehr dynamisch und mitreissend, was vor allem beim Hörbuch besonders gut zur Geltung kommt. Allerdings wird die Handlung dadurch auch etwas unübersichtlich. Zusätzlich gibt es parallel auch noch einen Mordfall, dessen Verbindungen zu den anderen Geschehnissen sich erst gegen Ende offenbart. Einerseits macht es das Buch sehr abwechslungsreich, andererseits hätte vielleicht auch einer der Handlungsideen und -stränge für ein spannendes Buch ausgereicht. 

Insgesamt ein unterhaltsamer Roman, der aber für Thriller-Fans vielleicht ein bisschen zu brav und harmlos daher kommt, richtig Grusel oder Hochspannung kam bei mir nicht auf, dafür eine sehr kurzweilige und durchaus aussergewöhnliche Geschichte. 

Die Hörbuchsprecher (sechs an der Zahl) lesen das Buch sehr lebhaft und trotz der großen Anzahl an Sprechern in einem so einheitlichen Stil, dass das ganze Hörbuch aus einem Guss erscheint, eine sehr gute Leistung. 

Bücher

Krimi-Tipp: „Düstergrab“ von Romy Fölck

„Düstergrab“ ist schon der 6. Teil der Krimi-Reihe von Romy Fölck rund um Kommissarin Frida Paulsen. Mir haben bisher alle Teile dieser Krimi-Reihe sehr gut gefallen und ich kann vorab sagen, dass mich auch der neueste Band absolut nicht enttäuscht hat. Ganz im Gegenteil, er hat mir sogar vielleicht von der ganzen Reihe bisher am Besten gefallen. Denn der Kriminalfall, bzw. die Kriminalfälle fand ich diesmal besonders interessant und auch sehr kreativ. Zum Inhalt: Die Kommissarin Frida hat gerade erst der Beerdigung eines alten Schulfreundes beigewohnt, da überschlagen sich die Ereignisse: das Grab ihres Schulfreundes wird geschändet und eine weitere Leiche zu ihm in den Sarg gelegt. Gerade als Frida und ihr Kollege mit den Ermittlungen beginnen wird dieser auf offener Straße angeschossen und im Kommissariat geht alles drunter und drüber…

Man könnte denken, dass zwei komplett unterschiedliche Handlungsstränge vielleicht etwas zu viel des Guten sein könnten, aber Romy Fölck gelingt der Spagat, so dass zwei unterschiedliche Ermittlungen parallel erzählt werden und beide sind sehr spannend. Dazu kommt natürlich auch noch so einiger privater Kram von Fridas Familie, Freunden und dem Kollegenpreis, aber auch da schafft die Autorin es alles unter einen Hut zu bekommen. Nur ganz am Ende sind einige Überraschungen dann vielleicht doch ein ganz kleines bisschen unerwartet und übertrieben, allerdings war das für mich wenn überhaupt ein ganz kleiner Wermutstropfen. Insgesamt ein spannender Krimi mit sympathischen und interessanten Charakteren und eine Reihe, die bisher mit gleichbleibender Qualität überzeugt.

Bücher, Hörbuch

Hörbuch-Tipp: „Die Schwester“ von Petra Johann

„Die Schwester“ von Petra Johann ist ein Krimi der auf den ersten Blick nicht besonders kreativ daher kommt. Im Mittelpunkt des Buches stehen zwei Schwestern: Mara und Lisa. Mara stand immer etwas im Schatten ihrer erfolgreichen und geliebten Schwester, schon als Kind konnte sie ihrer Mutter nichts recht machen, während Lisa alles zuflog. Und auch im Erwachsenenalter scheint diese Rollenverteilung zementiert: Lisa ist erfolgreiche Ärztin, hat einen liebevollen Mann und zwei Kinder, ein perfektes Zuhause mit einem perfekten Leben. Mara lebt von Tag zu Tag, mit zwei Mitbewohnern teilt sie sich eine Wohnung und verdient Geld mit Gelegenheitsjobs und einem OnlyFans Account auf dem sie relativ harmlose Bilder mit einem männlichen Publikum teilt. Trotz dieser etwas plakativen Rolle einer unsteten Anti-Heldin ist sie eine liebevolle Tante für ihren Nichten und Neffen und versteht sich inzwischen auch gut mit ihrer Schwester Lisa. Groß ist der Schock als diese nach einer beruflichen Tagung nicht wieder auftaucht. Während die Ermittlungen der Polizei aufgrund des mutmaßlich freiwilligen Verschwindens nur stockend in die Gänge kommen, ermittelt Mara auf eigenen Faust…

Die Sprecherin des Hörbuchs – Sarah Dorsel – hat mir sehr gut gefallen. Sie liest sehr dynamisch und lebhaft, so dass das Buch von der Atmosphäre her manchmal fast wie ein Hörspiel wirkt, etwas das sich bei einem unterhaltsamen Krimi besonders gut macht. Lediglich die Darstellung der Mara fand ich am Anfang etwas sehr „flapsig“, auch wenn es vermutlich zum Charakter passt. 

Die Geschichte hat mich durchaus überrascht, auch wenn einige Wendungen mit der Zeit für einen versierten Leser erraten werden können. Trotzdem ist die Geschichte, aber auch interessant, wenn man sich einige Dinge vorher denken kann und vor allem behandelt das Buch ein komplett anderes Thema als man von typischen Krimis gewohnt ist (das ich aus Spoilergründen hier nicht verraten möchte). 

Wenn man an dem Roman etwas kritisieren möchte, dann vielleicht die folgenden zwei Punkte: erstens, das Buch ist vielleicht kein Krimi im klassischen Sinne. Jemand der das erwartet könnte enttäuscht werden. Zweitens: einige Handlungsstränge und Beziehungen von Charakteren geraten im Laufe des Buches in den Hintergrund und die offenen Fäden werden nicht wirklich aufgelöst: so steht am Anfang des Buches die Beziehung von Mara und dem Polizisten Oliver stark im Mittelpunkt, doch am Ende spielt diese eigentlich überhaupt keine Rolle für die Handlung. Dies ließ mich etwas irritiert zurück.

Davon abgesehen, hat mir das Buch aber sehr gut gefallen, vor allem da es mal komplett andere Themen behandelt als andere Krimis.

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Krimi-Tipp: „Kuckuckskinder“ von Camilla Läckberg

„Kuckuckskinder“ von Camilla Läckberg ist bereits der 11. Krimi aus der Reihe mit der „Ermittlerin“ Erica Falck. Ermittlerin in Anführungszeichen, den eigentlich ist Erica keine Polizisten, sondern Schriftstellerin, die Romane über wahre Kriminalfälle schreibt, während ihr Mann Patrick tatsächlich Kriminalpolizist ist. Ich habe schon mehrere Bücher aus der Reihe gelesen, allerdings ist das schon länger her, weswegen ich erstmal ein paar Schwierigkeiten hatte mich an die vielen Charaktere aus der Krimi-Reihe und ihre Familienverhältnisse zu erinnern. Das tat dem Lesevergnügen allerdings keinen Abbruch, denn der tatsächliche Kriminalfall ist sehr interessant: Der beliebte und renommierte Autor Henning Bauer steht zu Beginn des Buches davor sein Lebenswerk zu krönen. Nicht nur feiert er gerade im Kreise von Familie und Freunden Goldene Hochzeit, auch der Literaturnobelpreis erscheint in greifbarer Nähe. Doch dann erschüttern schreckliche Ereignisse sein Leben, ein guter Freund aus der Kulturszene wird ermordert und kurz drauf folgt noch ein viel grausamerer Mord. Während Ericas Mann Patrick offiziell im Fall ermittelt, wühlt Erica in einem rätselhaften Mord aus den 80er Jahren. Hat die Vergangenheit der Freundes-Clique etwas mit den Ereignissen zu tun?

Camilla Läckberg ist vom Stil sicherlich ein Gegenentwurf zu anderen skandinavischen Reihen, die ja oftmals (Wallander lässt grüßen) eher ruhig und melancholisch daher kommen, mit eher depressiven Ermittlern, die nicht viel Glück im Leben hatten. Camilla Läckbergs Romane erinnern mich im Stil eher an die Krimis von Nele Neuhaus und die Ermittler haben alle ein volles lautes Privatleben und eine ziemlich unübersichtliche Anzahl an Kindern. Also eine gute Abwechslung zu anderen Skandinavien-Krimis, wobei der Roman dadurch, dass die Verdächtigen auch sehr zahlreich waren, tatsächlich minimal überfrachtet wirkte. Außerdem ist es natürlich nicht realistisch, dass Erica Falck jahrelang als Privatperson in den gleichen Kriminalfällen mitermittelt wie ihr Mann. Das ist aber wirklich der einzige kleine Kritikpunkt den man an der Reihe finden kann, davon abgesehen ist die Geschichte spannend, original, mitreissend erzählt und ich habe das ganze Buch innerhalb von knapp 3 Tagen verschlungen. Eine absolute Leseempfehlung.

Bücher

Krimi-Tipp: „Verschwiegen“ von Eva Björg Ægisdóttir

Ich bin ein großer Fan von Island-Krimis, zum Beispiel von Yrsa Sigurðardóttir und Arnaldur Indriðason.
Mit Eva Björg Ægisdóttir und ihrem ersten Krimi „Verschwiegen“ rund um die Polizistin Elma taucht ein neues Gesicht in der isländischen Krimilandschaft auf. Ich war sehr gespannt auf den Roman und wurde absolut nicht enttäuscht.

Elma kehrt nach einigen Jahren in Reykjavik nach einem Einschnitt in ihrem Privatleben zurück in ihre Heimatstadt Akranes. Dort soll es eigentlich viel ruhiger zugehen als in Reykjavik, doch schon kurz nach ihrer Rückkehr gibt es eine Leiche. Am alten Leuchtturm der Stadt (den gibt es wirklich als Touristenattraktion) wird eine Frau halb im Meer liegend gefunden und es ist schnell klar, dass ihr Tod kein Unfall war. Relativ schnell findet die Polizei heraus, dass es sich bei der Toten um Elisabet handelt, eine Pilotin, die ihrem Mann gesagt hatte, dass sie zu einer Flugreise aufbricht, sich aber bei der Arbeit krank gemeldet hatte, ohne ihm Bescheid zu sagen. Elma und ihre Kollegen versuchen herauszufinden, was in den Tagen dazwischen passiert ist. Schnell wird klar, dass Elisabet auch in Arkanes aufgewachsen ist, den Ort aber die letzten Jahre konsequent gemieden hat. Hat ihre Vergangenheit etwas mit ihrer Ermordung zu tun?

Der Roman ist ein klassischer Ermittlungskrimi, der in eher ruhigem Erzähltempo erzählt wird, aber nicht ganz so melancholisch daherkommt wie z.B. die Krimis von Arnaldur Indriðason. Dabei gibt es viele verschiedene Erzählperspektiven und verschiedene Zeitebenen. Die Leser:Innen erfahren so nach und nach mehr über Elisabets Kindheit, wie andere Bewohner von Arkanes in die Geschehnisse verflechtet sind und was für Ereignisse der Vergangenheit zu Elisabets brutalem Tod geführt haben. Dabei kommt das Kleinstadtleben auf Island so richtig zum Tragen, fast jeder kennt jeden und auch die Polizisten kennen so einige der in die Geschehnisse verwickelten Personen persönlich, was den Job natürlich nicht einfacher macht.

Der Kriminalfall ist sehr atmosphärisch und das Buch ist für mich ein eher psychologischer Krimi, was mir immer besonders gut gefällt. Nicht Brutalität oder die Tat stehen im Mittelpunkt, sondern die Beziehungen zwischen Menschen und Familien. Auch Elisabet ist als Charakter vielschichtiger als man am Anfang des Buches durch die Rückblicke erwarten würde.

Bleiben noch die Ermittler: Elma hat mir als Hauptcharakter ausnehmend gut gefallen. Ihr Privatleben ist etwas chaotisch und wird thematisiert, aber nicht so sehr, dass der Fall ins Hintertreffen gerät. Ihr junger Kollege Saevar bleibt noch etwas blass, ich kann mir aber vorstellen, dass die Charaktere und Beziehungen der Polizist:innen in weiteren Bänden der Reihe noch mehr entwickelt werden können.

Insgesamt war ich richtig begeistert von dieser neuen Reihe, die aus dem Krimi-Einheitsbrei positiv heraussticht und sich nicht hinter den anderen isländischen Reihen verstecken muss. Sie ist auch gut geeignet für Leser:innen denen Arnaldur Indriðason vom Stil doch etwas zu düster und ruhig ist.

Bücher

Krimi-Tipp: „Die letzte Party“ von Claire Mackintosh

„Die letzte Party“ von Clare Mackintosh ist der Auftakt einer neuen Krimi-Reihe. An einem abgelegenen See an der Grenze zwischen Wales und England hat der bekannte Klassik-Sänger Rhys Lloyd gemeinsam mit einem Kumpel eine exklusive Luxus-Ferienanlage neu aufgebaut, auf dem Seegrund, den er von seinem Vater geerbt hat. Er selbst stammt aus dem nahegelegenen Dorf. An Silvester gibt er eine große Party für alle Bewohner der Anlage und auch für die alteingesessenen Bewohner des nahegelegenen Ortes, die der Ferienanlage für reiche Engländer kritisch gegenüber stehen. Doch am Morgen nach der Party wird Rhys Lloyd tot im See gefunden. Der Liverpooler Polizist Leo wird an den Tatort geschickt, wo er peinlicherweise auf seinen One Night Stand aus der Silvesternacht trifft, die Dorfpolizistin Ffion Morgan, die fast alle Besucher der Party und den Ermordeten kannte. Dieser hatte so viele Feinde, dass die Zahl der möglichen Verdächtigen ausgesprochen umfangreich ist. 

Auch wenn der Roman eine für meinen Geschmack eher Thriller-artige Cover-Aufmachung hat, handelt es sich um einen klassischen Ermittlungskrimi, die Polizisten befragen Zeugen, mit der Zeit erfährt man immer mehr über die verschiedenen Personen, die das Luxusressort bewohnen und über Rhys Lloyd Verbindungen zu den Dorfbewohnern und seine Vergangenheit. Die beiden Ermittler Leo und Ffion sind dabei eine interessante und kreative Kombination (auch wenn das Thema „Polizisten-Duo mit privaten Problemen“ in Krimis natürlich etwas ausgelutscht ist). Auch der Kriminalfall ist sehr interessant und komplexer als die Aufmachung des Buches vermuten lässt. Die Geschichte springt in der Zeit zwischen den aktuellen Ermittlungen und den Monaten vor der fatalen Silvesterfeier hin und her, so dass sich nach und nach herauskristallisiert was mit Rhys Lloyd passiert ist und warum so viele Leute etwas gegen ihn hatten. Auch das Setting in Wales und Walisischen Namen geben dem Krimi etwas Besonderes, da ich nach meiner Erinnerung noch keine Krimis gelesen habe, die in Wales spielen. 

Aus diesem Grund hat mir der Krimi insgesamt sehr gut gefallen und ich kann mir gut vorstellen weitere Krimis aus der Reihe zu lesen. 

Bücher, Hörbuch

Hörbuch-Tipp: „Der Aufstieg“ von Amy McCulloch

„Der Aufstieg“ von Amy McCulloch ist ein Hörbuch-Thriller, den ich mir vor allem wegen der Hintergrund-Thematik ausgesucht habe, denn das Buch spielt in eisiger Höhe, auf einem 8000er, dem Manaslu in den Anden. Der Manaslu ist der achthöchste Berg der Welt und ich fand die Idee eines Thrillers im Bergsteiger-Milieu sehr spannend, da ich auch Interesse daran hatte, mehr darüber zu erfahren wie es ist einen solch hohen Berg zu besteigen. Eine kurze Recherche zur Autorin ergab, dass sie wohl auch definitiv weiß worüber sie schreibt, denn Amy McCulloch ist laut ihrer Biografie die jüngste Kanadierin der es gelang den Manaslu zu besteigen.

Im Mittelpunkt des Buches steht die junge Journalistin Cecily Wong. Sie bekam überraschend die einmalige Gelegenheit den Bergsteiger-Superstar Charles McVeigh zu interviewen, der es sich als Ziel gesetzt hat alle 14 Achttausender im Alpinstil (ohne Hilfsmittel) zu besteigen. Allerdings hat der Auftrag einen Haken: Cecily bekommt das Interview erst wenn sie gemeinsam mit Charles und seinem Team den Manaslu Gipfel erreicht. Diese einmalige Gelegenheit beruflich durchzustarten will sich Cecily nicht entgehen lassen, obwohl ihre eigene Bergsteiger:innen Karriere bisher vor allem durch Selbstzweifel und Misserfolge geprägt war. 

Mit im Team sind außer Cecily noch diverse Sherpas, der etwas mürrische aber erfahrene Guide Doug, eine Influenzerin, einige weitere Einzelkämpfer und natürlich Charles, der aber erst später zum Team stößt. Doch die Expedition scheint unter keinem guten Stern zu stehen, kaum im Base Camp angekommen, verunglückt ein Bergsteiger tödlich noch bevor es überhaupt losgeht. Und das ausgerechnet kurz nachdem er Cecily von einem anderen mysteriösen Todesfall bei einer früheren Expedition erzählt hat. Cecily hat kein gutes Bauchgefühl und je länger und höher die Expedition steigt, desto unheimlicher und bedenklicher werden die Geschehnisse.

Das Hörbuch hat auf jeden Fall meine Erwartungen mehr darüber zu erfahren wie eine 8000er-Besteigung abläuft voll erfüllt und hat mich in diesem Bereich auch sehr viel gelehrt und gleichzeitig hervorragend unterhalten. Ein zweiter großer Pluspunkt ist die Sprecherin Britta Steffenhagen, die die Geschichte sehr dynamisch, lebendig und mitreissend liest. Dank ihrer Performance habe ich das Hörbuch innerhalb kürzester Zeit verschlungen und hatte viel Spaß damit. Ob auch Thriller-Fans 100% zufrieden sind, ist die andere Frage. Die Autorin schrieb bisher vor allem Jugendbücher, „Der Aufstieg“ ist ihr erster Thriller für Erwachsene und ganz so düster und nervenzerreißend ist er dann aber doch nicht geraten. Auch kommen die meisten Neben-Charaktere etwas blass daher und auch sprachlich ist das Buch nicht immer gerade ein Meisterwerk (etwas amüsant wie oft Doug „mit düsterem Blick ein Zelt betritt“ oder „Das Herz in Cecilys Brust hämmert“). Wenn man aber keine überdurchschnittliche Thriller-Kost, sondern nur eine unterhaltsame Geschichte mit coolem Setting erwartet, kann das Buch hervorragend unterhalten.

Bücher, Hörbuch

Hörbuch-Tipp: „Happy New Year“ von Malin Stehn

Heute möchte ich eines meiner Hörbuch-Highlights von 2022 vorstellen, den schwedischen Thriller „Happy New Year“ von Malin Stehn. Aufmerksam wurde ich auf das Hörbuch vor allem durch das sehr auffällige pinke Cover, das frisch und auffällig wirkt. Da auch der Klappentext nach etwas Abwechslung von typischer Thrillerkost (wie z.B. Serienmörder entführt und tötet Frauen) klang, griff ich zu und habe die Wahl auch nicht bereut.

Der Startpunkt des Thrillers ist eine Silvesterfeier in Malmö. Das Ehepaar Nina und Frederik sind bei ihren alten Jugendfreunden Lollo und Max eingeladen, während ihre 17-jährige Tochter Smilla zusammen mit Lollos und Max Tochter Jennifer das erste Mal im Zuhause von Nina und Frederik eine eigene Silvesterparty feiern dürfen. Nina hat ein schlechtes Bauchgefühl dabei, aber was soll schon passieren.
Während die Party der Erwachsenen aufgrund einiger betrunkenen Ausfälle von Max nicht besonders harmonisch ausfällt, kommt das böse Erwachen erst am Folgetag. Jennifer hat die Party der Teenager schon vor Mitternacht verlassen, kam aber nie zuhause an. Ihr Verschwinden ist ein Schock und warum verhält sich Frederik seit der Nacht so komisch? Das Buch schildert die Monate nach der verhängnisvollen Silvesternacht, aber auch einige Rückblicke, die die Beziehungen zwischen den Freunden und Familien erklären. Als Leser:in weiß man immer etwas mehr als die Charaktere, aber trotzdem gibt es noch viele Überraschungen und Wendungen.

Es ist natürlich immer schwierig zu sagen, ob einem ein Buch als Hörbuch oder selbst gelesen besser gefallen würde, da der Vergleich ja fehlt. Trotzdem ist „Happy New Year“ eins der Bücher, wo ich vermute, dass es als Hörbuch besonders gut zur Geltung kommt. Denn die Geschichte wird aus Sicht von 3 Personen erzählt – Frederik, Nina und Lollo – und entsprechend hat das Hörbuch auch 3 Sprecher, was dem ganzen sehr viel Dynamik verleiht und die ganze Geschichte sehr lebendig wirken lässt. Man kann sich sehr gut in die Personen hineinversetzen und die jeweiligen Perspektivenwechsel wirken sehr natürlich und authentisch.

Gibt es an dem Buch nun auch etwas zu kritisieren? Keine Kritik, aber für Fans von eher klassischen Spannungs-Thrillern (z.B. Sebastian Fitzek) ist das Buch eventuell nicht geeignet, denn es handelt sich eher um einen psychologischen Thriller, der den Fokus ganz auf die Geheimnisse und Abgründe hinter einigen eigentlich spießigen und bodenständigen Mittelstandsfamilien legt.
Außerdem sind die Charaktere allesamt nicht unbedingt Sympathieträger (vor allem die ich-bezogene und selbstgerechte Nina kann einem doch ganz schön auf die Nerven gehen), wer also gerne Bücher liest, bei denen er sich mit den Charakteren besonders gerne identifizieren oder mitleiden kann, ist vielleicht auch nicht 100% abgeholt. Aber davon abgesehen hat mich der Roman wirklich begeistert und extrem gut unterhalten.