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Buchtipp: „Euer dunkelstes Geheimnis“ von Amanda Jennings

Auf „Euer dunkelstes Geheimnis“ von Amanda Jennings bin ich eher zufällig gestoßen. Laut Buchcover handelt es sich bei dem Roman um einen Thriller, was ich nachdem ich das Buch gelesen haben für eine sehr unglückliche Kategorisierung halte, da ich beim besten Willen nicht erkennen kann, was an dem Roman ein Thriller sein soll (auch als Krimi würde er nicht durchgehen). Zwar geht es grundsätzlich um ein Verbrechen, allerdings sind die Geschehnisse von Anfang an mehr oder weniger klar und ist auch einfach eine Familiengeschichte  und -Tragödie (mit ganz minimalen mystischen Elementen) die wirklich sehr gefühlvoll erzählt wird. Ich finde das ungünstig, denn Thriller-Fans werden eventuell enttäuscht sein und Leute, die so eine Familiengeschichte gerne lesen würden, werden eventuell von der Thriller Etikettierung abgeschreckt. Davon mal abgesehen war das Buch wirklich eine Überraschung, denn es hat meine Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen.

Die 28 jährige Bella fährt zu Beginn des Buches mit ihrem Ehemann David (der eine unangenehme Kontrolle über sie auszuüben scheint) zur Beerdigung ihrer Mutter, die überraschend starb. Bella hatte ein sehr ambivalentes Verhältnis zu ihrer Mutter Elaine, denn sie wuchs überbehütet und von der Außenwelt abgeschirmt (nicht mal zur Schule durfte sie gehen, den Unterricht übernahm ihre Mutter) in einem alten Pfarrhaus auf, eingeengt von ihrer kontrollsüchtigen Mutter und mit einem seltsam distanzierten Vater Henry…trotzdem stand Bella ihrer Mutter sehr nahe und ist am Boden zerstört. Schockierenderweise begeht ihr Vater am Tag nach der Beerdigung auch noch Selbstmord und hinterlässt Bella einen Brief in dem er offenbart, dass Henry und Elaine gar nicht Bellas leiblichen Eltern waren und dass sie sie auch nicht adoptiert haben. Mit im Brief der Name und die Adresse ihrer tatsächlichen Mutter. Es hat den Anschein als hätten Elaine und Henry Bella als Kleinkind entführt…

Bella ist hin- und hergerissen und löst sich schließlich von David, um in die Kleinstadt St. Ives in Cornwall zu fahren ihre tatsächliche Familie zu suchen. Zuerst gibt sich Bella dort als Journalistin aus und nennt sich nach ihrer eingebildeten Freundin ihrer Kindheit Tori. Der Rest des Buches erzählt von der Annäherung von Bella an ihre leibliche Familie, von Bellas Suche nach ihrer eigenen Identität und nach und nach kommt auch raus, was damals wirklich geschah als die kleine Bella (ihr richtiger Name lautete Morveren) verschwand.

Ich fand das Buch sehr vielschichtig und gefühlvoll, mit toll ausgearbeiteten Charakteren und einer kreativen und außergewöhnlichen Geschichte. Dass es am Ende ein bisschen sehr gefühlsbetont und pathetisch wurde, hat mich deswegen auch nicht gestört, da einem die Charaktere einfach so ans Herz gewachsen waren (mir kam sogar fast eine Träne ganz am Ende). Insgesamt ein wirklich tolles Buch, dass etwas unglücklich in der Verpackung eines typischen 08/15 Thrillers (von Cover, Titel und Klappentext her) daherkommt.

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Jugendbuch-Tipp: „Simon vs. the Homo Sapiens Agenda“

„Simon vs. the Homo Sapiens Agenda“ von Becky Albertalli wurde mir von einer Freundin empfohlen und da ich sehr gerne „Young Adult“ Bücher lese und der Klappentext mich auch sehr angesprochen hat, habe ich mir das Buch (in der englischsprachigen Originalausgabe“) auch bestellt. Die deutsche Ausgabe heißt „Nur drei Worte – Love, Simon“, allerdings kann ich die Qualität der Übersetzung natürlich nicht beurteilen.

Simon ist 17 Jahre alt und geht auf eine typische amerikanische Highschool. Er weiß schon länger, dass er schwul ist, konnte sich aber bisher noch nicht dazu aufraffen, seinen Freunden und seiner Familie davon zu erzählen. Auf Tumblr hat er zufällig einen Post eines Schulkameraden (mit dem Pseudonym „Blue“) entdeckt, der ihn sehr berührt hat, so dass er eine (geradezu altmodische 😉 ) Email-Brieffreundschaft mit ihm beginnt. Der Haken daran: beide schreiben unter einem Pseudonym, wissen zwar, dass sie auf die gleiche High School gehen, aber nicht wer der andere ist…und anfangs ist diese Anonymität beiden auch ganz recht. Unglücklicherweise vergisst Simon sich an einem Bibliotheks-Computer auszuloggen, so dass sein nerdiger Klassenkamerad Martin eine seiner Mails entdeckt und mehr oder weniger ernsthaft versucht ihn mit seiner Homosexualität zu erpressen (als Gegenleistung möchte er dass Simon ihn mit seiner beliebten und hübschen Freundin Abby verkuppelt).

Das Buch erzählt immer abwechselnd von Simons normalen Schulalltag, dazwischen sind seine Email-Konversationen mit Blue abgedruckt. So entspinnt sich einerseits eine zarte und sher süße Liebesgeschichte, andererseits erfahren wir viel über die Alltagsprobleme von Simons Freunden, seinem Familienleben und wie er durch seine Unterhaltungen mit Blue langsam immer selbstbewußter wird.

Als einzige Kritikpunkte ist vielleicht anzuführen, dass das Buch etwas langsam in Fahrt kommt und dass es für den Leser doch recht einfach ist, relativ früh zu erraten wer Blue im wirklichen Leben ist…allerdings tut das dem Lesespaß keinen Abbruch. Die Charaktere sind alle liebevoll gezeichnet und man entwickelt schnell Sympathien für alle, sogar der „Erpresser“ Martin wird nicht als einseitig „böse“ Figur dargestellt. Das Buch schafft es durchaus ernsthafte Themen mit sehr viel Leichtigkeit zu vermitteln und ist somit ein sehr gelungenes Jugendbuch für Leser allen Artes die (unkitschige) Liebesgeschichten und Coming-Of-Age Romane mögen.

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Tipp für Stephen King Fans: „Basar der bösen Träume“

„Basar der bösen Träume“ ist ein typischer umfangreicher Sammelband mit Kurzgeschichten von Stephen King. Dabei ist zu beachten, dass die meisten der Geschichten über die Jahre und Jahrzehnte hinweg schon in anderen Büchern oder Zeitschriften oder einzeln (wie die ehemalige Kindle Exklusivstory „Ur“) veröffentlicht wurden. Anscheinend ist nur eine Geschichte in dem Geschichtenband wirklich eine Neuheit. Allerdings hat mich das wenig gestört, obwohl ich quasi jedes Buch von Stephen Kind, das er jeweils veröffentlicht hat, gelesen habe. Die meisten der Geschichten, die ich schon kannte, hatte ich vermutlich vor Jahrzehnten gelesen, so dass sie fast neu auf mich wirkten, außerdem kamen mir sowieso nur grob die Hälfte der Story bekannt vor.

Die Sammlung an sich fand ich sehr gelungen, richtige Horrorfans werden vermutlich nicht auf ihre Kosten kommen, denn Monster und Gruselhorror sucht man hier mit wenigen Ausnahmen vergebens, auch Übersinnliches spielt nicht in allen Geschichten eine Rolle. Oftmals handelt es sich mehr um einen leichten psychologischen Grusel, aber auch Humor kommt nicht zu kurz und es gibt auch ein- bis zwei eher positive Stories mit „Happy End“, sowie 2 Gedichte. Ich fand wirklich fast alle Geschichten rundum gelungen und habe mich nicht gelangweilt (nicht mal bei der Baseball-Geschichte, für die sich Stephen King im Vorwort quasi noch „entschuldigt“ hat, allerdings habe ich persönlich schon immer einen Soft Spot für Baseball).

Abgerundet wird die Kurzgeschichtensammlung noch durch die Vorworte, die jede einzelne Geschichte begleiten und in denen Stephen King zu jeder Geschichte eine kleine Anekdote über die Entstehung erzählt. Ich bin ja eigentlich kein großer Fan von Vorworten, meist finde ich diese eher unnötig und langweilig, aber Stephen King ist finde ich sozusagen der Meister der Vorworte und der Einzige, der es schafft dabei nie zu langweilen, sondern einem wirklich einen kleinen Einblick in das Leben als Autor zu geben.

Für mich also eine sehr gelungene Sammlung für Stephen King Fans und Fans von Geschichten mit einem eher subtilen Grusel.

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Regionalkrimi-Tipp: „Rabenschwarze Beute“ von Nicola Förg

„Rabenschwarze Beute“ ist der neueste Regionalkrimi aus der Feder von Nicola Förg.
Das Buch beginnt in einer Silvesternacht in Murnau, beim Feiern wird der Architekt und passionierte Vogelschützer Markus Göldner kurz nach Mitternach vom Balkon seiner Freundin geschossen. Wer der Schütze war ist unklar, denn im Feuerwerkshagel ging der echte Schuss unter. Der erste Eindruck weist indessen auf einen cholerischen Nachbarn
und Waffennarr hin, der mit einer Schreckschusspistole die Nachbarschaft an Silvester terrorisierte.
Aber ist die Lösung wirklich so offensichtlich?
Komissarin Irmi und ihr Team stoßen im Laufe der Ermittlungen auf viele Spuren und Verdächtige, Markus Göldner hatte sich als Aktivist viele Feinde gemacht, aber alle vielversprechenden Ansätze scheinen erst mal im Sande zu verlaufen.
Während eines vom Chef verordneten Teambuilding-Events auf einer Berghütte werden die Polizisten dann auch noch in einen anderen Kriminalfall verwickelt, das Kind der angesagten Social-Media-Modebloggerin La Jolina verschwindet und wird wenig später erfroren aufgefunden. Als wäre das nicht genug verschwindet einige Tage später auch noch die trauernde Mutter…

Wie immer in den Krimis von Nicola Förg spielen ihre (offensichtlichen) Leidenschaften
Tiere und Naturschutz eine wichtige Rolle. In diesem Krimi hat mir das besonders gut gefallen, da ich bei einigen angesprochenen Themen auch eine eher leidenschaftliche Meinung habe (z.B. die Unnötigkeit von Feuerwerken 😛 ).
Auch hat Nicola Förg einige aktuelle kleinere Nachrichtenereignisse in die Handlung
eingearbeitet ohne dass es irgendwie besonders konstruiert wirkte.
Den Kriminalfall an sich fand ich auch gut und spannend umgesetzt. Eventuell gibt es ein paar Zufälle zu viel, die mitunter ein bisschen konstruiert wirken (z.B. dass die Polizisten just zufällig auf einer Berghütte ein berufliches Event haben, wo die angesagte Influencerin grad ihr neuesten Mode-Shooting hat), aber wirklich gestört hat das nicht.
Ich fand das Verhältnis zwischen Krimihandlung und (durchaus lehrreichen) Informationen zu aktuellen Themen wie Windkraft und Vogelschutz jedenfalls gut gelungen und auch dass der Krimi viel Bezug auf aktuelle Trends und Ereignisse nimmt, wirkt bei dieser Autorin nicht aufgesetzt. Das Buch liest sich jedenfalls kurzweilig und auch Humor kommt nicht zu kurz, obwohl der Kriminalfall an sich wirklich
recht düster und dramatisch ist. Insgesamt also eine sehr gelungene Mischung.

Nicht so gut gefallen haben mir bei diesem Regionalkrimi übrigens Cover und Titel.
Das Cover finde ich in der schwarz-roten Optik eher unattraktiv und nicht sehr
ansprechend (in einer Buchhandlung und beim Stöbern würde mich dieses Cover nicht zum Kauf animieren) und mit dem Titel „Rabenschwarze Beute“
konnte ich auch nicht wirklich etwas anfangen, zumal ich keine wirkliche Verbindung zum Inhalt des Buches herstellen kann (außer der kreative Anspruch hört bei „irgendwas das vogelmäßig klingt“ schon auf). Das ist allerdings nur eine Kleinigkeit, da
ich allerdings ein großer Freund von schönen Covern und Titeln bin, freue ich mich immer über Bücher wo man merkt, dass sich da viele Gedanken gemacht wurden.

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Lesetipp: „Das Kaff“ von Jan Böttcher

Das Cover von „Das Kaff“ von Jan Böttcher zeigt ein eher kühl und stilistisch nüchtern wirkendes Dorf im Flachland aus der Schräg-Oben-Vogelperspektive, passend
zum Beruf der Hauptperson des Buches: Der Architekt Micha kehrt nach vielen Jahren im hippen Berlin zurück in sein norddeutsches Heimatdorf, um dort einen Bau-Auftrag zu begleiten (einige eher unspektakuläre Wohnungen in einer Art Reihenhaussiedlung der Beschreibung nach). Am Anfang weiß man noch nicht viel über Micha, seine Erlebnisse im Dorf werden anhand kurzer episodenhafter Kapitel erzählt, die ein widersprüchliches Bild von Micha zeichnen. Er scheint ein reicher erfolgreicher
Architekt zu sein, der es geschafft hat dem Dorf zu entkommen, aber warum schläft er dann in der Wohnung eines Freundes (skurrilerweise auf dem Dachboden), der grad zufällig im Urlaub ist? Und warum ist er so wütend auf alles und jeden, jede Person aus seiner Vergangenheit (sogar seine tote Mutter) und aus seinem aktuellen beruflichen Umfeld?

Der Stil des Buches ist eher assoziativ, teilweise fast poetisch, und Vieles wird zwischen den Zeilen gesagt, trotzdem fand ich das Buch sehr kurzweilig und gut lesbar, mit einem leisen Humor und ironischen Zwischentönen. Durch die kurzen Kapitel lässt es sich auch gut immer wieder zwischendurch lesen ohne dass man den Faden verliert.
Micha ist nicht unbedingt eine sympathische Hauptperson, im Verlauf des Buches wird schnell klar, dass er mit sich selbst nicht im Reinen ist, was sich dadurch äußert, dass er einerseits sehr arrogant auf sein Umfeld und die Menschen aus seiner Dorf-Vergangenheit und seiner Familie reagiert (vor allem seine Schwester und seinen Bruder stößt er immer wieder vor den Kopf), sich andererseits aber auch zu Ihnen hingezogen fühlt, vor allem zu seinem alten Regional-Fußballklub, wo er sogar als Jugendtrainer wieder einsteigt.

Je weiter das Buch voran schreitet, desto mehr erfährt man über Michas Vergangenheit, über die Krankheitsgeschichte seiner Mutter und man merkt auch, dass hinter seinen aggressiven Fassade trotz allem ein Mensch steckt, der ein großes Herz für andere hat und mit der Zeit ergibt sich auch eine Annäherung an seine Familie und eine Aufarbeitung seiner Jugend…Für Menschen, die bei Büchern eine klar erkennbare Handlung und eine lineare Erzählweise möchten, dürfte „Das Kaff“ eventuell nicht ganz das Richtige sein. Mir hat das Buch aber grade deswegen und auch wegen des etwas eneckenden und außergewöhnlichen Hauptcharakters gut gefallen.

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Lesetipp: „Dann schlaf auch Du“ – Mary Poppins in der Albtraumversion

In „Dann schlaf auch Du“ sucht das französische Paar Myriam und Paul ein Kindermädchen für ihre beide kleinen Kinder. Myriam war einige Jahre mit den Kindern zu Hause, inzwischen fällt ihr aber die Decke auf den Kopf und sie möchte wieder ihren Beruf als Anwältin nachgehen. Myriam und Paul machen sich also auf die Suche nach einem perfekten Kindermädchen und scheinen auch schon nach relativ kurzer Zeit einen echten Glückstreffer zu landen, die 50-jährige Louise wird Ihnen von deren vorherigen Arbeitgebern wärmstens empfohlen, sie macht einen zuverlässigen und fast schon perfektionistischen Eindruck und kommt gut mit den Kindern zurecht (auch mit der eher quengeligen 5-jährigen Tochter). Am Anfang wirkt auch alles fast wie im Märchen, Louise entpuppt sich als eine Art französische Mary Poppins und kümmert sich nicht nur um die Kindern, sondern gleich noch mit um den Haushalt und ums Kochen für die 4-köpfige Familie. Myriam und Paul haben zwar manchmal ein schlechtes Gewissen, die Nützlichkeit von Louise für ihren Alltag wischt aber alle anfänglichen Zweifel an Louises Über-Engagement hinweg.

Mir hat das Buch super gefallen, obwohl es sehr spannend ist, ist es eigentlich kein Thriller (das Ende wird auch schon gleich am Anfang des Buches „verraten“). sondern eine Psychostudie, die sich viel Zeit nimmt das Verhalten und das Innenleben von Louise zu beleuchten. Hier hat mir gut gefallen, dass Louise nicht wie in vielen Thrillern mit ähnlichem Thema als Psychopathin dargestellt wird, sondern dass das Buch Schritt für Schritt aufzeigt wie das Leben von Louise immer mehr auseinanderfällt, während Myriam und Paul kaum etwas davon mitbekommen, auch weil es sie im Endeffekt gar nicht wirklich interessiert. Das Buch zeigt sehr gut auf, wie Myriam und Paul quasi alles was Louise tut hinnehmen, weil ihre Leistung als Nanny ihr Leben einfach zu bequem macht, während sie alles was Ihnen nicht gefällt möglichst lange ignorieren oder schön reden.

Die Charaktere in dem Buch sind allesamt nicht unbedingt sympathisch (nicht einmal die Kinder), aber die Motive und Gefühlswelten der beteiligten Person sind immer nachvollziehbar und das Buch zeigt in beeindruckender Art und Weise wie ein Leben völlig zerfallen kann, ohne dass das Umfeld überhaupt etwas davon mitbekommt. Die Thematik ist natürlich sehr düster und sicher nicht das Richtige für jedermann, mir hat das Buch aber wirklich hervorragend gefallen.

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Lesetipp: „Mädchenmeute“ von Kirsten Fuchs

„Mädchenmeute“ von Kirsten Fuchs ist ein Jugendbuch, das mit einer interessanten Grundidee aufwartet. 7 junge Mädchen im Alter zwischen 13 und ca. 17 melden sich in den Sommerferien mehr oder weniger motiviert für ein Abenteuer-„Überlebenstraining“-Camp in der freien Natur an. Die Haupt-Protagonistin ist die 15-jährige Charlotte aus deren Sicht die Erlebnisse erzählt werden, sie ist sehr schüchern und wird schnell rot und sagt deswegen meist lieber gar nichts. Die anderen 6 Mädchen machen einen eher unkonventionellen Eindruck auf Charlotte und sind eine bunt gemischte Truppe. Noch merkwürdiger aber wirken die beiden Organisatoren des Sommer-Camps und so kommt es nach einigen merkwürdigen Begebenheiten dazu, dass die 7 Mädchen auf eigene Faust aus dem Camp flüchten und sich stattdessen im Erzgebirge für einen ganz „eigenen“ Abenteuerurlaub in einer Höhle im Wald einnisten, die eines der Mädchen aus ihrer Kindheit kennt.

Der Anfang des Buches hat mir wirklich super gefallen, die Erlebnisse rund um den Einzug in das eigentliche Camp sind super beschrieben und auch einfach unheimlich komisch und skurril. Auch Charlotte ist eine sehr sympathische Hauptfigur und der Schreibstil, der ihre kreative Gedankenwelt wiedergibt hat mir sehr gut gefallen. Trotzdem hat das Buch für mich nach dem starken Start etwas nachgelassen, denn in weiten Teilen der Mitte passiert einfach relativ wenig und auch die Geschichte am Ende ist zwar geheimnisvoll, aber dann doch irgendwie nicht soooo mitreißend, wie sie hätte sein können. Außerdem fand ich einige Charaktere des Buches sehr stark beschrieben und charakterisiert, ein bis zwei Mädchen der Gruppe bleiben aber so blass, dass ich mir kein wirkliches Bild von ihnen machen konnte (dass „Rike“ existiert vergaß ich quasi immer völlig, bis ihr Name mal wieder erwähnt wurde). Spannend hingegen fand ich das Setting im Erzgebirge und die vielen lokalkoloritischen und auch historischen Infos zu der Region, die ins Buch eingewoben wurde, denn darüber weiß man als West-Deutsche meist eher wenig.

Insgesamt fand ich das Buch unterhaltsam und nett zu lesen und es ist definitiv auch stilistisch und inhaltlich mal etwas ganz anderes, aber zu einem richtig herausragenden Buch hat mir doch ein Quentchen Spannung gefehlt.

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Lesetipp: „13 Reasons Why“ („Tote Mädchen lügen nicht“) von Jay Asher

Normalerweise passiert es sehr selten, dass ich mir zuerst die Verfilmung eines Buches anschaue und hinterher das Buch lese (schon alleine deshalb, weil die Bücher ja in der Regel zuerst erscheinen). Ich bin aber durchaus jemand, der sich gern Buchverfilmungen anguckt, ohne mich arg daran zu stören, wenn Buch und Film oder Fernsehserie inhaltlich nicht 100% gleich sind. Bei „13 Reasons Why“ war es nun so, dass ich mir zuerst die darauf basierende Netflix Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ angeschaut habe und hinterher nun auch noch das Buch lesen wollte. Die Serie hat mir dabei ausnehmend gut gefallen, ich fand sie wirklich gelungen und mitreißend.

Das Buch ist inhaltlich bis auf einige Kleinigkeiten fast gleich: der Teenager Clay bekommt eines Tages plötzlich ein Päckchen mit altmodischen Audiotapes. Als er neugierig hineinhört, hört er zu seinem Schock die Stimme seiner Mitschülerin Hannah, die sich vor einiger Zeit umgebracht hat…Hannah hat vor ihrem Selbstmord 13 Kassettenseiten aufgenommen, für 13 Personen, die aus ihrer Sicht an ihrem Selbstmord mitverantwortlich waren und diese Kassetten vor ihrem Selbstmord an den ersten dieser 13 Personen schicken lassen, mit der Botschaft die Kassetten anzuhören und dann an den nächsten auf der Liste weiterzuschicken.

Das Buch behandelt dann im Endeffekt diese 13 Kassetten, die Clay sich innerhalb kurzer Zeit anhört und wie er damit zurecht kommt. Dabei ist der gesprochene Text von Hannah kursiv gedruckt und die Gedanken von Clay sind in Normalschrift. Das fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, man kommt aber mit der Zeit immer besser damit zurecht.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, ich muss aber sagen, dass mir hier die Netflix Serie doch noch einen Ticken besser gefallen hat und ich glaube nicht, dass es nur daran liegt, dass ich diese zuerst gesehen habe (auch wenn es natürlich etwas von der Spannung nimmt). Für mich war die Serie auch deswegen etwas besser, weil sie sich mehr Zeit für die Darstellung der verschiedenen Charaktere nimmt und weil man auch mehr über diese erfährt. Bedingt durch den Aufbau des Buches erfährt man eben wirklich alles aus Hannahs Sicht, was die beteiligten Personen weniger als komplexe Menschen wirken lässt, sondern mehr als reine Akteure…Auch Clay bleibt in der Rolle des passiven Zuhörers im Buch sehr blass und eindimensional, was in der Serie überhaupt nicht der Fall war. Sehr gut gelungen fand ich dagegen auch im Buch die Art und Weise wie Hannah dargestellt ist, auch wenn sie ein „schwieriger“ Charakter ist, bei dem es trotzdem Anteilnahme an ihrem Schicksal gar nicht immer so leicht ist ihn zu mögen.

Hinweis: ich habe das Buch im englischen Original gelesen und kann deswegen nichts über die Qualität der Deutschen Übersetzung sagen.

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Lesetipp: „Das Floss der Medusa“ von Franzobel

Normalerweise lese ich eher selten bis gar nie historische Romane, „Das Floss der Medusa“ hat aber meine Aufmerksamkeit geweckt, da als Cover das gleichnamige berühmte und beeindruckende Gemälde von Jean Géricault gewählt wurde, das ich sogar schon live im Louvre gesehen habe. Da auch der Klappentext spannend klang, habe ich also mal eine Ausnahme bei meinen Lesegewohnheiten gemacht.

Der Roman beschäftigt sich mit einem tatsächlich stattgefundenem historischen Ereignis: im Jahr 1816 segelte die französische Fregatte Medusa mit ca. 400 Passagieren (darunter Militär, hochrangige Politiker, Matrosen, „normale“ Bürger mit Kindern, Missionare und Forscher…) nach Afrika, in die afrikanische Kolonie Senegal, die kürzlich von Großbritannien an Frankreich zurückgegeben wurde. Aufgrund der Inkompetenzen des unerfahrenen Kapitäns lief das Schiff auf eine Sandbank auf. Da nicht genug Rettungsboote vorhanden waren, wurden knapp 150 Menschen kurzerhand auf ein selbstgebautes Floß verfrachtet, dass von den Rettungsbooten gezogen werden sollten. Diese kappten aber schon nach kurzer Zeit die Seile, so dass das Floß 13 Tage im Meer trieb. Als es letztendlich gefunden wurde, leben von den ursprünglich 147 Personen nur noch 15  gerade so und diese hatten sich nur durch Kannibalismus am Leben halten können. Diese dramatische (und nicht sehr appetitliche) Katastrophe behandelt der Roman trotz des unschönen Themas mit viel Witz, Intelligenz und Spannung.

Die Geschichte entwickelt der österreichische Autor „Franzobel“ anhand der Einzelschicksale einiger Passagiere (von denen es die meisten – aber vermutlich nicht alle – auch tatsächlich historisch belegt gegeben hat). Das Buch startet hierbei schon am Anfang der Reise und der Autor nimmt sich Zeit die unterschiedlichen Personen und ihre Motive und Hoffnungen, die sich mit der Reise nach Afrika verbinden vorzustellen. Dabei hat der Autor einen interessanten, oft auch humorvoll ironischen Stil. Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich am Anfang, dass das Buch zwar in einer zum 19. Jahrhunderten passenden etwas altmodischen Sprache geschrieben ist, aber trotzdem aus der Distanz eines heute lebenden Erzählers erzählt wird, so benutzt der Autor zum Beispiel Vergleiche wie „er war so muskulös wie Arnold Schwarzenegger“ oder „es war ein Gewusel wie an einem Flughafen“. Diese offensichtlich absichtlichen Stilbrüche wirken zuerst mal etwas merkwürdig, ich habe mich aber schnell dran gewöhnt und insgesamt hat mir der Stil des Buches hervorragend gefallen.

Die Geschichte liest sich dann auch sowohl spannend, aber auch lässt sich auch viel Zeit für Charakterentwicklung und Informationen über die politischen Zustände im Jahre 1816 als Frankreich nach den Auswirkungen der französischen Revolution noch immer völlig zerrissen ist zwischen liberalen Revolutionären und Royalisten. Auch diese Konflikte finden sich auf dem Schiff wieder und verstärken die durch die Notsituation ausbrechenden Konflikte. Das Buch ist natürlich etwas brutal, denn auch schon vor den dramatischen Ereignissen ist das Leben auf so einem Schiff nichts für empfindliche Personen…wer sich davon nicht abschreckend lässt wird mit einem Buch belohnt, das aus der Masse heraussticht.

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Lesetipp: „Das Ministerium des äußersten Glücks“ von Arundhati Roy

Arundhati Roy ist die Autorin eines meiner absoluten Lieblingsbücher aller Zeiten, „Der Gott der kleinen Dinge“, der schon vor ca. 20 Jahre erschien. Danach schrieb sie lange Zeit „nur“ politische Texte und engagierte sich in Indien humanitär und politisch. Dieses Jahr erschien nun ihr 2. Roman „Das Ministerium des äußersten Glücks„.

Der Roman beginnt mit einer der zentralen Hauptfiguren, Anjum, einer Hijra (siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Hijra ), die rein biologisch intersexuell ist und als Teenager aus ihrer verständnislosen Familie in eine Gemeinschaft anderer Hijras zieht. Doch auch aus dieser „Ersatzfamilie“ zieht sie sich nach einem traumatisierenden Erlebnis zurück und verbringt ihr Leben von dort an skurrilerweise auf einem verlassenen Friedhof, auf dem sie sich zusammen mit anderen Außenseitern der indischen Gesellschaft häuslich einrichtet.

Lose verflochten mit ihrer Geschichte ist die Geschichte von 4 Studienfreunden, 3 Männer und eine Frau um die sich in dieser Gruppe alles dreht: die gleichsam charismatische wie verschlossene Tilo. Die drei Männer sind seit dem Schauspiel-Studium mehr oder weniger unglücklich in sie verliebt und der Lebensweg der 4 kreuzt sich in den nächsten Jahrzehnten immer wieder, verbunden dadurch, dass jeder von ihnen auf die eine oder andere Weise in den Kaschmir-Konflikt und dessen blutigen Auswüchse verwickelt ist.

Anhand dieser Personen (und noch einiger mehr) wird ein Bild Indiens der letzten Jahrzehnte gezeichnet, die großen Themen die dabei im Vordergrund stehen sind der Kaschmir-Konflikt (eine eher euphemistische Bezeichnung für einen blutigen jahrzehntelangen Krieg), die Auswirkungen von Globalisierung und Kapitalismus auf die indische Gesellschaft, Religionskonflikte, die Auswüchse des hinduistischen Nationalismus, die Unterdrückung von Minderheiten…all dies und die Auswirkungen davon wird durch die Erlebnisse der Helden der Geschichte lebendig gemacht.

Ich muss zugeben, dass ich anfangs etwas Schwierigkeiten hatte in das Buch zu finden, denn grade am Anfang werden sehr viele indische Begriffe benutzt, bei denen man ein Glossar gebrauchen könnte (es gibt zwar eins, aber das deckt nur wenige Begriffe ab), allein dass ich vorher schon ungefähr wusste was Hijras sind (ihre gesellschaftliche Stellung ist deutlich komplizierter als die von Transsexuellen oder Intersexuellen in westlichen Gesellschaften), war zum Beispiel eher Zufall. Allerdings dauert es nicht lange bis man sich in die Geschichte hineinfindet und auch ohne tiefes Wissen über Indien und den Kaschmir-Konflikt problemlos zurecht kommt und ab da entfaltete die Geschichte für mich ihre volle Wirkung. Man merkt Arundhati Roy eine gewisse Wut und vielleicht sogar Zynismus im Bezug auf die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Indien an, trotzdem bleibt das Buch voller Wärme für ihre Hauptfiguren und auch der Kaschmir-Konflikt wird durch die unterschiedlichen Augen, die im Buch darauf schauen von mehreren Seiten beleuchtet.

Für mich deshalb wieder ein sehr wertvolles und lehrreiches und komplexes Buch, für das man sich allerdings Zeit nehmen muss und dass sich nicht mal schnell nebenher liest. Auch sind die darin beschriebenen Grausamkeiten nichts für zarte Gemüter, aber das ist die Realität auch nicht. Und die Realität, die in diesem Buch beschrieben wird, lässt sich leider auf Regionen der ganzen Welt übertragen, genauso wie die Hintergründe der geschilderten Konflikte, so dass das Buch nicht nur ein Bild von Indien zu zeichnen scheint, sondern vom Zustand der ganzen aktuellen Weltlage. Die leider genauso wenig rosig scheint, wie der Inhalt dieses Romans, in der es aber auch genauso viel Hoffnung und Liebe im Kleinen gibt, wie sie auf Anjums‘ Friedhof im Buch zu finden ist.