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Lesetipp: „Das Kaff“ von Jan Böttcher

Das Cover von „Das Kaff“ von Jan Böttcher zeigt ein eher kühl und stilistisch nüchtern wirkendes Dorf im Flachland aus der Schräg-Oben-Vogelperspektive, passend
zum Beruf der Hauptperson des Buches: Der Architekt Micha kehrt nach vielen Jahren im hippen Berlin zurück in sein norddeutsches Heimatdorf, um dort einen Bau-Auftrag zu begleiten (einige eher unspektakuläre Wohnungen in einer Art Reihenhaussiedlung der Beschreibung nach). Am Anfang weiß man noch nicht viel über Micha, seine Erlebnisse im Dorf werden anhand kurzer episodenhafter Kapitel erzählt, die ein widersprüchliches Bild von Micha zeichnen. Er scheint ein reicher erfolgreicher
Architekt zu sein, der es geschafft hat dem Dorf zu entkommen, aber warum schläft er dann in der Wohnung eines Freundes (skurrilerweise auf dem Dachboden), der grad zufällig im Urlaub ist? Und warum ist er so wütend auf alles und jeden, jede Person aus seiner Vergangenheit (sogar seine tote Mutter) und aus seinem aktuellen beruflichen Umfeld?

Der Stil des Buches ist eher assoziativ, teilweise fast poetisch, und Vieles wird zwischen den Zeilen gesagt, trotzdem fand ich das Buch sehr kurzweilig und gut lesbar, mit einem leisen Humor und ironischen Zwischentönen. Durch die kurzen Kapitel lässt es sich auch gut immer wieder zwischendurch lesen ohne dass man den Faden verliert.
Micha ist nicht unbedingt eine sympathische Hauptperson, im Verlauf des Buches wird schnell klar, dass er mit sich selbst nicht im Reinen ist, was sich dadurch äußert, dass er einerseits sehr arrogant auf sein Umfeld und die Menschen aus seiner Dorf-Vergangenheit und seiner Familie reagiert (vor allem seine Schwester und seinen Bruder stößt er immer wieder vor den Kopf), sich andererseits aber auch zu Ihnen hingezogen fühlt, vor allem zu seinem alten Regional-Fußballklub, wo er sogar als Jugendtrainer wieder einsteigt.

Je weiter das Buch voran schreitet, desto mehr erfährt man über Michas Vergangenheit, über die Krankheitsgeschichte seiner Mutter und man merkt auch, dass hinter seinen aggressiven Fassade trotz allem ein Mensch steckt, der ein großes Herz für andere hat und mit der Zeit ergibt sich auch eine Annäherung an seine Familie und eine Aufarbeitung seiner Jugend…Für Menschen, die bei Büchern eine klar erkennbare Handlung und eine lineare Erzählweise möchten, dürfte „Das Kaff“ eventuell nicht ganz das Richtige sein. Mir hat das Buch aber grade deswegen und auch wegen des etwas eneckenden und außergewöhnlichen Hauptcharakters gut gefallen.

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Lesetipp: „Samy“ von Zdenka Becker

„Samy“ ist der Titelheld von Zdenka Beckers Roman, der dem Buch auch gleich den Namen gibt. Am Anfang des Buches liegt Samy im Krankenhaus, offenbar hat es eine Art Unfall gegeben, aber Samy ist kaum ansprechbar und erinnert sich an nichts. Die Psychologin Hana, die Samy privat seit Jahren kennt, weil sie mit dessen Mutter befreundet ist, versucht ihm die Ereignisse zu entlocken und einen Zugang zu ihm zu finden. Entlang dieser aktuellen Ereignisse wird die schwierige Lebensgeschichte von Samy erzählt, bis hin zu dem tragischen Ende.

Samy wächst in der damaligen Slowakei auf, seine Mutter ist Slowakin, sein Vater ein Österreicher indischer Herkunft, den seine Mutter auf einem seltenen Berlin-Besuch während eines Kongresses kennen gelernt hat und mit dem sie eine kurze aber intensive Affäre hatte. Das Ergebnis davon ist Samy, der als einziger dunkelhäutiger Junge in seiner Umgebung in der Slowakei mit so einigen Anfeindungen zu leben hat. Besonders schwer zu schaffen macht ihm sein ehemaliger Jugendfreund Harry und leider gelingt es Samy nicht über die Kränkungen der Kindheit hinweg zukommen, so dass er sich je älter er wird immer mehr in einem Strudel der Hoffnungslosigkeit und Paranoia verfängt.

Das Leben von Samy wird von früher Kindheit an erzählt, bis hin zu seinem Leben als Jugendlicher und als junger Erwachsener. Aber auch die Lebensgeschichte seiner Mutter Olga bekommt viel Raum und ich fand es besonders interessant auch Einiges über den Kommunismus und das Leben in der Slowakei der letzten Jahrzehnte zu erfahren. Man merkt, dass die slowakisch-österreichische Autorin dort auf sehr viele eigene Erfahrungen zurückgreifen kann.

Das Buch basiert anscheinend auf realen Ereignissen und manchmal merkt man das finde ich am Erzählstil, der ein bisschen wie eine Fallgeschichte daherkommt, was mich aber nicht gestört hat. Manchmal fand ich den Erzählstil allerdings etwas sperrig und ein bisschen unterkühlt, aber trotzdem sehr eindringlich.

Samys Lebensgeschichte und wie ihm sein Leben immer weiter entgleitet wird anschaulich und bewegend geschildert und viele Ereignisse des Buches lassen einen wütend und betroffen zurück, deswegen hat es mir insgesamt sehr gut gefallen.

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Lesetipp: „Dann schlaf auch Du“ – Mary Poppins in der Albtraumversion

In „Dann schlaf auch Du“ sucht das französische Paar Myriam und Paul ein Kindermädchen für ihre beide kleinen Kinder. Myriam war einige Jahre mit den Kindern zu Hause, inzwischen fällt ihr aber die Decke auf den Kopf und sie möchte wieder ihren Beruf als Anwältin nachgehen. Myriam und Paul machen sich also auf die Suche nach einem perfekten Kindermädchen und scheinen auch schon nach relativ kurzer Zeit einen echten Glückstreffer zu landen, die 50-jährige Louise wird Ihnen von deren vorherigen Arbeitgebern wärmstens empfohlen, sie macht einen zuverlässigen und fast schon perfektionistischen Eindruck und kommt gut mit den Kindern zurecht (auch mit der eher quengeligen 5-jährigen Tochter). Am Anfang wirkt auch alles fast wie im Märchen, Louise entpuppt sich als eine Art französische Mary Poppins und kümmert sich nicht nur um die Kindern, sondern gleich noch mit um den Haushalt und ums Kochen für die 4-köpfige Familie. Myriam und Paul haben zwar manchmal ein schlechtes Gewissen, die Nützlichkeit von Louise für ihren Alltag wischt aber alle anfänglichen Zweifel an Louises Über-Engagement hinweg.

Mir hat das Buch super gefallen, obwohl es sehr spannend ist, ist es eigentlich kein Thriller (das Ende wird auch schon gleich am Anfang des Buches „verraten“). sondern eine Psychostudie, die sich viel Zeit nimmt das Verhalten und das Innenleben von Louise zu beleuchten. Hier hat mir gut gefallen, dass Louise nicht wie in vielen Thrillern mit ähnlichem Thema als Psychopathin dargestellt wird, sondern dass das Buch Schritt für Schritt aufzeigt wie das Leben von Louise immer mehr auseinanderfällt, während Myriam und Paul kaum etwas davon mitbekommen, auch weil es sie im Endeffekt gar nicht wirklich interessiert. Das Buch zeigt sehr gut auf, wie Myriam und Paul quasi alles was Louise tut hinnehmen, weil ihre Leistung als Nanny ihr Leben einfach zu bequem macht, während sie alles was Ihnen nicht gefällt möglichst lange ignorieren oder schön reden.

Die Charaktere in dem Buch sind allesamt nicht unbedingt sympathisch (nicht einmal die Kinder), aber die Motive und Gefühlswelten der beteiligten Person sind immer nachvollziehbar und das Buch zeigt in beeindruckender Art und Weise wie ein Leben völlig zerfallen kann, ohne dass das Umfeld überhaupt etwas davon mitbekommt. Die Thematik ist natürlich sehr düster und sicher nicht das Richtige für jedermann, mir hat das Buch aber wirklich hervorragend gefallen.

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Krimi-Lesetipp: „Durst“ von Jo Nesbo

„Durst“ ist der neueste Thriller aus der „Harry Hole“ Reihe von Jo Nesbo, aus der ich schon einige Bücher gelesen habe. Inzwischen ist Harry Hole offiziell gar kein Polizist mehr, sondern arbeitet als Hochschuldozent und ist mit seiner Ehefrau Rakel und Stiefsohn Oleg quasi häuslich geworden.

In seiner alten Polizeidienststelle leitet die junge Polizistin Katrine Bratt die Ermittlungen und es erwartet sie ein besonders gruseliger Fall, eine junge Frau wird quasi ausgeblutet mit durchgebissener Kehle aufgefunden und es scheint als sei der Täter ein Mensch gewesen, ein Mörder der wohl Gefallen daran findet, das Blut seiner Opfer zu trinken. Zu finden scheint er die Opfer über die Dating-App Tinder…und schon bald nach dem ersten Mord gibt es ein zweites Opfer. Der ehrgeizige (und wirklich sehr unsympathische) Polizeichef Mikael Bellmann träumt indes von einer großen Karriere als Justizminister und möchte auf keinen Fall, dass ein ungelöster Mordfall seinen Aufstiegschancen im Wege steht, weswegen er um jeden Preis versucht Harry Hole wieder für die Ermittlungen zu gewinnen. Zu dem Sonderermittlungsteam kommt noch ein junger talentierter Polizist namens Anders Wyller und ein selbsternannter Professor für Vampirismus, der in der Vergangenheit für sein Forschungsfeld viel Spott einstecken musste, jetzt aber hochgefragt ist…aber grade als die Ermittlungen Fahrt aufnehmen wird auch noch Harrys Frau schwer krank…

Soweit die Prämisse des Buches, auch wenn der Hintergrund etwas reißerisch daherkommt, handelt es sich um einen intelligenten psychologischen Thriller mit interessanten Charakteren in dem viele falsche Fährten gelegt werden und so einige erwartete und unerwartete Wendungen auftauchen. Mich hat das Buch sehr gut unterhalten, auch wenn es für einen Psychothriller vielleicht nicht total innovativ ist, sondern eher ein klassischer Vertreter mit allen Zutaten, die man von so einem Thema so erwartet. Das Ende ist sehr spannend und führte bei mir durchaus dazu, dass ich das Buch die letzten 100 Seiten nicht mehr aus der Hand legen konnte, genau wie man es von einem guten Thriller erwartet. Einzige Schwäche des Buches war für mich, dass doch sehr offensichtlich einzelne Personen als „potentielle Verdächtige“ inszeniert werden und es dann nur noch darum geht, wer von ihnen tatsächlich etwas zu verbergen hat und bei wem es sich um eine falsche Fährte handelte. Für sehr erfahrene Krimileser waren diese Konstrukte doch etwas sehr offensichtlich, was dem Lesespaß aber trotzdem keinen Abbruch tat.

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Jugendbuch-Lesetipp: „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“

„Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ spielt in den 80er Jahren. Die Hauptfigur ist die 15-jährige June Elbus. June hat nicht viele Freunde und auch mit ihrer 16-jährigen Schwester Greta versteht sie sich nicht mehr so gut wie als beide kleine Kinder waren und beide unzertrennlich schienen. Im Mittelpunkt des Buches steht Junes Verhältnis zu ihrem Patenonkel Finn, einem erfolgreichen New Yorker Künstler, der allerdings an AIDS erkrankt ist.  June vergöttert ihn und verbringt sehr viel Zeit mit ihm.

Das Buch beginnt gegen Ende von Finns Krankheit, als er es sich zur Aufgabe gemacht hat ein Portrait von June und Greta zu malen, einmal wöchentlich besuchen June und Greta Finn um ihm Modell zu sitzen (wobei Greta wenig Lust dazu hat). Nach Finns unausweichlichem Tod sieht June bei seiner Beerdigung einen jungen Mann, den alle Familienmitglieder außer ihr zu kennen scheinen und auf den ihre Mutter sehr allergisch reagiert…kurze Zeit nach der Beerdigung erhält June einen Brief von Toby, dem jungen Mann, der wie es sich rausstellt Finns Lebensgefährte war. Toby möchte sie sie treffen. June kann nicht verstehen, warum sie als Einzige in der Familie anscheinend nichts von ihm wusste (obwohl allen bekannt war, dass Finn schwul ist)…

Der Rest des Buches beschäftigt sich mit der Beziehung von June und Toby, mit der schwierigen Beziehung zwischen June und Greta und deren Eltern. Dabei gibt es keine groß aufregenden Handlungsstränge, das Buch lebt von der Aufarbeitung der Gefühle der Protagonisten, erst gegen Ende entwickelt auch die Handlung etwas mehr Dramatik. Mir hat aber gerade das an dem Buch gut gefallen, man taucht ganz in Junes Gefühlswelt ein und auch Greta ist ein komplexer und widersprüchlicher Charakter, den man aber nur aus der Außensicht kennenlernt. June hat mir als Hauptcharakter sehr gut gefallen, einerseits wirkt sie intelligent und sehr reif für ihr Alter, andererseits merkt man in manchen Situationen, dass sie doch noch sehr kindlich denkt. Als zentrales Thema des Buches würde ich Eifersucht ausmachen und wie diese das Verhältnis und Handeln der verschiedenen Personen des Buches beeinflusst. Mir hat das Buch insgesamt sehr gut gefallen und auch das Thema sticht aus dem Repertoire typischer Jugendbücher heraus. Für mich ein sehr gutes Buches für jeden der gefühlvolle Jugendbücher mit eher ruhigem Erzähltempo mag.

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Krimi-Tipp: „Die Eishexe“ von Camilla Läckberg

„Die Eishexe“ von Camilla Läckberg ist der neueste Krimi rund um die Schriftstellerin Erica und dem Polizistenteam rund um Ericas Mann Patric. Wobei es schwierig ist bei der Reihe von Camilla Läckberg wirkliche Hauptpersonen auszumachen, denn es tummelt sich da ein ganzes Sammelsurium an Ermittlern und sonstiger Charaktere. Damit ist vielleicht auch schon eine der wenigen Schwächen des Buches genannt, denn der Einstieg gestaltet sich (vor allem für Neulinge der Reihe, aber auch für erfahrene Leser) doch etwas schwierig, so viele Handlungsstränge werden am Anfang aufgemacht. Außerdem erfährt man noch etwas über das Privatleben aller Kommissare, so dass man auf den ersten hundert Seiten des Romans doch ziemlich damit beschäftigt ist, sich überhaupt die ganzen Namen der beteiligten Personen zu merken…

Danach nimmt das Buch aber immer mehr Fahrt auf und wird immer spannender, so dass ich das Buch vor allem in der 2. Hälfte gar nicht mehr aus der Hand legen konnte und die letzten ca. 350 Seiten an einem Tag quasi auf einen Schwung verschlungen habe, etwas das mir schon lange nicht mehr passiert ist und dass einen guten Krimi für mich definitiv ausmacht. Deswegen sehe ich auch bei meiner Bewertung sehr gerne über die kleineren Schwächen des Buches hinweg (die da wären: die schon erwähnte manchmal etwas übertriebene Beschäftigung mit dem doch auch oft eher banalen Privatleben der Ermittler, die manchmal etwas klischeehaften Ereignisse und Ausdrucksweisen und einen gewissen Hang zum Kitsch bei der Schilderung von Erica und Patrics Privatleben und der Tatsache, dass die Ermittler sich manchmal etwas unlogisch verhandeln und Ermittlungsstränge, die selbst für Laien offensichtlich scheinen entweder erst sehr spät oder gar nicht verfolgen). Denn bei der Story gibt es sonst fast nichts zu meckern, sie ist komplex, unterhaltsam, mitreißend und bleibt bis zum Ende spannend.

Am Anfang der Geschichte steht der Tod zweier kleiner Mädchen. Die 4-jährige Stella wurde vor 30 Jahren im Wald ermordert, den Mord gestanden ihre beiden 13-jährigen Babysitterinnen, Helen und Marie. Auch wenn sie das Geständnis später zurücknahmen, blieb der Fall ungelöst und der Makel der Mörderinnen an beiden haften. 30 Jahre später wohnt Helen immer noch in dem Ort und Marie ist eine erfolgreiche Hollywood-Schauspielerin geworden, die für einen Filmdreh zurück in ihr Heimatdorf reist. Kaum ist sie wieder da, geschieht das Unfassbare, von dem gleichen Bauernhof auf dem Stella lebte, verschwindet wieder ein kleines Mädchen und auch dieses wird wenig später tot aufgefunden. Haben Helen und Marie wieder gemordet? Oder ist ein anderer Täter von damals zurück? Handelt es sich um Zufall oder einen Nachahmer? Aus dieser Krimi-Handlung macht Camilla Läckberg ein Buch das komplex ist, aber oft auch grausam und sehr brutal. Ich würde es jedem empfehlen, der sich von dieser Beschreibung nicht abschrecken lässt und der gerne Krimis liest, die sich langsam wie ein Puzzle auf ein Ergebnis zu bewegen. Für zarte Gemüter oder Leute die es gern präzise und geradlinig haben, ist das Buch vermutlich eher nichts.

Mich hat es hervorragend unterhalten und für mich ist Camilla Läckberg im Moment eine der besten modernen Krimi-Autorinnen.

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Lesetipp: „Mädchenmeute“ von Kirsten Fuchs

„Mädchenmeute“ von Kirsten Fuchs ist ein Jugendbuch, das mit einer interessanten Grundidee aufwartet. 7 junge Mädchen im Alter zwischen 13 und ca. 17 melden sich in den Sommerferien mehr oder weniger motiviert für ein Abenteuer-„Überlebenstraining“-Camp in der freien Natur an. Die Haupt-Protagonistin ist die 15-jährige Charlotte aus deren Sicht die Erlebnisse erzählt werden, sie ist sehr schüchern und wird schnell rot und sagt deswegen meist lieber gar nichts. Die anderen 6 Mädchen machen einen eher unkonventionellen Eindruck auf Charlotte und sind eine bunt gemischte Truppe. Noch merkwürdiger aber wirken die beiden Organisatoren des Sommer-Camps und so kommt es nach einigen merkwürdigen Begebenheiten dazu, dass die 7 Mädchen auf eigene Faust aus dem Camp flüchten und sich stattdessen im Erzgebirge für einen ganz „eigenen“ Abenteuerurlaub in einer Höhle im Wald einnisten, die eines der Mädchen aus ihrer Kindheit kennt.

Der Anfang des Buches hat mir wirklich super gefallen, die Erlebnisse rund um den Einzug in das eigentliche Camp sind super beschrieben und auch einfach unheimlich komisch und skurril. Auch Charlotte ist eine sehr sympathische Hauptfigur und der Schreibstil, der ihre kreative Gedankenwelt wiedergibt hat mir sehr gut gefallen. Trotzdem hat das Buch für mich nach dem starken Start etwas nachgelassen, denn in weiten Teilen der Mitte passiert einfach relativ wenig und auch die Geschichte am Ende ist zwar geheimnisvoll, aber dann doch irgendwie nicht soooo mitreißend, wie sie hätte sein können. Außerdem fand ich einige Charaktere des Buches sehr stark beschrieben und charakterisiert, ein bis zwei Mädchen der Gruppe bleiben aber so blass, dass ich mir kein wirkliches Bild von ihnen machen konnte (dass „Rike“ existiert vergaß ich quasi immer völlig, bis ihr Name mal wieder erwähnt wurde). Spannend hingegen fand ich das Setting im Erzgebirge und die vielen lokalkoloritischen und auch historischen Infos zu der Region, die ins Buch eingewoben wurde, denn darüber weiß man als West-Deutsche meist eher wenig.

Insgesamt fand ich das Buch unterhaltsam und nett zu lesen und es ist definitiv auch stilistisch und inhaltlich mal etwas ganz anderes, aber zu einem richtig herausragenden Buch hat mir doch ein Quentchen Spannung gefehlt.

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Lesetipp: „13 Reasons Why“ („Tote Mädchen lügen nicht“) von Jay Asher

Normalerweise passiert es sehr selten, dass ich mir zuerst die Verfilmung eines Buches anschaue und hinterher das Buch lese (schon alleine deshalb, weil die Bücher ja in der Regel zuerst erscheinen). Ich bin aber durchaus jemand, der sich gern Buchverfilmungen anguckt, ohne mich arg daran zu stören, wenn Buch und Film oder Fernsehserie inhaltlich nicht 100% gleich sind. Bei „13 Reasons Why“ war es nun so, dass ich mir zuerst die darauf basierende Netflix Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ angeschaut habe und hinterher nun auch noch das Buch lesen wollte. Die Serie hat mir dabei ausnehmend gut gefallen, ich fand sie wirklich gelungen und mitreißend.

Das Buch ist inhaltlich bis auf einige Kleinigkeiten fast gleich: der Teenager Clay bekommt eines Tages plötzlich ein Päckchen mit altmodischen Audiotapes. Als er neugierig hineinhört, hört er zu seinem Schock die Stimme seiner Mitschülerin Hannah, die sich vor einiger Zeit umgebracht hat…Hannah hat vor ihrem Selbstmord 13 Kassettenseiten aufgenommen, für 13 Personen, die aus ihrer Sicht an ihrem Selbstmord mitverantwortlich waren und diese Kassetten vor ihrem Selbstmord an den ersten dieser 13 Personen schicken lassen, mit der Botschaft die Kassetten anzuhören und dann an den nächsten auf der Liste weiterzuschicken.

Das Buch behandelt dann im Endeffekt diese 13 Kassetten, die Clay sich innerhalb kurzer Zeit anhört und wie er damit zurecht kommt. Dabei ist der gesprochene Text von Hannah kursiv gedruckt und die Gedanken von Clay sind in Normalschrift. Das fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, man kommt aber mit der Zeit immer besser damit zurecht.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, ich muss aber sagen, dass mir hier die Netflix Serie doch noch einen Ticken besser gefallen hat und ich glaube nicht, dass es nur daran liegt, dass ich diese zuerst gesehen habe (auch wenn es natürlich etwas von der Spannung nimmt). Für mich war die Serie auch deswegen etwas besser, weil sie sich mehr Zeit für die Darstellung der verschiedenen Charaktere nimmt und weil man auch mehr über diese erfährt. Bedingt durch den Aufbau des Buches erfährt man eben wirklich alles aus Hannahs Sicht, was die beteiligten Personen weniger als komplexe Menschen wirken lässt, sondern mehr als reine Akteure…Auch Clay bleibt in der Rolle des passiven Zuhörers im Buch sehr blass und eindimensional, was in der Serie überhaupt nicht der Fall war. Sehr gut gelungen fand ich dagegen auch im Buch die Art und Weise wie Hannah dargestellt ist, auch wenn sie ein „schwieriger“ Charakter ist, bei dem es trotzdem Anteilnahme an ihrem Schicksal gar nicht immer so leicht ist ihn zu mögen.

Hinweis: ich habe das Buch im englischen Original gelesen und kann deswegen nichts über die Qualität der Deutschen Übersetzung sagen.

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Lesetipp: „Das Floss der Medusa“ von Franzobel

Normalerweise lese ich eher selten bis gar nie historische Romane, „Das Floss der Medusa“ hat aber meine Aufmerksamkeit geweckt, da als Cover das gleichnamige berühmte und beeindruckende Gemälde von Jean Géricault gewählt wurde, das ich sogar schon live im Louvre gesehen habe. Da auch der Klappentext spannend klang, habe ich also mal eine Ausnahme bei meinen Lesegewohnheiten gemacht.

Der Roman beschäftigt sich mit einem tatsächlich stattgefundenem historischen Ereignis: im Jahr 1816 segelte die französische Fregatte Medusa mit ca. 400 Passagieren (darunter Militär, hochrangige Politiker, Matrosen, „normale“ Bürger mit Kindern, Missionare und Forscher…) nach Afrika, in die afrikanische Kolonie Senegal, die kürzlich von Großbritannien an Frankreich zurückgegeben wurde. Aufgrund der Inkompetenzen des unerfahrenen Kapitäns lief das Schiff auf eine Sandbank auf. Da nicht genug Rettungsboote vorhanden waren, wurden knapp 150 Menschen kurzerhand auf ein selbstgebautes Floß verfrachtet, dass von den Rettungsbooten gezogen werden sollten. Diese kappten aber schon nach kurzer Zeit die Seile, so dass das Floß 13 Tage im Meer trieb. Als es letztendlich gefunden wurde, leben von den ursprünglich 147 Personen nur noch 15  gerade so und diese hatten sich nur durch Kannibalismus am Leben halten können. Diese dramatische (und nicht sehr appetitliche) Katastrophe behandelt der Roman trotz des unschönen Themas mit viel Witz, Intelligenz und Spannung.

Die Geschichte entwickelt der österreichische Autor „Franzobel“ anhand der Einzelschicksale einiger Passagiere (von denen es die meisten – aber vermutlich nicht alle – auch tatsächlich historisch belegt gegeben hat). Das Buch startet hierbei schon am Anfang der Reise und der Autor nimmt sich Zeit die unterschiedlichen Personen und ihre Motive und Hoffnungen, die sich mit der Reise nach Afrika verbinden vorzustellen. Dabei hat der Autor einen interessanten, oft auch humorvoll ironischen Stil. Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich am Anfang, dass das Buch zwar in einer zum 19. Jahrhunderten passenden etwas altmodischen Sprache geschrieben ist, aber trotzdem aus der Distanz eines heute lebenden Erzählers erzählt wird, so benutzt der Autor zum Beispiel Vergleiche wie „er war so muskulös wie Arnold Schwarzenegger“ oder „es war ein Gewusel wie an einem Flughafen“. Diese offensichtlich absichtlichen Stilbrüche wirken zuerst mal etwas merkwürdig, ich habe mich aber schnell dran gewöhnt und insgesamt hat mir der Stil des Buches hervorragend gefallen.

Die Geschichte liest sich dann auch sowohl spannend, aber auch lässt sich auch viel Zeit für Charakterentwicklung und Informationen über die politischen Zustände im Jahre 1816 als Frankreich nach den Auswirkungen der französischen Revolution noch immer völlig zerrissen ist zwischen liberalen Revolutionären und Royalisten. Auch diese Konflikte finden sich auf dem Schiff wieder und verstärken die durch die Notsituation ausbrechenden Konflikte. Das Buch ist natürlich etwas brutal, denn auch schon vor den dramatischen Ereignissen ist das Leben auf so einem Schiff nichts für empfindliche Personen…wer sich davon nicht abschreckend lässt wird mit einem Buch belohnt, das aus der Masse heraussticht.

Reiten

Lesetipp: „Arschlochpferd 2 – Scheiß auf den Halsring“

„Arschlochpferd 2 – Scheiß auf den Halsring“ ist der zweite Roman von Nika S. Daveron, der als „Ableger“ zu ihrem Blog und ihrer Facebook Seite „Arschlochpferd“ veröffentlicht wurde. Der Blog Arschlochpferd beschäftigt sich mit humorvollen und ironischen Beiträgen mit den Irrungen, Wirrungen und Verrücktheiten der Online- und Offline-Reiterszene.

Nachdem im ersten Band die verplante und ignorante Möchtegern-Einhorn-Reiterin im Mittelpunkt stand, hat der 2. Band eine neue Hauptdarstellerin: Dressursusi, gerade volljährig geworden, hauptberuflich Tochter, von ihren Reitkünsten überzeugt und ambitioniert die Dressurwelt zu erobern, kauft sich ihr erstes eigenes Pferd (bzw. lässt es sich von Mutti kaufen).

Das Buch begleitet Dressursusi und ihr Pferd (der zukünftige Dressurkracher mit dem klingenden Namen „Wonderful Days Mon Amour „) durch die ersten Monate ihrer Karriere als Pferdebesitzerin und Möchtegern-Dressur-Star. Da Dressursusi ähnlich wenig Ahnung von Pferden hat wie die Protagonistin von Band 1 ist dies mit einigen Unannehmlichkeiten für Reiter und vor allem Pferd verbunden. Auch die Geduld von Dressursusis Eltern, Freunden, Reitlehrern und Stallkollegen wird auf eine harte Probe gestellt.

Die Geschichte liest sich wie schon im ersten Band wie eine Mischung aus Roman und humoristischen Sachbuch, es gibt eine  Romanhandlung, die aber immer wieder durch humoristischen Sach-Einlagen aus der Pferdewelt unterbrochen sind, die teilweise auch schon vom Blog bekannt sind. Diese Einschübe wirken manchmal ein bisschen wie ein Bruch im Buch, lockern aber die Romanhandlung trotzdem nett auf. Wenn man von dem Buch nicht erwartet, dass es sich dabei um einen großartigen reinen Roman handelt, bietet das Buch sehr gelungene Unterhaltung mit einer satirischen Erzählweise, die leider wie schon in Band gar nicht so übertrieben ist, wie man es sich wünschen würde (fürs Pferd).