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Krimi-Tipp: „Triff mich im Paradies“ von Heine Bakkaus

„Triff mich im Paradies“ von Heine Bakkaus ist der zweite Teil einer neuen Krimi-Reihe aus Norwegen rund um den ehemaligen Verhörspezialisten Thorkild Aske. Ich bin zufällig auf das Buch gestoßen und habe den ersten Teil nicht gelesen. Deswegen hatte ich am Anfang durchaus kleinere Schwierigkeiten in die Hintergründe des Charakters Thorkild Aske einzutauchen. Allerdings gibt sich das nach kurzer Zeit, so dass ich sagen würde, dass es ganz gut möglich ist, das Buch unabhängig vom ersten Teil zu lesen.

Thorkild Aske ist am Anfang des Buches eigentlich nicht arbeitsfähig (bedingt durch Ereignisse die vermutlich im ersten Teil der Reihe im Mittelpunkt standen), wird aber (auf etwas schwer greifbare Art und Weise) von der Krimiautorin Milla engagiert, um ihr bei der Recherche für ihr neues Buch zu helfen, indem sie einen realen Vermisstenfall verarbeiten möchte: das Verschwinden zweier Teenager aus einem Heim für Jugendliche. Thorkilds Vorgänger in dem Job wurde ermordet und schnell wird Thorkild klar, dass bei seinem Auftrag nicht alles so harmlos erscheint wie es auf den ersten Blick wirken soll.

Thorkild Aske als Ermittler kann man definitiv zum (vor allem bei nordischen und skandinavischen Krimis beliebten) Genre „kaputter Ermittler“ zählen, kaputter als er geht fast nicht mehr: Selbstmordversuche, Gefängnisvergangenheit, ein Hirnschaden (durch einen der Selbstmordversuche), Tablettensucht, …man könnte dem Autor also durchaus vorwerfen, bei der Charaktergestaltung ein bisschen arg dick aufgetragen zu haben.

Trotzdem muss ich sagen, dass mir sowohl Hauptcharakter als auch Buch durchaus gefallen haben, was vor allem daher kommt, dass ich einerseits den Plot ganz kreativ und etwas außergewöhnlich fand und auch die Sprache manchmal überrascht. Letzteres passiert bei Krimis und Thrillern ja eher selten. Die Handlung des Buches ist nicht unbedingt besonders glaubwürdig und hat eine Menge an sexuellen Eskapaden und Klischees zu bieten, als Ausgleich dafür ist sie durchweg fesselnd und unterhaltsam, garniert mit ein bisschen Action, aber für einen Thriller relativ wenig Brutalität. Für mich war das eine gute Mischung, die das Buch vor allem empfehlenswert machen, wenn man mal neue Krimikost ausprobieren möchte.

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Jugendbuch: „Ich bin V wie Vincent“

„Ich bin V wie Vincent“ von Lucinde Hutzenlaub ist ein Jugendbuch ab 12 Jahre in dem es um das schwierige, aber für Jugendliche sicher immer hochaktuelle Thema Mobbing geht.

Im Mittelpunkt des Buches steht Milo. Er ist mit seinen Eltern und seinem Bruder Carl aus Namibia nach Deutschland gezogen, da sein Vater aus beruflichen Gründen umsiedeln musste. Milo vermisst seine Freunde, die Farm seiner Eltern in Namibia und mit dem Deutschen Wetter kann er sich auch nicht so recht anfreunden. Seine Stimmung ist also sowieso schon nicht gut und dann stellt sich seine neue Schulklasse auch noch als Katastrophe heraus. Sein Mitschüler Max terrorisiert gefühlt die halbe Klasse und pickt sich Milo direkt als nächstes Opfer heraus. Einziger Lichtblick in der Klasse ist Nike, in die sich Milo unsterblich verliebt. Doch auch sie hat so ihre Probleme mit Max.

Während sich Milo im realen Leben ohnmächtig fühlt, kommt ihm in der virtuellen Welt eine Idee…er eröffnet einen anonymen Youtube Account unter dem Pseudonym „V wie Vincent“ (angelehnt an seinen Lieblingsfilm „V wie Vendetta“), in dem er sich gegen Mobbing und für mehr Zusammenhalt und Courage ausspricht und zu seiner großen Überraschung wird der Kanal ein Riesenerfolg…und hat echte Konsequenzen in der wirklichen Welt, leider nicht nur Positive.

Das Buch ist sehr kurzweilig und einfach zu lesen, die Sprache ist direkt gehalten und für die angepeilte Altersgruppe sicher gut lesbar. Allerdings hatte ich aufgrund des männlichen Protagonisten erwartet, dass das Buch sich vielleicht eher an männliche jugendliche Leser richtet, dafür fand ich die Liebesgeschichte aber irgendwie ein bisschen arg schmalzig formuliert und bin mir sehr unsicher ob das Jungs in dem Alter so ansprechen würde. Was mich auch noch etwas störte ist dass Milo auf mich ein bisschen sehr idealisiert war und alles etwas sehr schwarz/weiss gemalt. Die „Bösen“ im Buch hören ständig Deutsch-Rap, Milo hört Woodstock Musik aus der Zeit seiner Eltern und gerne auch mal Klassik…hmmm…die (nett wirkenden!) Jungs an der Supermarkt Kasse hinter mir gestern wirkten auf mich nicht so als ob sie sich mit so einem Milo identifizieren würden oder so sprechen würden wie er.

Von dem her bin ich etwas hin und her gerissen von dem Buch, es ist sehr unterhaltsam und leicht zu lesen und sicher auch eine gelungene Auseinandersetzung mit dem Thema Mobbing, in dem viele Schüler Situationen und Dinge aus dem Schulalltag wieder erkennen können. Die Autorin schrieb am Ende des Buches, dass sie das Buch aufgrund eigener Mobbing-Erfahrungen in ihrer Kindheit geschrieben hat und deswegen nehme ich an, dass es deswegen so geschrieben ist und dass Milo und was er erreicht wirklich inspirierend wirken soll.

Allerdings habe ich doch etwas Bedenken, dass es für wirklich Betroffene zu unrealistisch rüber kommen könnte, denn das das in der realen Welt ein Betroffener so hinkriegen würde wie in dem Buch halte ich für unwahrscheinlich. Die Jugendlichen in dem Buch handeln eher „übermenschlich“, doch wie oft wird gerade ein Mobbing-Opfer dazu in der Lage sein? Außerdem befremdete mich etwas, dass die Jugendlichen in dem Buch doch sehr „alleine gelassen“ werden, im Prinzip müssen Milo und Nike die ganzen Probleme (wozu z.B. auch durchaus aggressive sexuelle Belästigung zählt) „alleine“ lösen, während Lehrer und Eltern offenbar vorher ewig nichts getan haben und dann später auch nichts tun bzw. nicht viel. Die Erwachsenen im Buch agieren sehr passiv. Das mag tatsächlich realistisch sein, aber läuft der hoffnungsvollen Botschaft der Geschichte vielleicht etwas zuwider, denn beim Betroffenen könnte der Eindruck aufkommen, dass er sich selbst helfen muss…

Das klingt jetzt beim Schreiben alles erst mal ganz schön negativ, aber so habe ich das Buch nun auch nicht empfunden. Ich denke es eignet sich aber besser, um in der Klasse zum Beispiel gemeinsam gelesen und dann mit Lehrer besprochen zu werden als zumindest jüngere Leser ganz damit allein zu lassen. Gut fand ich auch, dass aktuelle Themen wie Social Media und Youtube-Channels mit eingebaut wurden.

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Krimi-Rezension: „Weißer Tod“ von Robert Galbraith

„Weißer Tod“ von Robert Galbraith (bekanntlich das Pseudonym von J.K.Rowling) ist der neueste und mittlerweile 4. Band aus der Krimi-Reihe rund um den Privatdetektiv Cormoran Strike und seine Assistentin Robin.
Robin ist mittlerweile erwartungsgemäß unglücklich mit dem notorisch unsympathischen Matthew verheiratet, was die Beziehung zwischen Strike und ihr etwas ins Komplizierte und Negative verändert hat. Cormoran hält sich mit einer unverbindlichen Beziehung über Wasser, kommt aber weder von Robin noch von seiner Ex-Liebe Charlotte so richtig weg. Das Privatleben der beiden Ermittler nimmt dann auch einen meiner Meinung nach etwas zu großen Raum im Buch ein, gefühlt beschäftigt sich ca. die Hälfte des Buches mit Geplänkel und Krisen aus Cormoran und Robins Privatleben, so richtig Überraschendes passiert da aber auch nicht, weswegen mir das diesmal wirklich etwas zu viel war.

Der Kriminalfall ist recht komplex und am Anfang auch ziemlich „mysteriös“, ein hochrangiger Politiker der Tories wird von einem Konkurrenten und einem ihm seit der Kindheit bekannten linksextremen Aktivisten erpresst (womit genau wissen anfangs weder der Leser noch die Privatdetektive). Cormoran Strike soll im Gegenzug belastendes Material über die beiden Erpresser sammeln, um dem Politiker eine Handhabe gegen sie zu liefern. Zu diesem Zweck wird Robin undercover ins Abgeordnetenhaus des Politikers eingeschleust (was ihr noch etwas schwer fällt, weil sie noch von den Ereignissen aus dem Vorgängerband traumatisiert ist und mit Panikattacken zu kämpfen hat), während Cormoran sich auf einem Nebenschauplatz aufhält: der psychisch kranke Bruder des Erpressers taucht bei Strike auf, um ihm von einem angeblichen Kindesmord zu berichten, den er als kleiner Junge beobachtet haben will. Für Strike stellt sich die Frage: hängen diese Ereignisse zusammen und wenn ja, wie. Und dann passiert ein Mord…

Im Prinzip ist der Kriminalfall im Roman interessant, allerdings hatte er für mich ähnliche Probleme wie die Schilderungen von Strikes und Robins Privatleben, alles zieht sich recht langatmig und verworren dahin, nur um am Ende dann mit einem mittelmäßig kreativen Kniff in sehr kurzer Zeit nachträglich aufgelöst zu werden, für mich irgendwie etwas unbefriedigend und ich hatte auch ehrlichgesagt tatsächlich Probleme die Motive der Beteiligten nachzuvollziehen. Insgesamt fand ich diesen Band deswegen bisher den schwächsten der Reihe, man hatte das Gefühl, das Buch hätte 200 – 300 Seiten weniger vertragen können. Unterhaltsam zu lesen war es trotzdem durchaus und Strike und Robin sind interessante Charaktere, die aber im Moment etwas eindimensional und vorhersehbar wirken (dass Robins Ehe mit Matthew unglücklich werden würde, konnte z.B. mit Sicherheit schon jeder in Band 1 der Reihe vorhersehen, weswegen es relativ langweilig ist seitenlang über deren vorhersehbare Beziehungsprobleme zu lesen). Für den nächsten Band würde ich mir deswegen etwas weniger Beziehungs-Seifenoper und einen etwas gradliniegeren Kriminalfall wünschen.

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Buchtipp: „Wir von der anderen Seite“ von Anika Decker

„Wir von der anderen Seite“ von Anika Decker ist mal wieder ein Buch das ich primär ausgesucht habe, weil mir das Cover ins Auge stach und gefiel (ich habe mit dieser Bücher-Auswahlmethode schon immer gute Erfahrungen gemacht). Das Buchcover zeigt ein comic-artig verfremdetes Eichhörnchen, garniert mit dem Buchtitel in knallgelber Schrift. Definitiv auffällig und ungewöhnlich.

In dem Buch geht es um die finanziell mehr oder weniger erfolgreiche Drehbuchautorin Rahel, die am Anfang des Buches im Krankenhaus aufwacht, völlig verwirrt und ohne eine Ahnung zu haben was mit ihr passiert ist. Sie liegt auf der Intensivstation, zum Bewegen fehlt ihr die Kraft, ihre Familie benimmt sich merkwürdig, sie halluziniert in der Zimmerecke ein Eichhörnchen und wo ihr Freund ist, sagt ihr auch keiner. Mit der Zeit kristallisiert sich heraus, dass Rahel nach einer misslungenen Nierenstein-OP ein Multiorganversagen erlitt und einige Wochen im Koma lag, ihr Leben steht noch immer auf Messers Schneide und auch ihre Organe arbeiten nicht mehr richtig, ob ihr Herz je wieder gesund wird weiß man nicht. Eigentlich harter Tobak, aber das Buch bewahrt sich von Anfang an eine gelungene Mischung aus Humor, Ironie und Ernsthaftigkeit, die dazu führt, dass das Buch sehr leicht und mitreißend zu lesen ist. Bloß ganz am Anfang war ich zunächst etwas skeptisch, kam es mir doch etwas unrealistisch vor, dass Rahel schon kurz nach dem Aufwachen zu recht humorvollen Gedankengängen in der Lage ist…ob man in so einer Situation überhaupt auch nur einen halbwegs klaren Gedanken rauskriegt, halte ich für fragwürdig. Allerdings war das der einzige Teil des Buches wo ich am Realismus der Darstellung zweifelte, die Beschreibung der restlichen Monate bis Jahre von Rahels langsamer und mühsamer Genesung wirken für mich als Laie sehr glaubwürdig und realistisch dargestellt.

Der Roman fokussiert sich weniger darauf sich mit dem Thema Krankheit und „schweres Schicksal“ zu beschäftigen, sondern damit wie Rahel mit ihrer neuen Lebensrealität (Betablocker, lange Krankenhausaufenthalte, Reha, den Versuch im Berufsleben wieder Fuß zu fassen, Beziehungsprobleme und ganz normaler Alltag, Belastung für die Familienmitglieder und Geldsorgen …) zurecht kommt und im Weiteren mit einer Aufarbeitung ihres Lebens vor der „Katastrophe“. Zusätzlich zur Krankheit kommt nämlich noch dazu, dass Rahel so einiges komisch vorkommt, warum verhielt sich ihr Freund Olli  so komisch und will nicht über die Zeit vor der Krankheit reden und warum hat sie schwammige Erinnerungen an einen Streit? Während Rahel langsam wieder ins Leben zurückfindet, versucht sie sich daran zu erinnern wie ihre Beziehung vor dem Krankenhausaufenthalt so lief, ihre Auseinandersetzungen mit ihrem Leben als Drehbuchautorin am Rande der schillernden Promi-Welt liefern dabei nebenbei auch noch interessante Einblicke ins Showbiz und die Welt der A- und B-Promis, die sehr unterhaltsam sind und die auch einen fundierten Hintergrund haben dürften, denn „Wir von den anderen Seite“ ist Anika Deckers erster Roman, davor aber erlangte sie Bekanntheit durch Drehbücher für sehr erfolgreiche Deutsche Filme der letzten Jahre wie „Keinohrhasen“ und „Rubbeldiekatz“.

Mich hat das Buch hervorragend unterhalten und ich kann es definitiv weiterempfehlen.

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Autobiografie: „Abgeschminkt: Das Leben ist schön – Von einfach war nie die Rede“ von Ilka Bessin

Diese Woche möchte ich mal wieder eine Promi-Autobiografie vorstellen, nämlich die von Ilka Bessin (den meisten wohl eher unter dem Namen ihrer ehemaligen Kunstfigur „Cindy aus Marzahn“ bekannt). Ilka schrieb das Buch „Abgeschminkt: Das Leben ist schön – Von einfach war nie die Rede“ nachdem sie sich entschlossen hatte Abschied von ihrem künstlerischen Alter Ego „Cindy“ zu nehmen. Das Buch könnte deswegen auch als Übergang in einen neuen Lebensabschnitt gesehen werden.

Die Autobiografie ist sehr strukturiert in 4 Teile und damit auch Lebensabschnitte gegliedert, was mir sehr gefallen hat und auch sprachlich ist das Buch sehr präzise, sachlich und erfrischend selbstkritisch.

Der 1. Teil des Buches befasst sich mit Ilkas Kindheit und Jugend in der DDR. Sie stammt nicht wie Cindy aus Marzahn, sondern aus dem brandenburgischen Luckenfelde. Ihr Vater war Fernkraftfahrer und einer der wenigen, der auch Waren in den kapitalistischen Westen transportieren durfte. Ilkas Kindheit war also durchaus mit einigen Privilegien in Bezug auf West-Waren verbunden allerdings auch geprägt durch ein schwieriges beziehungsweise ambivalentes Verhältnis zu ihren Eltern und ihrer Schwester und durch Hänseleien von Mitschülern, denen sie dadurch begegnete, dass sie sich eine große Klappe und eine Rolle als „Klassenclown“ zulegte. Mir hat dieser Teil der Biografie sehr gut gefallen, da ich als „Westler“ noch nicht so viele Biografien aus der DDR gelesen habe und es da doch immer Neues zu entdecken gibt.

Der 2. Buchabschnitt beschäftigt sich dann mit Ilkas beruflichem Werdegang bevor sie ins Showbusiness gelangte, sie machte noch zu DDR Zeiten eine Kochlehre und weiter eine Ausbildung zur Hotelfachfrau und arbeitete dann auch jahrelang im Gastronomiebereich (zum Beispiel verschlug es sie zunächst in zwei Gaststättenbetriebe im Schwarzwald oder in die nicht mehr existente Restaurantkette „Planet Hollywood“ an die Ilka nur positive Erinnerungen hat). Aber auch erste Entertainment Erfahrungen konnte Ilka sammeln, arbeitete sie doch 2 Saisons lang als Animateurin auf der AIDA (laut ihren Erfahrungen auch ein Job mit Licht und Schatten).

Nachdem Ilka in ihrem letzten Restaurantjob eine Kündigung erhielt, beginnt der wohl schwierigste Lebensabschnitt und damit auch der 3. Teil des Buches, Ilka wird arbeitslos und bezieht mehrere Jahre Hartz4. Auch hier schildert sie ihre Eindrücke über die nicht sehr konstruktiven und wenig hilfreichen Treffen mit ihrer Job-Center-Mitarbeiterin (mit der Ilka nie richtig warm wird) und die aus der Arbeitslosigkeit resultierenden extrem schwierigen 4 Jahre. Wie aus dieser Situation heraus irgendwann Cindy aus Marzahn geboren wird und innerhalb doch recht kurzer Zeit zu einem Super-Hit wird, beschreibt Ilka auch in diesem Abschnitt des Buches: von den Anfängen im Quatsch Comedy Club bis hin zu ihrer ersten eigenen Tour und zahlreichen TV Auftritten erlebt Cindy einen rasanten Aufstieg.

Der letzte Teil des Buches beschäftigt sich dann mit der langsamen Abkehr von Cindy aus Marzahn, mit den privaten Schwierigkeiten die diesen Zeitraum auch stark beeinflussten (z.B. die Demenz-Erkrankung und spätere Tod ihres Vaters, sowie eine eher ungesunde Beziehung) und mit den Schattenseiten des Showgeschäfts und den negativen Charaktereigenschaften, die Ilka selbst dadurch entwickelt. Dabei ist sie durchaus sehr selbstkritisch und bescheinigte sich zum Beispiel ausgeprägte Star-Allüren. Ein Wendepunkt für ihre Entscheidung mit „Cindy aus Mahrzahn“ aufzuhören war wohl unter anderem eine Talkshowbesuch als Cindy aus Marzahn bei Markus Lanz in der sie ein Gespräch zwischen ihm und Julia Glöckler so aufregte, dass sie das starke Bedürfnis hatte sich in der Show gesellschaftspolitisch zu äußern, etwas das von der Kunstfigur Cindy aus Marzahn weder erwartet wird noch so richtig ernst genommen (die Kombination aus Markus Lanz und Julia Glöckler würde vermutlich auch mir den Rest geben :-P). Und Ilka wollte irgendwann nicht mehr nur als „lustige dicke Ulkfigur“ wahr genommen werden, was sich als Cindy eher nicht realisieren liess und auch bei Teilen des Publikums nicht unbedingt so gut ankam.

Mir hat das Buch jedenfalls hervorragend gefallen, es ist eine sehr gelungene Mischung aus privatem und beruflichen und jeder geschilderte Lebensabschnitt ist auf seine eigene Art und Weise interessant und berührend.

Wie immer wenn man Bücher aus dem Showbusiness liest erschließt sich einem nicht wirklich warum so viele Leute davon träumen berühmt zu werden, dann nach einem Traumjob klingt das oft nicht im Geringsten. Für Ilka war es wohl vor allem finanziell ein Lebensretter, allerdings kommen in dem Buch sonst nicht sehr viele positive Aspekte einer Showbusiness-Karriere rüber, es klingt eher nach dem typischen Haifischbecken als die die Showbranche ja oft beschrieben wird. Trotzdem klingt sie am Ende des Buches sehr mit sich im Reinen. Es wird interessant sein zu sehen, wie sie sich als Ilka Bessin langfristig im Showgeschäft schlagen wird (das Erstellen einer eigenen Show mit ihr selbst als Hauptfigur statt mit der Kunstfigur „Cindy“ scheint schwieriger zu sein als vermutlich anfangs angenommen), doch wie der Untertitel des Buches so schön sagt: „Das Leben ist schön – Von einfach war nie die Rede“

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Jugendbuch – Tipp: „Dry“ von Neil und Jarrod Shusterman

„Dry“ ist ein dystopischer Jugendroman von Neal und Jarred Shusterman. Er spielt in Kalifornien, das im Buch seit Jahren von Wasserknappheit bedroht ist (ein für die nähere Zukunft leider sicher mehr als realistisches Szenario). Trotzdem geht das Leben dort mehr oder weniger seinen normalen Gang, nur Wasserverschwendung wie das Befüllen von privaten Pools ist verboten. Doch eines Tages kommt es völlig überraschend zur Katastrophe, ein anderer US-Bundesstaat sperrt eigenmächtig einen wichtigen Wasserversorgungsfluß nach Kalifornien, um selber auf das Wasser zuzugreifen und in Südkalifornien kommt von einer Minute auf die nächste kein Wasser mehr aus den Wasserhähnen der Bevölkerung. Die Politik beschwichtigt zunächst und da in einem anderen Landesteil eine große Naturkatastrophe wütet bleibt der als „Tap-Out“ bezeichnete Notstand von Regierung und Katastrophenschutz erstmal merkwürdig unbeachtet.

Die 17-jährige Alyssa lebt mit ihrem kleinen Bruder Garrett und ihren Eltern in einem der betroffenen Orte und man erlebt zusammen mit der Familie wie diese auf die ungewohnte Situation reagiert, erstmal zeitverzögert fast gar nicht und als die Familie dann doch zum Supermarkt fährt um Wasser zu kaufen gehen dort schon langsam die Vorräte aus. Das Buch schildert sehr gut wie die bedrohliche Situation innerhalb weniger Tage komplett eskaliert, Alyssa und Garretts Eltern verschwinden am 2. Tag beim Versuch bei einer Entsalzungsanlage am Meer Wasser zu bekommen. Alyssa findet Hilfe im Nachbarsjungen Kelton, dessen Familie als Einzige auf derartige Katastrophen vorbereitet sind (oder es zumindest glauben), da sie zur Gruppe der „Prepper“ gehören (Menschen, die ständig damit beschäftigt sind sich auf einen drohenden Weltuntergang vorzubereiten, z.B. in dem sie Vorräte horten oder Bunker auf ihrem Grundstück anlegen. Doch auch Keltons Familie muss bald feststellen, dass die Realität des Überlebenskampfes nicht unbedingt viel mit der Theorie zu tun hat.

Das Buch wird überwiegend in der Ich-Perspektive erzählt, wobei der Ich-Erzähler von Kapitel zu Kapitel zwischen Alyssa, Kelton und zwei weiteren Teenagern wechselt, auf die Alyssa und Kelton während ihrer Suche nach Wasser stoßen. Diesen Perspektivenwechsel fand ich manchmal ein bisschen verwirrend (das ist jetzt schon das zweite Buch mit wechselnder Ich-Perspektive, das ich in kurzer Zeit lese, dabei ist das eigentlich ja keine so übliche Erzählform, allerdings muss ich sagen, dass ich es in diesem Buch insgesamt gut umgesetzt fand). Aufgelockert wird die Geschichte durch kurze episodenhafte Einblicke in das Schicksal anderer vom Tap-Out betroffener Personen, die im Stile eines Newstickers zwischendrin eingeworfen sind. Diese haben mir gut gefallen.

Insgesamt ist die Geschichte sehr gelungen, spannend, mit interessanten Charakteren und einem sehr realistischen Szenario in dem gut gezeigt wird wie völlig normale zivilisierte Menschen innerhalb von wenigen Tagen in einen Modus kommen, wo es um das reine Überleben und einen Kampf um Ressourcen geht. Nicht überraschenderweise bleibt die Menschlichkeit dort schnell auf der Strecke. Allerdings ist das Buch für eine Dystopie fast ein bisschen „harmlos“, es geschehen zwar natürlich schreckliche Dinge, trotzdem wirkt die Situation nie wirklich hoffnungslos. Ich denke in einem Jugendbuch ist dies aber völlig in Ordnung. Für mich ein sehr lesenswertes kurzweiliges Buch, das ich innerhalb von 2 Tagen durchgelesen habe.

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Buchtipp: „Herr Sonneborn geht nach Brüssel – Abenteuer im Europaparlament“

Heute möchte ich ein Sachbuch vorstellen, das für mich eines der besten und wichtigsten Bücher 2019 ist, nämlich „Herr Sonneborg geht nach Brüssel – Abenteuer im Europaparlement“, das Buch des Satirikers Martin Sonneborg („Titanic“ Redakteur und Gründer der Satire-Partei „Die PARTEI“ – sie ist bekanntlich sehr gut). Er schildert darin seine Erfahrungen als Abgeordneter im Europaparlament in den Jahre 2014 – 2019. Die PARTEI erhielt bei der Europa-Wahl 2014 0,6% der Stimmen und damit einen Platz im Europaparlament für Martin Sonneborn, der seitdem als fraktionsloser Abgeordneter zwischen sympathischen Menschen wie griechischen Rechtsextremen, dem NPD Vertreter Udo Voigt, Beatrice von Storch (von ihm liebevoll Beatrice von Strolch genannt) und anderen Vertretern von meist mehr oder weniger extremen Kleinparteien, die ebenfalls keiner Fraktion angehören.

Das Buch ist nun durchaus humoristisch und unterhaltsam geschrieben und liest sich deswegen auch sehr kurzweilig, es ist aber trotzdem keine reine Satire und schon gar nicht reine Unterhaltungslektüre, denn die Ereignisse und Entscheidungen im Europaparlament sind trotz der satirischen Aufmachung chronologisch und informativ geschildert (zusätzlich ergänzt mit Auszügen aus der Medienberichterstattung über die PARTEI). In zahlreichen Anekdoten lernt man mehr darüber was hinter den Kulissen der EU abläuft, oft bleibt einem dabei das Lachen im Halse stecken. Das Buch bietet deswegen tatsächlich einen ernsthaften, Augen öffnenden und oft desillusionierenden Einblick in die Europapolitik. Aus meiner Sicht lohnt es sich für quasi jeden es zu lesen (außer er sympathisiert mit rechtsextremen Kleinparteien oder gestandenen CDU Größen wie Elmar Brok).

Ich habe das Buch unter anderem auch gelesen, um mir ein besseres Bild darüber zu machen, ob die PARTEI einen Beitrag zur politischen Kultur liefert, die als konstruktiv angesehen werden kann (und damit ob die PARTEI wählbar ist) und ich für mich kann diese Frage auf jeden Fall mit „Ja“ beantworten. Um so befremdlicher finde ich die Reaktion etablierter Politiker und Parteien auf die PARTEI.
Offenbar wurden die bei der Europawahl 2014 erhaltenen 0,6% von den etablierten Parteien (vor allem CDU und SPD) als so bedrohlich empfunden, dass sie mit allen Mitteln versuchten für die Europawahl 2019 eine Sperrklausel von 3 oder 5% einzuführen, was aber glücklicherweise scheiterte und aus meiner Sicht ein sehr fragwürdiges Demokratieverständnis zeigt. Sowieso scheint die PARTEI bei etablierten Politikern einen Finger in eine Wunde zu legen, denn diese versuchen ständig diese und auch ihre Wähler abzuwerten , eine herablassende Einstellung die ja auch andere Kritiker und Aktivisten derzeit zu spüren kriegen. Glücklicherweise kriegen CDU und SPD ja im Moment durchaus in Umfragen die Folgen dieser sehr befremdlichen Arroganz zu spüren.

Bei der Europawahl 2019 steigerte die PARTEI sich übrigens auf sehr respektable 2,4% und erhielt damit sogar 2 Plätze im Europaparlament, die von Martin Sonneborn und Kabarettist Nico Semsrott wahr genommen werden. Nico Semsrott ist der Fraktion der Grünen beigetreten, Martin Sonneborn bleibt nach aktuellem Stand bei seinem Status als Fraktionsloser.

Generell scheint die PARTEI ihren Status als reine Satirepartei teilweise aufzugeben und auch „ernsthafter“ Politik machen zu wollen, was ich persönlich sehr begrüße. Und wenn Martin Sonneborn über die nächsten 5 Jahre Europaparlament wieder ein Buch schreibt, werden ich es auf jeden Fall wieder lesen.

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Buchtipps Mai: Krimi und Young Adult

Diese Woche möchte ich 2 ältere Bücher aus unterschiedlichen Genres gemeinsam vorstellen, die ich im letzten Monat gelesen habe. Das erste ist ein Young Adult Roman, den mir meine Freundin von Glimrende schon vor längerer Zeit empfohlen hat. Das zweite ist mal wieder ein Krimi der Deutschen Beststellerautorin Charlotte Link, für die ich in den letzten Monaten ein wiedererwachtes Faible entwickelt habe.

„Nicht nur ein Liebesroman“ von Emma Mills

„Nicht nur ein Liebesroman“ von Emma Mills ist ein Young Adult Roman, ein Genre das ich auch als Erwachsene persönlich sehr gerne mag. Hauptperson des Buches ist die 17-jährige Sloane, die mit ihren Eltern von New York nach Florida zieht. Sloane ist eigentlich ein ziemlich selbstbewußter Teenager, sie ist eine exzellente Sängerin und hat einen Hang zu ironischen und schnippischen Bemerkungen. Trotzdem hatte sie aber offenbar an ihrem früheren Wohnort Schwierigkeiten echte Freundschaften aufzubauen. Umso sehr freut sie sich, dass sie in Florida schnell Anschluß findet. Auf einer Party lernt sie die Zwillinge Vera und Gabe kennen, Vera ist glamourös, Social Media Sternchen, eine Lichtgestalt um die sich der gesamte Freundeskreis dreht. Gabe ist eher verschlossen, neigt zu Mißmutigkeit und ist zunächst mal gar nicht so begeistert von Sloane, die ihn auf der Party ungebeten gegen einen Mobber verteidigt.

Es ist nicht ganz einfach zu beschreiben worum es in dem Buch genau geht, wie der Titel schon sagt, ist es „Nicht nur ein Liebesroman“ und die natürlich wie in den meisten Young Adult Romanen vertretene Liebesgeschichte spielt auch wirklich eine eher untergeordnete Rolle. Hauptthema des Buches ist wohl Sloane selbst, ihre Entwicklung und ihre Beziehungen zu ihrer Familie und zu ihren Freunden. Mir hat gut gefallen, dass Sloane kein typischer Young Adult Charakter ist, oftmals erzählen diese Bücher eine „vom hässlichen Entlein zum strahlenden Schwan“ Geschichte und die Protagonisten haben anfangs Probleme mit ihrem Selbstbewusstsein oder ihrem Aussehen, doch obwohl Sloane Schwierigkeiten mit Nähe hat, ist sie von Anfang ein starker Charakter der gerade deswegen oft aneckt. Auch die anderen Charaktere im Buch werden zwar eher nebenbei ausgearbeitet, sind aber vielschichtig und interessant und auch die Probleme in Sloanes Familie werden mit Humor und Leichtigkeit thematisiert.
Der Schreibstil des Buches ist anfangs etwas ungewöhnlich, etwas spröde und sprunghaft vielleicht, genau wie ihr Hauptcharakter Sloane, aber wenn man sich darauf einlässt entwickelt die Geschichte auch gerade dadurch eine schöne Faszination.

„Die letzte Spur“ von Charlotte Link

„Die letzte Spur“  von 2014 ist ein weiterer ziemlich dicker Wälzer der Deutschen Schriftstellerin Charlotte Link. Im Zentrum des Geschehens steht Elaine Dawson, eine junge Frau vom Land, die ein ziemlich trostloses Leben führt. Nach dem Tod der Eltern pflegt sie alleine ihren nach einem Unfall querschnittsgelähmten und verbitterten Bruder. Sie sieht keine Perspektive ihrem tristen Leben zu entfliehen und fühlt sich als ewige Verliererin. Als ihre frühere Schulfreundin Rosanna sie zu ihrer Hochzeit nach Gibraltar einlädt wagt sie sich trotzdem in dieses für ihre Verhältnisse große Abenteuer. Als aufgrund Nebels ihr Flug nach Gibraltar gestrichen wird und Elaine am Flughafen strandet, trifft sie auf den Anwalt Marc, der sie aus Mitleid mit zu sich nach Hause nimmt. An nächsten Morgen setzt er sie nach eigener Aussage in die Bahn zum Flughafen. Ab diesem Moment hat niemand mehr was von Elaine gesehen oder gehört.
Fünf Jahre später langweilt sich die Journalistin Rosanna in ihrem Leben in Gibraltar, ihre Ehe ist in keinem guten Zustand und als sie von ihrem ehemaligen Chef in England den Auftrag bekommt eine Reportage über verschwundene Frauen zu schreiben in der auch Elaines Geschichte nochmal aufgearbeitet werden soll, nimmt Rosanna den Auftrag begeistert an. Doch schnell ist sie in die Geschichte persönlicher und emotionaler verstrickt als sie es sich vorgestellt hatte.

Bei der Geschichte handelt es sich nicht um einen reinen Krimi in klassischem Sinne, der Plot ist sehr komplex und raffiniert und wird nach und nach aufgedröselt, die Charaktere sind sehr interessant und trotz der eher ruhigen Erzählweise kommt teilweise sogar richtige Thrillerspannung auf. Mir hat diese Mischung aus Beziehungsdrama und Krimi mit Thrillerelementen wirklich sehr gut gefallen und wie immer liefert Charlotte Link mit dem Buch auf sehr hohem Niveau ab.

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Buchtipp: „Der Outsider“ von Stephen King

„Der Outsider“ von Stephen King ist sicher kein 100% klassischer Krimi, da er ähnlich wie die Romane der „Mr. Mercedes“ Trilogie auch übernatürliche Elemente enthält. Der Roman spielt überwiegend in Flint City, Oklahoma, einer Kleinstadt in der der College-Professor und Baseballtrainer Terry Maitland beliebt und hochangesehen ist. Um so schockierender ist es als ein kleiner Junge ermordet und verstümmelt aufgefunden wird und gleich diverse Zeugen Terry Maitland eindeutig als Täter identifizieren. Auch forensische Spuren bestätigen seine Täterschaft. Der Polizist Ralph Anderson lässt sich aufgrund der völlig unmissverständlichen Ausgangslage und der Tatsache, dass Terry auch seinen eigenen Sohn trainierte dazu hinreißen Coach Maitland in aller Öffentlichkeit während eines Baseballspiels publikumswirksam zu verhaften, vor den Augen von dessen Frau und der 2 kleinen Töchter.

Um so verwirrender entwickeln sich dann die nächsten Tage für die Ermittler, denn Terry Maitland scheint nicht nur der eindeutige Täter zu sein, sondern gleichzeitig auch noch ein bombensicheres Alibi zu haben. Er war während der Tat auf einem Schriftsteller-Kongress, zusammen mit 3 Kollegen, die bezeugen können, dass er die ganze Zeit vor Ort war und zusätzlich wurde er auch noch zur Tatzeit bei einer Lesung im Publikum gefilmt. Eigentlich eine völlig unmögliche Situation.

Der erste Teil des Romans liest sich wie ein klassischer „Whodunit“ Krimi, der mit einer ziemlich mysteriösen Ausgangslage beginnt. Nachdem die Ereignisse rund um Terry Maitland ein tragisches – wenn auch nicht unerwartetes – Ende nehmen, ist Ralph Anderson um so motivierter Licht in die rational unmöglich scheinenden Ereignisse zu bringen. Zusammen mit Maitlands Anwalt und einem Privatdetektiv, den dieser engagiert hatte, versucht Anderson herauszufinden was wirklich hinter dem Mord steckt. Ab diesem Punkt nimmt das Buch eine Wendung hin zu einem klassischeren Stephen King Roman und als die Ermittlungen das Team aus Flint City heraus führen tritt eine alte Bekannte auf den Plan: Holly Gibney, die schrullige Assistentin des inzwischen verstorbenes Detektives Jim Hodges aus der Mr. Mercedes Trilogie. Der Rest des Buches fühlt sich dann eher wie eine Fortsetzung dieser Reihe an, die „alten“ King Themen wie Freundschaft und Loyalität im Kampf von „Gut“ gegen „Böse“ spielen wieder eine große Rolle und der Schreibstil ist auch wieder klassischer wie man es von Stephen King gewohnt ist.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, auch wenn es weder besonders gruselig, noch besonders Thriller-mäßig spannend ist, sondern trotz der übernatürlichen Elemente ein eher ruhiger Krimi ist.

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Buch-Tipp: „Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“

„Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“ von William Kent Krueger spielt im Jahre 1961 in einer Kleinstadt namens New Bremen im Mittleren Westen der USA. Der 13-jährige Frank lebt dort mit seinem jüngeren Bruder Jake, seiner 18-jährigen Schwestern Ariel und seinen Eltern. Der Vater ist ein methodistischer Pfarrer, der in seinem Beruf zu 100% aufgeht, die Mutter hat die Rolle als „Pfarrersfrau“ eher mäßig motiviert angenommen, nachdem ihr Mann nach den Erfahrungen als Soldat im 2. Weltkrieg das Jurastudium zugunsten seiner Berufung als Geistlicher aufgegeben hat. Sie leitet aber begeistert den Kirchenchor und Ariel gilt als große musikalische Hoffnung.

Frank ist eigentlich ein ganz normaler Junge, etwas wild und risikobereit, außerdem neigt er dazu zu plappern und zu klatschen und auch mal ein bisschen aufzuschneiden. Sein Bruder Jake stottert und ist entsprechend eher ruhig und zurückhaltend, da er viel gehänselt wird. Im Vergleich zu seinem Bruder wirkt er sehr verantwortungsbewusst und erwachsen. Die idyllische Kindheit der beiden Brüder wird in diesem Sommer durch einige Todesfälle getrübt, zuerst wird ein geistig etwas gehandicappter Junge vom Zug erfasst und dann finden Frank und Jake auch noch die Leiche eines Landstreichers in der Nähe der Bahngleise. Doch leider sollen das nicht die einzigen Todesfälle in dem Buch bleiben und der nächste Tod trifft die Familie deutlich schlimmer, so dass deren ganzes Leben aus den Fugen gerät.

Das Buch beginnt trotz der eher tragischen Ereignisse am Anfang mit einer großen Leichtigkeit und auch viel Humor, so dass ich zuerst fast etwas geschockt war als die Ereignisse dann doch abrupt sehr traurig und düster wurden. Allerdings bleibt die Geschichte durchgehend inspirierend und auch im Grunde positiv, so dass das ganze Buch am Ende sehr poetisch und lebensbejahend war. Außerdem ist es erstaunlich spannend und in der Mitte hatte ich fast das Gefühl einen Krimi zu lesen. Am Ende ist die Auflösung der Geschichte dann aber doch etwas zu leicht vorhersehbar (ich habe eigentlich fast alle Wendungen im Voraus erraten), um als Krimi durchgehen zu können, was mich aber nicht gestört hat, da es darum eigentlich gar nicht ging. Die zentralen Themen des Buches sind sicher der Umgang mit einem Verlust, Vergebung und auch wie man in schwierigen Zeiten Hoffnung schöpft. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und die Geschichte hat mich sehr berührt. Mir hat auch gut gefallen, dass Frank als Held in dem Buch fast ein bisschen ambivalent war, er hat nicht nur positive Charaktereigenschaften und einige seiner Entscheidungen im Buch haben auch sehr negative Konsequenzen. Ich fand dies durchaus sympathischer als die oftmals sehr eindimensional positiven Charaktere wenn Kinder Hauptpersonen in Büchern sind.

Das Einzige was mir etwas merkwürdig vorkam war dass fast alle Charaktere in dem Buch sehr liberal wirkten, dafür das das Buch 1961 im Mittleren Westen der USA spielte. Ob das so realistisch dargestellt war, kann ich aber auch nicht beurteilen. Insgesamt ein sehr schöner und bewegender Roman, der trotz des eher traurigen Themas nicht deprimierend ist.